Wege in die Energiezukunft

BISCHOFSZELL. Am Energieforum informierten Experten über erneuerbare Energien und die kantonalen Förderbeiträge für Um- und Neubauten. Zur Sprache kam auch das von der CVP und der Stadt Bischofszell angestrebte Label Energiestadt.

Andrea Kern
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Eine Photovoltaikanlage wandelt Sonnenlicht in elektrische Energie um; installiert wird sie meist auf Dächern. (Archivbild: Urs Jaudas)

Eine Photovoltaikanlage wandelt Sonnenlicht in elektrische Energie um; installiert wird sie meist auf Dächern. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die weltweiten Ressourcen an fossiler Energie neigen sich dem Ende zu, betonten gleich mehrere Referenten am Energieforum vom Mittwochabend in der Aula Sandbänkli. Darüber, wann genau der Peak Oil, also das Maximum der weltweiten Erdölförderung, erreicht werde, sind sich auch Energieexperten nicht einig. Doch unabhängig davon müsse jetzt gehandelt werden. Rund 120 Personen liessen sich an der von der CVP Bischofszell und Umgebung organisierten Veranstaltung über die Sanierung von Altbauten, Fördergelder bei Neubauten und das Label Energiestadt informieren.

Technologien vor Ort

«In der Schweiz sind wir zu fast 70 Prozent von Erdölprodukten abhängig», sagt Josef Gemperle, CVP-Kantonsrat und Präsident des Vereins Geothermie Thurgau. Es brauche vor Ort mehr Effizienz aller Technologien. «Wir dürfen diese nicht gegeneinander ausspielen.» Das Klima müsse geschützt und der Strommix verbessert werden. Dabei machte er auch auf die Gefahren von Tiefseebohrungen, Öltankern und Atomkraftwerken aufmerksam.

Produkte brauchen Abnehmer

CVP-Präsident Thomas Diethelm betonte ebenfalls, dass die Weichen für die Zukunft jetzt gestellt werden müssten. «Die Energiewende ist beschlossen. Nun braucht es ein Miteinander von Wirtschaft und Politik, von Bauherren und Architekten sowie von Energieexperten.» Eines sei sicher: «Für die Energiewende braucht es ein innovatives Gewerbe, das die Produkte anbietet, und Abnehmer, die gewillt sind, in eine neue Energiezukunft zu investieren.»

Was dies für KMU bedeutet, zeigte Andreas Koch auf. «Insbesondere KMU sind von ausländischem Strom abhängig», sagte der Geschäftsführer des Kompetenz-Zentrums Erneuerbare Energie Südthurgau (KEEST). In diesem Zusammenhang kam er auf die graue Energie zu sprechen, die oft vergessen gehe. «Das ist jene Energie, die zur Herstellung und zum Transport eines Produktes gebraucht wird.» Doch Potenzial für lokale Versorgung sei vorhanden. Er hob die Vorteile von Geothermie hervor und machte darauf aufmerksam, dass in Basel überreagiert worden sei. «Geothermie ist nicht gefährlich. Sie ist beherrschbar.»

«Kein Geld ist kein Argument»

Nicht nur das Gewerbe, sondern auch Hausbesitzer wurden im Energieforum angesprochen. «Das Argument, kein Geld für energieeffizientes Bauen zu haben, zählt nicht», sagt Stefan Mischler, Präsident IG Passivhaus Ost. Er legte dar, in welcher Form der Kanton die Sanierung von Altbauten unterstützt. Dabei empfahl er, zuerst eine Analyse in Form eines GEAK vornehmen zu lassen. Dieser Gebäudeenergieausweis zeigt auf, wie viel Energie ein Gebäude verbraucht.

Der Kanton spricht aber nicht nur für Sanierungen Fördergelder. Auch bei Neubauten können Bauherren ein Gesuch einreichen, wie Lukas Jarc vom Amt für Energie erklärt. «Diese müssen aber vor Baubeginn eingereicht werden.» Nicht unwesentlich dabei: «Energietechnische Verbesserungen können vollumfänglich von den Steuern abgezogen werden.»

Eine klare Energiepolitik

Das Thema Energie beinhaltet auch das Label Energiestadt, das Bischofszell auf Initiative der CVP anstrebt. 1999 erhielt Gossau dieses Label. «Dafür braucht es eine klare Energiepolitik», sagt Gossaus FDP-Stadträtin Gaby Krapf. Wichtig sei, Bevölkerung, Schulen und Gewerbe ins Boot zu holen. Eines der Ziele aus dem Energiekonzept: «Jedes Jahr eine Photovoltaikanlage auf einem städtischen Gebäude installieren.»