1887 Jahre nach den Römern

BUSSNANG/WEINFELDEN. Rund 250 Schaulustige kamen zur feierlichen Einweihung des renovierten Ganggelistegs über die Thur. Die Sanierung war fast 20mal teurer als die Errichtung im 19. Jahrhundert.

Rudolf Steiner
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Freude über den neuen Steg: Ruedi Zbinden, Gemeindeammann von Bussnang, Robert Heim, stellvertretender Kantonsingenieur, und Max Vögeli, Gemeindeammann von Weinfelden. (Bild: Rudolf Steiner)

Freude über den neuen Steg: Ruedi Zbinden, Gemeindeammann von Bussnang, Robert Heim, stellvertretender Kantonsingenieur, und Max Vögeli, Gemeindeammann von Weinfelden. (Bild: Rudolf Steiner)

BUSSNANG/WEINFELDEN. «Bereits im Jahr 124 nach Christus überquerten unweit von hier die Römer die Thur, und seit 1887 gibt es hier eine Brücke.» Mit diesen Worten begrüsste Bussnangs Gemeindeammann Ruedi Zbinden am Freitagabend die Festgemeinde beim renovierten Ganggelisteg unten an der Thur. Als ungebetene Gäste schwebten über dem Ort des Geschehens auch einige dunkle, bedrohlich wirkende Gewitterwolken.

Brücken schlagen

Doch bevor sich die Wolken ihrer Ladung entledigten, ergriff auch der Gemeindeammann der Nachbargemeinde Weinfelden, Max Vögeli, das Wort. Da er in der Gemeinde Bussnang nichts zu sagen habe, wolle er sich auch kurz halten, meinte Vögeli augenzwinkernd. «Brücken schlagen hat immer auch Symbolcharakter, und so ist es wichtig, in Gesellschaft und Politik Brücken zu schlagen. Es geht dabei nicht um faule Kompromisse, sondern darum, gemeinsame Lösungen zu suchen.»

Erste Sanierung seit 1978

Das scheint man sich auch beim Bau und Unterhalt des Ganggelistegs, der längsten Pylon-Seilbrücke des Kantons Thurgaus, zu Herzen genommen zu haben. Denn schon bei der Errichtung vor 124 Jahren hatte sich die Gemeinde Weinfelden mit einem Betrag von 1000 Franken zusätzlich zu den Baukosten von 12 000 Franken beteiligt. Dies mit dem Ziel, sich von den Unterhaltsarbeiten loszukaufen.

Nachdem der Ganggelisteg bereits 1978 erstmals hat renoviert werden müssen, ist die jüngste Sanierung mit einem Kostenaufwand von 200 000 Franken fast 20mal teurer als die gesamten Baukosten im Jahr 1887.

Ein Pferd in der Thur

Umrahmt wurde die Eröffnungsfeier von der Musikgesellschaft Helvetia Mettlen, die mit ihren Vorträgen zum kulinarischen und gemütlichen Teil im trockenen Festzelt überleitete. Dort wurden die wildesten Geschichten rund um den Ganggelisteg erzählt. Etwa jene von einer Reiterin, die wegen des Reitverbots auf dem Steg den Weg durch das Wasser nehmen wollte, diese Alternative aber nicht mit ihrem Pferd «abgesprochen» hatte. Denn mitten im Fluss blieb das Tier stehen, rührte sich nicht mehr vom Fleck und musste mit einem Helikopter geborgen werden. Oder die Story von der Sanierung vor 33 Jahren, als bei den Arbeiten am Tragseil die Brücke einstürzte und die Kuhherde von Bauer Norbert Fröhli vor Schreck bis fast nach Amlikon flüchtete.

Nichts zu tun hat der Name des Steges mit der Gangart eines ehemaligen Dorfgärtners. Dieser soll – den Erzählungen Einheimischer zufolge – nach seinen Wirtshaustouren in Weinfelden schwankend und im Zickzackkurs nach Bussnang zurückgekehrt sein.