Wandern für die Matura

393 Kilometer hat Ronja Pralle zu Fuss zurückgelegt. Die 18-Jährige wanderte in 24 Etappen von Arosa nach Montreux. Das Resultat: Die Maturaarbeit in Form eines Reiseführers mit Höhenprofil, Tips und Fotos – geschrieben in Englisch.

Andrea Kern
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ZIHLSCHLACHT. «Je steiler es bergauf geht, desto motivierter bin ich.» Ronja Pralle wird es langweilig, wenn sie längere Zeit auf flachem Gebiet unterwegs ist. Die 18jährige Kantischülerin aus Zihlschlacht liebt das Wandern über Stock und Stein, über Gletscher und in unwegsamen Gelände. Für ihr Vorhaben hat sie sich deshalb keinen Sonntagsspaziergang ausgewählt. Sie entschied, die Strecke von Arosa nach Montreux in 24 Etappen zurückzulegen und anschliessend einen Wanderführer zu schreiben. Dieser ist zugleich ihre Maturaarbeit, die sie nun zu Beginn ihres letzten Schuljahres an der Kanti Romanshorn abgegeben hat. Geschrieben hat sie das Büchlein in Englisch, da Ronja Pralle die zweisprachige Matura absolviert. Das Verfassen sei nicht so schwierig gewesen. «Wenn man mal den Grundwortschatz hat, ist es kein Problem mehr.»

Jedes Wochenende im Alpstein

Freude am Wandern hat die Kantischülerin schon länger; auf den Geschmack gekommen ist sie nach der mehrtägigen Wanderung von Nesslau nach Chiavenna mit ihren Eltern und ihren Geschwistern vor einigen Jahren. «Wir waren eine Zeit lang jedes Wochenende im Alpstein unterwegs», erinnert sich Ronja Pralle. Die Familie, die damals eben von Deutschland in die Schweiz gezogen war, wollte damit ihre neue Heimat kennenlernen. Aber nicht nur: «In Oppenheim bei Mainz, wo wir herkommen, gibt es nicht so viele Berge.»

Eineinhalb Jahre Arbeit

Seit Ronja Pralle die Kanti besucht, konnte sie sich nicht mehr so oft dem Wandern widmen. Das hat aber nicht nur mit der Schule, sondern auch mit ihren Hobbies wie Tanzen, Theater, Musik und Schwimmen zu tun. «Ich weiss manchmal gar nicht, wie ich alles unter einen Hut bringen soll», sagt sie und lacht. Die Idee, das Wandern für die Maturaarbeit wieder aufzunehmen, trägt sie seit Anfang Kanti mit sich herum. Lange hatte sie vor, die Strecke nach Chiavenna nochmals zu wandern. «Dann wollte ich aber lieber etwas Neues machen.» Zu ihrem Projekt gehörte auch das Planen der Etappen und das Suchen der Unterkünfte. So begann sie bereits im Frühling vor einem Jahr mit der Vorbereitung, als manch Mitschüler noch nicht einmal sein Thema wusste. Die 24 Tagesetappen nahm sie im Sommer vor einem Jahr in Angriff. Die ersten zehn Tage wurde sie von ihrer Mutter begleitet, danach kam die ganze Familie für eine Woche mit und den Schluss wanderte sie mit ihrem Vater. Insgesamt misst die Strecke 393 Kilometer und über 20 000 Höhenmeter. «Die längste Etappe ist 31 Kilometer lang, dafür waren wir siebeneinhalb Stunden unterwegs», sagt Ronja Pralle.

Entstanden ist ein Wanderführer mit 64 Seiten, auf denen die einzelnen Etappen beschrieben sind. «Die Route ist auch für Personen geeignet, die nicht schwindelfrei sind.» Illustriert ist das Büchlein mit Fotos sowie mit Zeichnungen der Höhenprofile von Hannes Stricker. Den Kesswiler Autor hat Ronja Pralle an einer Lesung kennengelernt und sich bei ihm nach Tips für das Vorgehen erkundigt. Er hat ihr angeboten, die Illustrationen beizusteuern. Ronja Pralles Büchlein gibt es in einer Auflage von elf Exemplaren. Sie möchte es aber auf Deutsch übersetzen und eine grössere Anzahl drucken lassen. Es gefällt ihr, dass sie nicht eine Arbeit geschrieben hat, die in der Schublade verstaubt.

Freundlichkeit in den Bergen

In den Bergen hat Ronja Pralle wertvolle Erfahrungen gemacht. Sie kann nicht nur problemlos Karten lesen. «Wir erlebten eine unglaubliche Freundlichkeit.» Wandern gefällt ihr so gut, dass sie sich vorstellen kann, wieder mal einen Wanderführer zu schreiben. «In der Natur zu sein, ist ein schöner Ausgleich zum Alltag.»

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