Tagesväter sind noch selten

ERLEN. Der Verein Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau vermittelt und begleitet Tagesfamilien. Er möchte erreichen, dass die Arbeit der Tagesmütter gesellschaftlich stärker anerkannt wird. Die Geschäftsstelle des Vereins ist in Erlen.

Claudia Gerrits
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Sie sorgen dafür, dass der Verein funktioniert: Vera Schraner, Vermittlerin in der Region Mittelthurgau, Ilona Stolz, Geschäftsstellenleiterin und Vermittlerin in der Region Oberthurgau, Jacqueline Helg, Leiterin der Rechnungsstelle, sowie Präsidentin Ursi Bieri. (Bild: Claudia Gerrits)

Sie sorgen dafür, dass der Verein funktioniert: Vera Schraner, Vermittlerin in der Region Mittelthurgau, Ilona Stolz, Geschäftsstellenleiterin und Vermittlerin in der Region Oberthurgau, Jacqueline Helg, Leiterin der Rechnungsstelle, sowie Präsidentin Ursi Bieri. (Bild: Claudia Gerrits)

Im August ist die Geschäftsstelle des Vereins Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau von Weinfelden nach Erlen an die Fabrikstrasse 1 ins Bürogebäude der Firma Lista umgezogen. «Die neuen Büroräumlichkeiten mit drei Arbeitsplätzen ermöglichen klare Strukturen und damit noch mehr Professionalität in unserer Tätigkeit», freut sich Ursi Bieri, die Präsidentin des Vereins.

Wie die Geschäftsstellenleiterin und Vermittlerin für die Region Oberthurgau, Ilona Stolz, erklärt, werden zurzeit über den Verein 80 Kinder in 45 Tagesfamilien betreut. Die Zahl ändere sich wöchentlich, fügt Vera Schraner an. Sie ist für die Vermittlung in der Region Mittelthurgau zuständig.

Ausgebildete Tagesmütter

Im persönlichen Gespräch klärt die Vermittlerin die genauen Bedürfnisse der Eltern ab, die über den Verein einen Tagesplatz für ihre Kinder suchen, und wählen danach eine geeignete Tagesfamilie. Tageseltern – meist sind es Tagesmütter, die vom Verein angestellt sind – verpflichten sich zu einer viertägigen Grundausbildung und jährlichen Weiterbildung. «Einen Tagesvater haben wir erst einmal gehabt», erzählt Vera Schraner.

Vorausgesetzt wird ebenso ein Erste-Hilfe-Kurs, der nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Nachdem sich Eltern und mögliche Tagesfamilie kennengelernt haben, entscheiden sich beide Parteien, ob eine Zusammenarbeit in Frage kommt. Ist der Entscheid positiv, schliessen die Eltern mit dem Verein und den Tageseltern einen Vertrag ab.

Begleitetes Betreuen

«Wir begleiten das Betreuungsverhältnis auch weiterhin», erklärt Ilona Stolz. Sie und Vera Schraner bleiben Ansprechpartnerinnen für Tageseltern und Eltern, begleiten und beraten sie. «Es treffen doch zwei Familiengefüge aufeinander, und da ist es nicht immer so einfach», sagt Stolz. Manchmal komme es zu heiklen Konfliktsituationen.

«Es gibt jedoch viele gut funktionierende Verhältnisse, und es entstehen erfreuliche Beziehungen und Freundschaften zwischen Tageseltern und Eltern, manchmal über Jahre», betont Ursi Bieri. Sie hätten so auch schon Jubiläen gehabt. So hat eine Tagesfamilie über zehn Jahre ein Kind betreut. Vor kurzem erst wurde das Betreuungsverhältnis aufgelöst, weil die inzwischen bald 14jährige Jugendliche eine weiterführende Schule in einer andern Region besucht. «In einem Brief hat uns die Mutter geschrieben, wie herzlich ihr Verhältnis zur Tagesmutter in all den Jahren geworden sei, erzählt Vera Schraner.

Geregelter Lohn

Entlastend für Eltern und Tageseltern ist es auch, dass die Geschäftsstelle sich um Finanzen, Administration, Versicherungen und rechtliche Fragen kümmert. Für die Rechnungsstelle ist Jacqueline Helg zuständig. So erhalten Tagesmütter pünktlich jeden Monat ihren Lohn. Sechs Franken Stundenlohn brutto sind es am Anfang, mit fortlaufender Weiterbildung steigt dieser auf sieben Franken. Mahlzeiten werden separat entschädigt. Die Eltern bezahlen einen Betreuungstarif, der einkommensabhängig drei bis zehn Franken pro Kind beträgt.

Bei einem tiefen Einkommen beteiligt sich die Politische Gemeinde an den Kosten, wenn diese mit dem Verein Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau eine entsprechende Leistungsvereinbarung abgeschlossen hat. Zu Beginn des nächsten Jahres soll die 22. Vertragsgemeinde dazukommen. Die Vertragsgemeinden leisten zudem einen Sockelbeitrag von 50 Rappen pro Einwohner an den Verein.

www.tagesfamilien-motg.ch