Kleine Schritte zum grossen Ziel

BISCHOFSZELL. Den rund 240 Besuchern der Informationsveranstaltung über die Verkehrsplanung im Raum Bischofszell ist am Ende vor allem eines klar: Die Lösung der Probleme wird eine kostspielige Angelegenheit und echte Geduldsprobe.

Georg Stelzner
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Nadelöhr Bischofszell: Strassenverkehr beim Bahnübergang Steigstrasse kurz vor Mittag. (Bild: Reto Martin)

Nadelöhr Bischofszell: Strassenverkehr beim Bahnübergang Steigstrasse kurz vor Mittag. (Bild: Reto Martin)

Der Grossaufmarsch, den die Bitzihalle erlebte, zeigte in aller Deutlichkeit, wie sehr die Bevölkerung an der Lösung der Verkehrsprobleme interessiert ist. Am wohl grössten, der Stadtentlastung, beissen sich Behörden und Planer seit einem halben Jahrhundert die Zähne aus. Der Stadtrat und das kantonale Departement für Bau und Umwelt (DBU) informierten am Dienstag an einer gemeinsamen Veranstaltung über den Stand der Dinge. Stadtammann Josef Mattle eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf die wichtigsten Etappen seit Beginn der Planungen im Jahr 1962.

Gemeinsam mit Bevölkerung

Regierungsrat Jakob Stark, Chef des DBU, versicherte zu Beginn, dass der Kanton entschlossen sei, alles zu tun, damit die seit langem ersehnte Entlastung Bischofszells vom Strassenverkehr zustande komme. Aus diesem Grund sei im September 2012 eine Projektorganisation ins Leben gerufen worden. Stark betonte, dass eine Lösung in Zusammenarbeit mit den Betroffenen angestrebt werde: «Wir wollen immer wissen, was die Bevölkerung denkt, damit am Schluss klare Mehrheiten resultieren.»

Vier Projekte des Kantons

Kantonsingenieur Andy Heller attestierte Bischofszell eine «starke Verkehrsbelastung», die jedoch weniger hoch sei als etwa jene in Weinfelden, Amriswil oder Romanshorn. Die Problematik in Bischofszell bestehe in den engen Durchfahrtsverhältnissen und im Schwerverkehr. Heller wies darauf hin, dass die Stadtentlastung nicht das einzige Projekt sei, mit dem sich das kantonale Tiefbauamt beschäftige. Er nannte die Sanierung der Amriswilerstrasse, die Aufhebung des Bahnübergangs Sulgerstrasse und die Neugestaltung der Kreuzung bei den «Drei Eidgenossen» als weitere Aufgaben.

Benedikt Eberle, im kantonalen Tiefbauamt für Planung und Verkehr zuständig, relativierte die Bedeutung des Durchgangsverkehrs. Dieser mache in Bischofszell lediglich 30 bis 35 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens aus. Laut Eberle soll eine umfassende technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie Aufschluss über die beste Variante für eine Stadtentlastung geben. Mit aussagekräftigen Ergebnissen sei allerdings erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Stadtrat Boris Binzegger meinte, dass es wichtig sei, den Langsamverkehr – also Velofahrer und Fussgänger – in die Studie mit einzubeziehen und es an der Zeit sei, das Verkehrskonzept für die Altstadt zu überarbeiten. Im Namen der Bürgerinitiative LeBU (Leben in Bischofszell und Umgebung) stellte Hermann Jordan mehrere Forderungen. Der frühere Stadtrat plädierte dafür, die Verkehrsplanung umgehend und nachhaltig anzugehen, klare Ziele zu formulieren und auch die Kosten zu beachten. «Politiker, Planer und Einwohner sollen zusammenarbeiten», verlangte Jordan. Die künftige Verkehrsführung müsse aber auch in nützlicher Frist realisierbar sein.

Tunnel zu teuer?

In der Fragerunde war die zuletzt favorisierte Variante, das Stadtzentrum mittels Tunnel zu entlasten, ein Thema, das wiederholt aufgegriffen wurde. Ein Bürger bezweifelte den Nutzen eines solchen Bauvorhabens, ein anderer äusserte die Befürchtung, dass ein Tunnel viel mehr als die heute angenommenen 50 Millionen Franken kosten würde. Den Vorwurf, der Stadtrat lege bei der Verkehrsplanung nicht alle Karten auf den Tisch, wies Stadtammann Mattle zurück.

Ein Votant brachte einen neuen Aspekt in die Diskussion ein, indem er die Meinung äusserte, dass die Sicherheit das eigentliche Verkehrsproblem in Bischofszell sei: «Da könnte sofort etwas unternommen werden, wenn Hinweise aus der Bevölkerung ernst genommen würden.»

«Zielgerichteter Prozess»

Kantonsingenieur Heller geht davon aus, dass sich Bischofszell am Bau eines Altstadttunnels mit einem Kostenanteil von 10 Prozent beteiligen müsste. Zum finanziellen Aufwand stellte der Stadtammann fest, dass Bischofszell alle geplanten Projekte stemmen könnte; es frage sich nur, in welchem zeitlichen Horizont. Nach den Worten Boris Binzeggers ist in Sachen Stadtentlastung noch gar keine Entscheidung gefallen: «Der Fächer ist wieder für alle Varianten geöffnet.» Man sei nicht auf ein bestimmtes Ergebnis fixiert.

Regierungsrat Stark erklärte, dass der Kanton einen «zielgerichteten Prozess» wolle, Erfolg sich aber nur einstelle, wenn man sukzessive arbeite. Er äusserte die Überzeugung, dass es in drei bis fünf Jahren möglich sein sollte, die Entscheidungsfindung abzuschliessen und ein Projekt in die Wege zu leiten. «Wir bleiben dran, aber so etwas braucht eben Zeit», sagte Stark.

Josef Mattle Stadtammann von Bischofszell (Bild: Georg Stelzner)

Josef Mattle Stadtammann von Bischofszell (Bild: Georg Stelzner)

Jakob Stark Regierungsrat, Chef des Departements für Bau und Umwelt (Bild: Georg Stelzner)

Jakob Stark Regierungsrat, Chef des Departements für Bau und Umwelt (Bild: Georg Stelzner)

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