Der Loki wieder Dampf machen

SULGEN. Mitglieder des Vereins Eurovapor Lokremise Sulgen restaurieren eine Gotthard-Dampflokomotive des Typs C 5/6. Mit der erfolgreich verlaufenen Kesseldruckprobe sind sie ihrem Ziel einen grossen Schritt näher gekommen.

Fritz Heinze
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Nach dem erfolgreichen Test: Sandro Marocco, Prüfungsexperte, Johann Gröbli, Technischer Leiter des Vereins Eurovapor Lokremise Sulgen, und Demian Soder von der Dampflok-Revisionsfirma freuen sich vor dem geöffneten Kessel der Lokomotive C 5/6. (Bild: Fritz Heinze)

Nach dem erfolgreichen Test: Sandro Marocco, Prüfungsexperte, Johann Gröbli, Technischer Leiter des Vereins Eurovapor Lokremise Sulgen, und Demian Soder von der Dampflok-Revisionsfirma freuen sich vor dem geöffneten Kessel der Lokomotive C 5/6. (Bild: Fritz Heinze)

Sulgen. Die Überprüfung des Kessels der 1915 erbauten Dampflokomotive C 5/6 Nr. 2969 war für die 25 anwesenden Vereinsmitglieder kein spektakuläres Erlebnis. Doch alle wussten diesen Schritt im Rahmen der Restaurierung der Lok richtig einzuschätzen. Es herrschte Euphorie und Nervosität zugleich, denn der Verein brauchte ein Erfolgserlebnis.

Keine grossen Sponsoren

Zur Finanzierung des Projekts meint Hansueli Kneuss, Vorstandsmitglied aus Weinfelden: «Wir investierten bis jetzt nie, wenn wir kein Geld hatten. Die finanziellen Mittel kommen alle von kleinen Spenden. Wir verfügen über keine grossen Sponsoren.» Nun sei das Ziel aber wieder einen Schritt näher gerückt. Sandro Marocco, Experte des Schweizerischen Vereins zu technischen Inspektionen (Abteilung Kessel-Inspektionen), hatte bereits vor der Restaurierung im Jahr 2009 eine Analyse über das Material des Kessels erstellt.

Nationales Kulturgut

Die C5/6 hat trotz ihres beschränkten Einsatzes am Gotthard ihre Aufgabe auf dem schweizerischen Schienennetz erfüllt. Mit den Güterzug-Einsätzen von Romanshorn nach Frauenfeld und nach Buchs wurde die Lok von vielen Zeitgenossen auf der Seelinie und im Thurtal wahrgenommen.

Wenn sich der Verein Eurovapor Lokremise Sulgen für eine Restauration dieser Lok einsetzt, so geschieht dies einerseits aus Liebe zum alten Dampfross, anderseits aus Respekt für ein nationales Kulturgut. Ein solches ist die C 5/6 in den Augen der Vereinsmitglieder deshalb, weil sie die grösste jemals in der Schweiz gebaute Dampflokomotive ist und es nur noch ein weiteres Exemplar gibt, das fahrtüchtig ist.

Halbe Betriebsbewilligung

Sandro Marocco oblag die angenehme Aufgabe, den Vereinsmitgliedern mitzuteilen, dass der Kessel mit seiner 15 mm dicken Stahlwand dem Druck von 20 Bar unter den vorgeschriebenen Bedingungen standgehalten hatte.

Johann Gröbli aus Arbon, Technischer Leiter des Vereins und federführend bei der Restauration der Lokomotive, sagte nach dem Urteil des Experten, dass das soeben Erlebte die halbe Betriebsbewilligung sei. Als weitere Etappen sind laut Gröbli für Ende dieses Jahres die Montage von Fahrwerk und Kessel sowie der Transport nach Sulgen vorgesehen.

Es fehlen 200 000 Franken

Bis Ende April 2012 sollen die Feuerung und der Wasserkessel fertig installiert sein, damit die Maschine anlässlich der Veranstaltung Arbon Classics 2012 geheizt werden kann. Nach den abschliessenden Arbeiten – der Kesselverkleidung, der Abnahme des Fahrwerks, dem Einbau der Zugsicherung und der Schulung des Personals – dürfte bis Mitte November 2012 mit der Betriebszulassung zu rechnen sein. Ziel ist es laut Gröbli, die restaurierte C 5/6 am 17. November 2012, exakt zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins, in Betrieb zu nehmen. Der Technische Leiter schränkte allerdings ein, dass die Realisierung dieses Zeitplans von der Einhaltung der Termine seitens der Zulieferfirmen abhänge. Für die ausstehenden Arbeiten fehlten auch noch rund 200 000 Franken.

Kontakte und Spenden: www.lokremise-sulgen.ch