Der Düsentrieb aus Hauptwil

HAUPTWIL. Schon seit seiner frühesten Jugend ist der Hauptwiler Christian Maag von Technik fasziniert. In seiner Freizeit sammelt der Landmaschinenmechaniker ausrangierte Maschinen und bastelt damit aussergewöhnliche Fahrzeuge.

Rudolf Steiner
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Tüftler Christian Maag auf seinem fünf PS starken Eigenbau «Velomoteur» beim Einachserrennen in Lanterswil im August 2012. (Archivbild: Rudolf Steiner)

Tüftler Christian Maag auf seinem fünf PS starken Eigenbau «Velomoteur» beim Einachserrennen in Lanterswil im August 2012. (Archivbild: Rudolf Steiner)

Die Arbeit und die Ideen scheinen Christian Maag aus Hauptwil nicht so schnell auszugehen. Immer wieder entdeckt der 28jährige Landmaschinenmechaniker im Internet, auf Deponien oder Schrottplätzen ein technisches Teil, das sich irgendwann und irgendwo gebrauchen oder einbauen lässt.

Ein bisschen erinnert Christian Maag mit seinem Flair und seinem Sammeltrieb an die Dokumentarfilmreihe «Die Ludolfs – vier Brüder auf'm Schrottplatz». Aber im Unterschied zu den vier Rheinland-Pfälzern Uwe, Peter, Manni und dem mittlerweile verstorbenen Horst-Günter sammelt und tüftelt Christian Maag fast immer allein. «Ab und zu mache ich etwas zusammen mit meinem Kumpel Christoph Weiss in der Werkstatt meines Vaters», sagt der Tüftler mit dem unverkennbaren roten Geissbart.

Mit Lego Technic aufgewachsen

Sein Talent und die Faszination für technische Zusammenhänge zeigten sich schon in seiner frühesten Jugend: «Am liebsten spielte ich als Bub mit Lego Technic und Stokys-Metallbaukästen.»

Im Laufe der Jahre hat sich im und rund um sein Elternhaus an der Hauptstrasse in Hauptwil einiges angesammelt und der Platz wird langsam knapp. «Einen Teil meiner Maschinen und Ersatzteile habe ich in einem Schiffscontainer in Warth-Weiningen bei Frauenfeld eingelagert», erzählt Maag. Das liegt aber definitiv zu weit weg, und so sucht der Hauptwiler Daniel Düsentrieb eine leerstehende Scheune, Werkstatt, Halle oder Garage, wo er seine Fahrzeuge, Maschinen und Zubehörteile einlagern und auch arbeiten kann.

Häcksler wartet auf Einsatz

Vor kurzem hat Christian Maag im Internet von einem Landwirt, der nach Norwegen auswandert, für 1800 Franken eine Sandstrahlmaschine ersteigert. Wie und wann er diese einsetzen kann, weiss er allerdings noch nicht. Auch der Maxi-Gartenhäcksler mit einem 5,2-Liter-V8-Motor wartet auf seinen nächsten Einsatz. Für den Gebrauch im Hausgarten ist er allerdings um einiges überdimensioniert.

Die Einsätze hinter sich haben der ausrangierte Landrover 109 mit 2,6-Liter-Motor und grosser Seilwinde der Feuerwehr Hauptwil und der dreieinhalb Tonnen schwere Viehtransporter. Auch die «Rolba»-Schneefräse, Jahrgang 1968, mit einem VW-Käfer-Motor hat ihre besten Zeiten beim Räumen von verschneiten Passstrassen hinter sich. Von den etwa sechs Motorrädern, dem Riesenwindrad und vielen anderen Maschinen ganz zu schweigen.

Auch wenn es derzeit danach aussieht, geht es Christian Maag nicht nur ums Sammeln. Eigentlich hat er zahlreiche Projekte im Kopf, welche er aber mangels Zeit und wegen der fehlenden Werkstatt noch nicht umsetzen konnte.

Als Kind das Töffli aufgemotzt

Begonnen hat alles in seiner Jugendzeit, als Maag bei seinem Aprilia-Di-Tech-Roller den serienmässigen 50ccm Motor auf 80ccm Motor aufmotzte und die Leistung und Höchstgeschwindigkeit dadurch fast verdoppelte. Das letzte Projekt verwirklichte er vor zwei Jahren, als er aus einer defekten Apfelauflesemaschine den fünf PS starken Honda-Motor mit 120ccm ausbaute und auf den Gepäckträger eines ausrangierten Citybikes montierte. Schon bei der ersten Fahrt bogen sich die Streben des Gepäckträgers durch und mussten durch eine massive Stahlkonstruktion ersetzt werden. Bei der Probefahrt zeigte sich, dass die Änderung erfolgreich war, dafür flog ihm plötzlich die 30 Zentimeter grosse Riemenscheibe um die Ohren. Als Folge davon musste Maag das Spezialfahrzeug zu Fuss in die Werkstatt in St. Pelagiberg stossen.

Nächstes Projekt in der Pipeline

Nach der erneuten Reparatur konnte er seinen «Velomoteur» an verschiedenen Veranstaltungen wie beim Einachserrennen in Lanterswil und dem Traktoren-Treffen in Buochs NW testen. Dort erreichte er auf der Flugpiste mit seinem Geschoss die Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern, wie er stolz erzählt. Das nächstes Projekt ist schon in der Pipeline. Für ein defektes John Deere-Nutzfahrzeug hat Maag bei Ricardo einen Wankelmotor mit 110 PS gekauft. Welche Geschwindigkeit er mit diesem Prototyp erreichen wird, steht allerdings noch in den Sternen.