ROMANSHORN: Gesucht: Engagierte Menschen mit Zeit

Politische Bewusstseinsbildung in Romanshorn. Die Interpartei lud zum Podium über «Das Parlament auf lokaler Ebene». Die Teilnehmer waren sich einig: Ein Parlament bringt mehr Öffentlichkeit und vertiefte Auseinandersetzung mit einem Thema.

Markus Bösch
Drucken
Teilen
Roman Buff, Peter Gubser, Felix Meier und Max Vögeli diskutieren über Stadt- und Gemeindeparlamente. (Bild: Reto Martin)

Roman Buff, Peter Gubser, Felix Meier und Max Vögeli diskutieren über Stadt- und Gemeindeparlamente. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. 2014 hatte die Romanshorner Behörde die Idee eines Gemeindeparlaments zur Prüfung entgegengenommen. Am Samstag lud die Interpartei zu einer illustren Gesprächsrunde darüber in die Kanti-Aula ein. Für Romanshorn selber könnte ein Stadtparlament frühestens auf die neue Legislatur hin ab 2019 in Frage kommen.

Es bewährt sich

Unter der Leitung des Kantilehrers Felix Meier diskutierten der Weinfelder Gemeindepräsident Max Vögeli, der Arboner Stadtrat Peter Gubser und der Arboner Parlamentarier Roman Buff über ihre Erfahrungen. Dabei wurde rasch klar, dass die Vorteile einer Legislative überwiegen: «Die Parlamentarier machen eine vertiefte Arbeit, nehmen Anregungen der Bevölkerung auf und bereiten die Themen volksnah auf», sagte Vögeli. Gubser, selbst ein ehemaliger Parlamentarier, doppelte nach, durch die Beratungen seien mehr Öffentlichkeit, mehr Information und oft auch ausgewogenere Lösungen möglich.

Auch bei der Diskussion über finanzielle Belange, zum Beispiel über das Budget, seien in einem Parlament fundierte Auseinandersetzungen die Regel, so Buff und: «Ein Parlament ist beileibe kein Totengräber der direkten Demokratie» – so wie es Gesprächsleiter Meier anfangs pointiert in den Raum gestellt hatte.

Kein entscheidender Faktor seien die Kosten, da waren sich alle einig: Denn erstens dürfe «etwas Gutes auch etwas kosten», so Vögeli. Dann seien die Kosten auch mit den Nutzen abzuwägen, beispielsweise «wenn ein Bauprojekt dank parlamentarischer Einflussnahme verbessert werden kann». erklärte Gubser. Die Kommunikation zwischen Exekutive und Legislative sei entscheidend, damit Konflikte gelöst und Kompromisse gefunden werden könnten.

Neue Modelle gefragt

Nicht einfach zu lösen sei hingegen die Personalfrage. «Ein solches politisches Engagement braucht Zeit, und die Menschen sind heute zunehmend durch Beruf, Familie und Freizeit zu sehr beansprucht, als dass sie ein derartiges Amt übernehmen wollten», sagte etwa Roman Buff. Angesprochen wurde auch die Problematik der Parteilosen, und Felix Meier stellte die Frage in den Raum, ob sich die Parteien ganz einfach überlebt hätten respektive: «Müssen wir für politische und ehrenamtliche Arbeiten nicht auch neue Kanäle und neue Modelle erfinden?»

Aktuelle Nachrichten