ROMANSHORN: Ein starkes Zeichen für den Frieden

750 Personen marschierten am Ostermontag auf dem internationalen Bodensee-Friedensweg in Romanshorn. Als Redner mit dabei war der bekannte Fernsehjournalist Ulrich Tilgner. Er sagte: «Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt.»

Barbara Hettich
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Die Kirche in Romanshorn füllte sich mit den Teilnehmern des Ostermarsches. (Bild: Reto Martin)

Die Kirche in Romanshorn füllte sich mit den Teilnehmern des Ostermarsches. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Mit farbigen Pace-Fahnen und Transparenten versammelten sich rund 750 Personen am Ostermontag auf dem Bahnhofplatz in Romanshorn. Eingeladen hatte ein Bündnis aus Kirche, Gewerkschaften und Friedensbewegungen – der internationale Bodensee-Friedensweg stand dieses Jahr unter dem Motto: «Wer Waffen sät, erntet Flüchtlinge».

Zwischen Traum und Traumata

In Begleitung einer Trommelgruppe setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Nach einem kurzen Marsch war das erste Ziel, die Wohn- und Tagesstätte Betula, erreicht. Leiter Christian Brönimann thematisierte in seiner kurzen Ansprache Achtung und Respekt vor dem Menschen.

Im Betula werden Menschen mit Psychiatrieerfahrung betreut – Männer und Frauen traumatisiert und gezeichnet vom Leben. Aufgabe sei es, ihnen Mut zu machen, Hoffnung zu geben und Perspektiven aufzuzeigen. «Das wünschte ich mir auch bei der Flüchtlingshilfe», sagte er. Auf dem Weg zwischen Traum und Traumata sollte man den Flüchtlingen Vertrauenspersonen zur Seite stellen, so seine Forderung.

Weiter führte der Friedensweg zur evangelischen Kirche. Dort erwartet Aya Domenig, Zürcher Regisseurin mit japanischen Wurzeln, den Friedenszug. Bekannt geworden ist Aya Domenig mit ihrem Dokumentarfilm «Als die Sonne vom Himmel fiel», in welchem sie die Nachwirkungen der Hiroshima-Atombombe thematisierte. «Bei meiner Exkursion in die Vergangenheit wurde ich durch Fukushima eingeholt», erzählte sie.

Die Macht der Konzerne

Die tatsächlichen Auswirkungen der Atomkraft würden auch heute noch verschwiegen, Forschungsergebnisse verfälscht, um die Bevölkerung zu beruhigen. Nach wie vor lebten immer noch 100 000 Fukushima-Flüchtlinge in Notunterkünften, sie stellte die Frage in den Raum, ob es in diesem Kontext eine friedliche Nutzung der Atomkraft überhaupt geben könne?

Von der evangelischen Kirche setzte sich der Demonstrationszug wieder Richtung See in Bewegung. Nächster Halt beim alten Zollhaus.

Der Ermatinger Schriftsteller Jochen Kelter nahm dort in seiner Ansprache die Weltkonzerne aufs Korn. Er warnte vor den Freihandelsabkommen, die derzeit im Geheimen ausgehandelt werden und den Konzernen alleinige Macht über die Weltwirtschaft gewähren würden. «Damit werden wir die Politik abschaffen», erklärte er. Es brauche die Zivilgesellschaft, die sich nicht einschüchtern lasse. Der Höhepunkt der Veranstaltung stand beim letzten Halt in der katholischen Kirche auf dem Programm. Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji konnte zwar krankheitshalber nicht teilnehmen, der bekannte Fernsehkorrespondent Ulrich Tilgner fesselte dafür umso mehr mit seiner engagierten Rede. «Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt», sagte er. Opfer der Terroranschläge in Paris und Brüssel seien Kriegsopfer, genauso wie die Menschen in Syrien. Es herrsche ein asymmetrischer Krieg: Hochtechnologie gegen Terror. Dem Westen sei es bislang gelungen, den Krieg zu exportieren, «es war aber nur eine Frage der Zeit, bis dieser Krieg zu uns kommt».

Eine Folge falscher Politik

Obama habe eingestanden, dass der IS eine unbeabsichtigte Folge des Irak-Krieges sei. Das sei nur die halbe Wahrheit, so Ulrich Tilgner: «Der IS ist eine Folge falscher Politik.» Flüchtlinge seien Ausdruck einer zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit – verursacht insbesondere auch durch die Globalisierung. Er prangerte an, dass Flüchtlinge in politisch Verfolgte und Wirtschaftsflüchtlinge unterteilt werden, dass Europa die Aussengrenzen zumacht.

Auswandern sei ein Menschenrecht, wenn das Elend zu gross wird. Menschen, die anderen Menschen zur Flucht verhelfen, seien nicht generell kriminell.