Märchen berühren die Seele

Tanzwerkstatt und Sinfonisches Orchester setzen ein gemeinsames Projekt um: Tänzerinnen tanzen nach der Musik «von Märchen zu Märchen». Françoise Podolski-Sottini gestaltet mit der Musikerin Christa Mueller Märchen-Erzähltage.

Sabine Schifferdecker
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Françoise Podolski-Sottini: auf einer Parkbank am Quai: Märchen, sagt sie, haben eine starke Symbolkraft. (Bild: Sabine Schifferdecker)

Françoise Podolski-Sottini: auf einer Parkbank am Quai: Märchen, sagt sie, haben eine starke Symbolkraft. (Bild: Sabine Schifferdecker)

Frau Podolski-Sottini, als Einstimmung auf die Vorführungen am 9. und 10. November werden Sie als Märchenerzählerin zusammen mit Christa Mueller gemeinsame Anlässe gestalten. Was erwartet die Besucher dabei?

Françoise Podolski-Sottini: Kinder und Erwachsene erleben Märchen unterschiedlich. Darum haben wir unterschiedliche Anlässe gestaltet. Bei den Kindern konzentrieren wir uns pro Termin auf ein Märchen. Ich habe mich für «Dornröschen», den «Froschkönig» und «Frau Holle» entschieden. Jede Märchenerzählung wird hier mit weiteren Elementen dargestellt. Dornröschen wird von Musik mitgetragen, im «Froschkönig» übernehmen zwei Sackpuppen Dialoge, und bei «Frau Holle» entsteht auf der Bühne während der Erzählung ein dreidimensionales Bild. Für die Erwachsenen erzähle ich zehn kürzere Märchen. Jedes wird anschliessend von Christa Mueller in musikalische Stimmung umgesetzt. Musik wie auch Licht verleihen hier eine besondere Intensität.

Was ist für Sie das Besondere an Märchen?

Podolski-Sottini: Märchen waren ja ursprünglich Erwachsenenliteratur und wurden erzählt, auch als Hoffnungsträger oder Mutmacher. Kinder waren einfach dabei, und so wurden einige Märchen umgeschrieben. Mir ist es wichtig, Märchen mit ihrem ursprünglichen Inhalt zu erzählen. Sie haben eine starke Symbolkraft. Kinder verstehen die Symbolik. So können sie auch ihre Ängste hineingeben.

Märchenerlebnisse in dieser Form zu gestalten erfordert vermutlich einige Zeit?

Podolski-Sottini: Ja. Ich gehe mehrere Monate, manchmal sogar Jahre mit einem Märchen «schwanger». Ich lese, schreibe, male, forme es in Ton oder zeichne es in Stationen auf. Ich versuche, es aus jeder Sicht einmal selbst zu erleben, aus der Sicht des Helden, aus der Sicht des Bösewichts und so weiter. Die Wiedergabe soll frei von eigenen Werten, Interpretationen oder Vorlieben für eine Figur sein. Wenn ich das Märchen dann erzähle, schöpfe ich es aus mir heraus, ich habe dann das Gefühl, ich habe das Märchen getanzt.

Frau Mueller, Frau Podolski-Sottini sagt über ihre gemeinsamen Anlässe: «Menschen fliegen hoch, mit Christa fliegen sie noch etwas höher.» Wie bewirken Sie dies?

Christa Mueller: Ich möchte die Menschen in die Welt der Emotionen und Phantasie entführen und die Märchen in klingender Form zum Ausdruck bringen. Dazu komponiere ich die Musik selber und setze meine Stimme und meine Flöten in verschiedener Form ein. Ich kann sie auf der Bühne übereinanderlegen, so dass ein orchestraler Effekt entsteht. Ein besonderes Instrument ist dabei meine Kontrabass-Querflöte, die mich nicht nur überragt, sondern durch ihre sehr tiefen Basslagen spezielle Effekte hineinbringt.

Sie lassen während der Märchen-stunde für Erwachsene jedes Märchen nach der Erzählung musikalisch erklingen?

Christa Mueller: Mich fasziniert die Einfachheit von Märchen. Märchen dürfen bei Erwachsenen auch tiefer gehen, zum Nachdenken anregen oder auch mal überraschen. Ich möchte die Grundstimmung musikalisch aufnehmen, so dass die Zuhörer eintauchen und nachwirken lassen können. Das Schönste ist für mich, wenn ich emotionale Regungen sehe.

Kostenlose Einführungsvorträge – im Musikzentrum Arbon, Brühlstrasse 4. Für Kinder ab 4 Jahren: 30. Oktober, 14, 15 und 16 Uhr; Märchen-Stunde für Erwachsene: 31. Oktober, 20 Uhr; Ballett in 4 Akten im Gemeindesaal Steinach, 9. November, 15 und 19 Uhr, 10. November, 11 Uhr und 15 Uhr Ticketverkauf: Infocenter Arbon oder www.orchesterarbon.ch