Dreh dir deine Heimat selber

Die Oberthurgauer Zigarette «Heimat» ist gefragt. Vielen sind die Zigarettenmarken zudem zu teuer. Darum bringt die Manufaktur Koch & Gsell AG heimischen Schnitttabak auf den Markt.

Tanja von Arx
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Roger Koch, Geschäftsführer der Koch & Gsell AG in Steinach, experimentiert mit Schnitttabak. (Bild: Reto Martin)

Roger Koch, Geschäftsführer der Koch & Gsell AG in Steinach, experimentiert mit Schnitttabak. (Bild: Reto Martin)

Die Zigaretten werden immer teurer. Wann kommt endlich Schnitttabak auf den Markt, um die eigene Zigarette preisvernünftig und nach seinem Geschmack zu drehen? Diese Frage hörten die Inhaber der Koch & Gsell AG mehr als einmal. Die Zigarettenmanufaktur mit Sitz in Steinach vertreibt seit Anfang April die Zigarette «Heimat» in den Sorten hell und dunkel, ausschliesslich fabriziert mit Schweizer Tabak und hergestellt ohne Zusatzstoffe. Die Nachfrage ist gross und der Wunsch nach individuellen Produkten gewachsen, seit sich das Angebot der Grosskonzerne nicht mehr merklich unterscheidet. Erfinder Roger Koch will darum im Frühling ein neues Produkt auf den Markt bringen.

Das Konzept stand binnen eineinhalb Monaten
Alles ging zackig. Gerade eben eineinhalb Monate brauchten die Manufaktur-Inhaber, um das Konzept für den «Heimat»-Schnitttabak zu entwickeln. «Das ist der Vorteil einer kleinen Firma, die lediglich aus zwei Leuten besteht», sagt Roger Koch. Zuletzt organisierte der Betrieb eine Degustation, anlässlich derer Interessierte Gelegenheit hatten, Tabakmischungen zu testen und ihnen den Feinschliff für den Markteintritt zu geben.

40 Personen brachten Filter und Papierchen mit, pröbelten und fachsimpelten, benutzten die Stopfmaschine der Manufaktur. Es stellte sich heraus, dass eine der bereitgestellten Mischungen aus hellerem Virginia- und dunklerem Burley-Tabak zwar bekömmlich, aber zu stark war. «Wenn man die Zigarette selber dreht, nimmt man mehr Tabak», sagt Koch. Man schwäche deshalb die Mischung ab. Gefreut hat ihn, dass der Anlass im überschaubaren Rahmen ein qualitatives Feedback möglich machte. «Die Leute haben lange auf den Schnitttabak gewartet. Ihre Vorfreude war gross.»

Wie die «Heimat»-Zigaretten soll der neue Schnitttabak alleinig mit Schweizer Tabak hergestellt werden. 190 Betriebe aus neun Kantonen liefern an die Einkaufsgenossenschaft für Inlandtabak Sota ab. «Zwei, drei der Zulieferer haben ihren Sitz im Thurgau», sagt Koch. Die Sota lässt den Rohtabak durch einen Familienbetrieb in Payerne VD fermentieren, bevor ihn die Koch & Gsell AG bezieht.

In einem nächsten Schritt wollen Koch und seine Partner die richtige Verpackung finden. Angedacht haben sie ein Päckli mit Zippverschluss. Ausserdem steht die Oberthurgauer Zigarettenmanufaktur mit möglichen Vertreibern in Verhandlungen. Allen voran sind dies der Coop in der Deutschschweiz und die landesweiten Kioske, welche schon die «Heimat»-Zigarette im Sortiment führen. Auch unabhängige Kioske und weitere Verkaufsstellen wie Avec-Shops stehen auf der Liste von Koch & Gsell AG. «Wir haben noch keine Zusagen», sagt Roger Koch. «Aber es sieht gut aus.»

Am 1. März nächsten Jahres ist es so weit
Eigentlich hätte man den Schnitttabak gerne noch in diesem Jahr auf den Markt gebracht, sagt Koch. «Wir möchten das Produkt früher unter die Leute bringen, aber realistisch scheint uns der 1. März 2017.» Bis dahin könne man den losen «Heimat»-Tabak jedoch online beziehen oder direkt von der Manufaktur in Steinach.