SITTERDORF: Erfolg im hohen Hundealter

Moni Lengwilers Deutsche Schäferhündin Ronja von der Gletscherhöhle hat es bei der diesjährigen Schweizer Meisterschaft erneut aufs Podest geschafft – trotz ihrer stolzen zehn Jahre.

Viola Stäheli
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Moni Lengwiler belohnt ihre Hündin «Ronja von der Gletscherhöhle» nach einem erfolgreichen Training. (Bild: Andrea Stalder)

Moni Lengwiler belohnt ihre Hündin «Ronja von der Gletscherhöhle» nach einem erfolgreichen Training. (Bild: Andrea Stalder)

Konzentriert blicken die schwarzen Augen auf das Gesicht von Moni Lengwiler. Der Körper der Hündin ist eng an das Bein ihres Frauchens angeschmiegt. Sie fiept leise. «Das ist typisch Ronja, sie spricht halt einfach gerne», sagt Lengwiler. Ein kurzes Kommando, und die Hündin legt sich auf der Stelle hin. Wie lange sie so bleibt? «Bis ich ihr das Kommando gebe, wieder aufzustehen», sagt Lengwiler. Sie kann sich nun ohne Probleme von der Deutschen Schäferhündin entfernen, Ronja wartet ohne sich zu rühren auf der Übungswiese.

Lengwiler verschwindet kurz und erscheint dann mit einem Spielzeug für die Hündin. Nach einem weiteren Kommando jagt Ronja dem Ball hinterher. «Belohnung ist extrem wichtig, wenn ich mit ihr arbeite», erklärt Lengwiler. Sie arbeitet nur mit Belohnungen in Form von Leckereien oder einem Spielball, nicht mit Bestrafung. Mit dieser Art von Training hat die Appenzellerin Erfahrung. Nebst ihrer Arbeit im Bodenlegergeschäft, welches sie gemeinsam mit ihrem Mann führt, bildet sie bei der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) Bischofszell Sporthunde in der Sparte Begleithund aus. Mit ihrer Trainingsmethode ist Lengwiler erfolgreich: Sie belegte mit Ronja bei den diesjährigen Schweizer Meisterschaften der Deutschen Schäferhunde in Lausen, Kanton Baselland, in der Kategorie «Begleithund III» (siehe Infokasten) den zweiten Platz.

Ausgezeichnete körperliche Verfassung

Diese Leistung ist beachtenswert, insbesondere in Anbetracht des Alters von Ronja. Die Hündin ist zehn Jahre alt, die Lebenserwartung bei Deutschen Schäferhunden liegt bei 10 bis 13 Jahren. Die körperliche Verfassung von Ronja ist aber ausgezeichnet. Das Duo ist nur knapp am Sieg vorbei geschlittert. Ein Grund dafür war Lengwilers Mann. Er kam am letzten Tag der Schweizer Meisterschaft, um den beiden die Daumen zu drücken. «Ich sah, dass Ronja einen Geruch in der Nase hatte», sagt Lengwiler schmunzelnd. Obwohl ihr Mann erst aus dem Auto ausgestiegen war und noch hinter dem Publikum stand, hatte die Hündin ihn gerochen. Deshalb brauchte Lengwiler zwei Anläufe, bis Ronja auf das Kommando reagierte. Damit war die Entscheidung aber noch nicht gefallen.

«Als sie sich dann neben mich setzen sollte, tat sie das zwar, aber schräg», sagt Lengwiler. Ronja hielt nach ihrem zweiten Herrchen Ausschau. Das brachte einen weiteren Punkteabzug ein. Übel nehmen tut Lengwiler ihr das nicht. «Sie ist halt auch nur ein Tier und keine Maschine. Ausserdem war Ronjas Reaktion auf meinen Mann wirklich herzerwärmend», sagt Lengwiler lachend.

Erster Sieg mit neun Monaten

Ronja ist mit neun Wochen zu Lengwiler gekommen. Sie entstammt der Leistungszucht «Von der Gletscherhöhle», einer Zucht, bei der speziell darauf geachtet wird, dass die Tiere körperlich gesund und trieblich hochveranlagt sind. Von Beginn an trainierte Lengwiler die Hündin. Mit zarten neun Monaten siegte Ronja bereits zum ersten Mal an einem Wettkampf.

Seither hat sie sechsmal an den Schweizer Meisterschaften der Deutschen Schäferhunde teilgenommen, dreimal hat es aufs Podest gereicht. «Jetzt auf den Lebensabend wird es aber ruhiger», sagt Lengwiler. Sie will sich vorerst keinen jungen Hund anschaffen. Für Lengwiler wird Ronja ein Leben lang an erster Stelle stehen, auch wenn sie nun nur noch eingeschränkt an Wettkämpfen teilnehmen wird.

Nach wie vor trainiert Moni Lengwiler jeden Tag einige Minuten mit Ronja. Daneben gehen die beiden zweimal in der Woche joggen und einmal wöchentlich auf eine Velotour. Und wer weiss, vielleicht ist Ronja auch im nächsten Jahr topfit und wird erneut an den Schweizer Meisterschaften teilnehmen. Bevor es aber so weit ist, knabbert Ronja zufrieden einige Leckereien aus Lengwilers Hand – die hat sie sich redlich verdient.