Lieber Käsegestank als Schweissgeruch

AMRISWIL. Lojze Wieser und Hugo Ramnek nahmen die Zuhörer an der Lesung in der Buchhandlung Nagel mit auf eine Reise durch den Balkan und ins Reich der Phantasie. Ein Erlebnis in einem Zug sorgte für besondere Erheiterung.

Hugo Berger
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Ein vergnüglicher Leseabend mit Lojze Wieser und Hugo Ramnek. (Bild: Hugo Berger)

Ein vergnüglicher Leseabend mit Lojze Wieser und Hugo Ramnek. (Bild: Hugo Berger)

Sie habe immer befürchtet, die Räumlichkeiten ihrer Buchhandlung reichten für eine Lesung nicht aus, sagte Marianne Nagel. Nun hat sie es doch gewagt. In zwei gemütlichen Räumen erlebte ein gutes Dutzend Besucher am Freitag mit den beiden Schriftstellern Lojze Wieser und Hugo Ramnek einen vergnüglichen Leseabend.

Wer stinkt, stinkt nicht

Lojze Wieser ist Eigentümer des Wieser Verlags, welcher unter anderem unbekannte Literatur aus Slowenien und anderen Ost- und Mitteleuropäischen Ländern herausgibt. Um den Klang der Sprache deutlich zu machen, las der Autor und Verleger in Amriswil einige Gedichte in slowenischer Sprache.

Lacher erntete der 57-Jährige mit einem Reiseerlebnis: Im brechend vollen Zug sucht er sich einen freien Platz – und stösst auf ein Abteil, in dem ein einziger Fahrgast sitzt. Der Grund: Er wird von den anderen Fahrgästen gemieden, weil er nach Käse stinkt.

Nach einiger Überwindung gewöhnt er sich an den starken Geruch; er kommt mit seinem Mitreisenden ins Gespräch, kostet vom Käse und erlebt eine vergnügliche Fahrt. Beim Aussteigen stösst ihm der Schweissgeruch der anderen Fahrgäste in die Nase.

Im Wieser Verlag ist auch das Buch von Hugo Ramnek «Der letzte Badegast» erschienen. Der Protagonist verliebt sich Hals über Kopf in die rothaarige Maureen. Besonders angetan ist er von ihrem «Geschau» – sie schielt.

Spiel mit der Sprache

Zu spüren in den Texten des preisgekrönten Autors, der in Zürich lebt, ist vor allem die Lust an der Sprache. Ramnek: «Ihre Blicke fielen auf mich wie die Scheinwerfer eines Leuchtturms, aber ich konnte nie sagen: Erfasst sie mich, oder streift sie mich bloss.» Und weiter: «Einen ganzen Sommer lang lag Maureen unter der Blutbuche. Und ich lag zwischen ihren Blicken.»

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