Unterhosenlose Zukunft?

Warum die Unterhose der ISA Bodywear Geschichte schrieb und wieso der neuste Trend Andreas Sallmann gar nicht gefällt, das erfuhren die Besucher am Sonntag im Ortsmuseum.

Hugo Berger
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Andreas Sallmann präsentierte auch gewagte Modelle. (Bild: Hugo Berger)

Andreas Sallmann präsentierte auch gewagte Modelle. (Bild: Hugo Berger)

Eine besondere Erzählstunde war jene am vergangenen Sonntag schon deshalb, weil das, worüber erzählt wurde, in den Räumen begann, wo heute das Ortsmuseum untergebracht ist. Vor 160 Jahren hatte der Urgrossvater des Erzählers, Andreas Sallmann, am Palmensteg die erste Tricotfabrik der Schweiz gegründet. Der Name Palmensteg ist übrigens aus einem Missverständnis heraus entstanden, wie die rund 60 Besucherinnen und Besucher erfuhren: Nicht «Palmen» hatte der aus Sachsen eingewanderte Unternehmer Joseph Sallmann sein neues Domizil genannt, sondern «Bäumen».

Originelle Werbung

Was sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte zieht, ist der grosse Einfallsreichtum, den die jeweiligen Unternehmer in bezug auf Produkte und Werbung an den Tag legten. So etwa kann die Firma damit punkten, dass der einst mächtigste Mann der Welt, Bill Clinton, die Unterhose der ISA Bodywear trägt – und sich darin wohl fühle, wie er in einem Brief versichert.

Und augenzwinkernd meinte Sallmann, die Lewinsky-Affäre wäre wohl nie passiert, hatte der damalige Präsident nur eine «gewöhnliche» Unterhose getragen. So gesehen habe die Unterhose aus Amriswil Weltgeschichte geschrieben.

Mann ist Kaufmuffel

Originelle Werbung ist für die Firma lebenswichtig, wie Sallmann durchblicken liess, denn «unter der Hose des Mannes, sieht es grauenhaft aus», witzelte er und meinte damit die geringe Kauflust der Männer.

«Unsere Kunden sind eigentlich die Frauen, denn 60 Prozent der Männer sind nicht in der Lage, Unterhosen zu kaufen.»

Amüsantes wusste der Unternehmer, der die Firma in der fünfter Generation leitet, auch aus dem Reklamationswesen zu berichten. Ein Mathematikprofessor schickte ein Pyjama mit langatmigem Schreiben zurück, weil es sich beim Waschen auf «seltsame Weise verändert habe». Des Rätsels Lösung: in der Brusttasche steckte noch das vom Waschen durchweichte Papiertaschentuch.

In einem anderen Fall aber war die Reklamation berechtigt, räumte Sallmann ein: Trotz strenger Kontrolle hatte der Kunde eine Unterhose erhalten mit zwei verschiedenen Beingrössen.

Zuschneiderei weiter in Amriswil

Genäht werden die Trikots und Unterhosen der ISA Bodywear in Portugal. Die Zuschneiderei wolle er aber trotz höherer Lohnkosten in Amriswil behalten, versicherte Sallmann. «Denn ich möchte, dass meine Enkelkinder auch noch hier schaffen können», begründete er.

In der Zukunft werde das Unternehmen noch etliche Klippen umschiffen müssen, denn der neuste Trend weise darauf, dass die Jugendlichen keine Unterhosen mehr trügen, führte Sallmann aus und fügte bei: «Das ist eine Horror-Vision für jeden Wäschehersteller.»