BISCHOFSZELL: Familienmensch ohne Familie

Bischof Markus Büchel gab sich am Neujahrsapéro der CVP Bischofszell volksnah – und persönlich. Der Chef und oberste Hirte des Bistums St. Gallen sprach über seine Aufgaben, aber auch über sein Privatleben.

Erwin Schönenberger
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Besuch über die Bistumsgrenze: Bischof Markus Büchel kennt die Rosenwoche. (Bild: Erwin Schönenberger)

Besuch über die Bistumsgrenze: Bischof Markus Büchel kennt die Rosenwoche. (Bild: Erwin Schönenberger)

Erwin Schönenberger

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Für grosses Interesse sorgte am Samstag der Besuch des St. Galler Bischofs Markus Büchel beim Neujahrsapéro der CVP Bischofszell im Sattelbogen. Möglich wurde das Engagement des Bischofs durch persönliche Beziehungen, wie der Bischofszeller CVP-Präsident Franz Eugster bei der Begrüssung erklärte.

Im ersten Teil des von zwei Panflötistinnen und einer Sängerin umrahmten Anlasses gab Bi-schof Markus Büchel einen informativen, aber auch unterhaltenden Einblick in seine vielfältige Tätigkeit als Leiter des Bistums St. Gallen. «Wenn man zum Bischof gewählt wird, ist man plötzlich zehn Jahre jünger», scherzte der 67-Jährige über die Tatsache, dass ein Bischof erst mit 75 Jahren pensioniert wird.

Rund dreissig Wochenenden wendet der Bischof für die Firmung von 2000 Jugendlichen in seinen Kirchgemeinden auf. Freie Wochenenden gibt es da kaum, nämlich nur etwa drei pro Jahr. Die Tage und Wochen sind bei Bischof Markus Büchel ausgefüllt mit Gottesdiensten, Sitzungen, Vorträgen, Kontakten im In- und Ausland, so dass meist die ganze Woche und auch viele Abende verplant sind. «Und manchmal betet der Bischof auch.»

Erfreut über den Wind, den der neue Papst gebracht hat

Hauptaufgabe des Bischofs sei aber die Führung des Bistums. Dank der überschaubaren Grösse des Bistums St. Gallen habe er einen nahen Zugang zu den Pfarreien, was ihm nicht zuletzt auch personelle Entscheide erleichtere, erklärte Bischof Markus. Eine Herausforderung stelle sich vor allem wegen des Personalman-gels in den Pfarreien. Eine gute Lösung habe dabei die Bildung von Seelsorgeeinheiten ge-bracht. Seine Aufgabe müsse aber immer geprägt sein von gegenseitigem Vertrauen und vom Dialog. Dabei müsse alle Tätigkeit im Bistum vom Grundsatz «zum Wohl des einzelnen Menschen» geprägt sein. Bischof Markus zeigte sich auch erfreut über den neuen Wind, den Papst Franziskus in die katholische Kirche gebracht hat, auch wenn dieser Aufbruch auch Spannungen zwischen Vertretern der bisheri-gen Dogmatik und der zu einer Erneuerung und Modernisierung tendierenden Geistlichen ge-führt habe.

Bischof Markus erzählte auch einiges über sein Privatleben. Auf die Frage nach dem Wunsch, eine Familie zu haben, erklärte der Bischof, dass er eigentlich ein Familienmensch sei und dies durch die Tatsache, dass seine jüngere Schwester den Haushalt mana-ge, auch verwirklichen könne. Zudem habe er eine grosse Verwandtschaft, die manchmal zu Besuch in die Bischofswohnung komme. Ja, da sei man sogar manchmal froh, wenn die durch die Räume stürmenden Kinder wieder gegangen seien, wie es auch bei «normalen» Verwandtschaftsbesuchen üblich sei. In seinem Schlusswort rief Bischof Markus Büchel die Besucher dazu auf, sich zu überlegen, wo sie in der Kirche ihren Beitrag bringen könnten.

Beim anschliessenden Apéro hatten die Besucher dann auch Gelegenheit, den sympathischen Bischof noch persönlicher kennenzulernen.