«Du bist ein Jugo, wenn . . .»

Einen kulturellen Ausflug auf den Balkan unternahmen rund hundert Neugierige im Kulturforum und wurden mit vielen Klischees über die Menschen aus diesem Gebiet konfrontiert.

Manuel Nagel
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Jelena Ivanovic legt den Kopf auf die Schulter ihres Bühnenpartners Dominik Krawiecki. (Bild: Manuel Nagel)

Jelena Ivanovic legt den Kopf auf die Schulter ihres Bühnenpartners Dominik Krawiecki. (Bild: Manuel Nagel)

AMRISWIL. «Klischees sind etwas Herrliches. Sie sind wie Kleider, die man an- und ausziehen kann», zieht Jelena Ivanovic einen Vergleich. «Wir spielen gerne mit Klischees.»

Nur ein Drittel aus dem Balkan

Mit «wir» meint die 36jährige Deutsch-Serbin ihr elfköpfiges Ensemble, welches am Freitagabend im Kulturforum gastierte. Zum einen sind das zwei Techniker und fünf Akteure ihrer Theatertruppe Ivanovic-Clan, zum andern gehören dazu die vier Musiker des Duša Orchestra, deren Stil als Balkan Jazz bezeichnet werden kann. Doch wer nun auf der Bühne ausschliesslich Darsteller aus dem Balkan erwartete, der sah sich getäuscht. Lediglich ein Drittel des Ensembles stammt aus Ex-Jugoslawien: Beim Duša Orchestra ist dies Goran Kovacevic am Akkordeon – seine Mitmusizierenden sind Patrick Kessler, Enrico und Peter Lenzin – und drei der Schauspieler stammen aus Argentinien, Italien oder Polen.

Dernière im Kulturforum

Kafana ist eine Art Bar, in der man zu Musik aus der Heimat tanzt, und «Kafana» heisst auch dieses getanzte Musikprojekt, das in einer solchen Tanz-Bar spielt. Insgesamt 18mal in den letzten zwei Jahren hat Ivanovic das Stück mit ihrer Truppe aufgeführt – fast ausschliesslich in der Schweiz.

Denn das Theater thematisiert auch die «Jugos in der Schweiz». «Du ist ein Jugo, wenn . . .» sprechen die Akteure und bedienen sich dabei sämtlicher Klischees, die man Menschen aus dem Balkan zuschreibt. Sie zeigen, wie diese sind oder wie sie vielleicht doch nur gesehen werden? Ivanovic überlässt dies dem Zuschauer. Sie wolle keine spezielle Botschaft transportieren und schon gar nicht moralisierend wirken. Das sei eben das Schöne am Tanz, dass jeder berührt werde könne und jeder für sich das herausnehme, was er will, erklärt Ivanovic. Nun widmet sie sich neuen Projekten.

Mitreissende Musik

Dieses Tanztheater entscheidend mitgeprägt hat auch das Duša Orchestra, welches nicht nur während des Theaters schauspielerisch und musikalisch mitwirkte, sondern auch vor und nach der Vorstellung sein musikalisches Können zum Besten gab. Besonders Goran Kovacevic begeisterte das Publikum mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, das schon vom ersten Stück an einen mitwippenden Besucher in der ersten Reihe kaum auf dessen Stuhl hielt.