Thurgau
Tragödie statt Triumph: Die Wahl im Grossen Rat endet im Debakel

Das hat im politisch friedsam gestimmten Thurgau mehr als Seltenheitswert: Die offizielle Kandidatin Karin Bétrisey (Grüne) fällt bei der Wahl fürs Vizepräsidium des Kantonsparlaments gleich zweimal durch. In der Not muss die Wahl nun auf Eis gelegt werden.

Christian Kamm
Christian Kamm
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Krisenstimmung bei den Grünen: im Hintergrund links Toni Kappeler (sitzend), daneben Karin Bétrisey.

Krisenstimmung bei den Grünen: im Hintergrund links Toni Kappeler (sitzend), daneben Karin Bétrisey.

Andrea Tina Stalder

Es hätte einer der Höhepunkte in der Geschichte der Thurgauer Grünen werden sollen. Und jetzt das: Nach Kritik an ihrer Person schon im Vorfeld der Wahl blieb die offiziell fürs Grossratsvizepräsidium nominierte GP-Kantonsrätin Karin Bétrisey im Parlament chancenlos.

Ein Debakel, das sich die Grünen vor allem selbst zuzuschreiben haben. Als ob sie freiwillig Lehrgeld hätten zahlen wollen, boten sie ein Lehrstück miserablen Politikmanagements. Und setzten sogar noch einen drauf: Die Kandidatin erneut zu bringen, obwohl sie im ersten Durchgang krachend durchgefallen war – der nächste Fauxpas. So sinnvoll, wie Wasser in die Thur zu tragen. Prompt holte sie exakt gleich wenig Stimmen wie beim ersten Mal – und keine einzige mehr.

Man muss politisch schon ziemlich selbstbezogen sein, um nicht zu realisieren, dass eine Nichtwahl in einer Persönlichkeitswahl auch tatsächlich persönlich gemeint ist. Im ersten Durchgang wurde Karin Bétrisey im Grossen Rat abgestraft. Im zweiten aber wurde sie zerstört. Mit dem Segen ihrer eigenen Partei.

Dabei hätte der Ausweg aus dem Dilemma doch für alle sichtbar auf der Hand gelegen. Nämlich: Bétrisey erklärt nach dem ersten Wahlgang ihren Verzicht auf die Kandidatur. So, wie es sich für Politikerinnen und Politiker gehört, die ein Rückgrat haben wollen. Und das grüne Urgestein Toni Kappeler, der im ersten Durchgang die Kandidatin nicht nur deutlich übertroffen hatte, sondern nur drei Stimmen unter dem absoluten Mehr geblieben war, hätte offiziell seine Kandidatur für das Vizepräsidium erklären müssen. So, wie man das tut, wenn die staatspolitische Pflicht und das Wohl der Partei rufen. Keine Lust, kann da doch keine Option sein.

Toni Kappeler wollte nicht. Und das ist letztlich der Grund dafür, dass diese Wahlschlappe als die grösste Schmach der Thurgauer Grünen in die Geschichte eingehen wird. Und eben nicht als Happy End im zweiten Anlauf. In dieser Erzählung hätten die Grünen zwar gewankt, aber sie wären nicht gefallen. Und Toni Kappeler wäre ein allerorten beglückwünschter Grossratsvizepräsident.