THURGAU: Thurgauer fahren im Gasballon übers Mittelmeer

Zwei Thurgauer sind Favoriten auf den Weltmeistertitel im Gasballonfahren. Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger bereiten sich auf das Gordon-Bennett-Rennen vor. Am Sonntag starten sie zur Titelverteidigung.

Julia Nehmiz
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600 Kilo Sand am Korb: Pascal Witprächtiger vor dem Start des Gordon-Bennett-Rennens 2015 im südfranzösischen Pau. (Bild: pd)

600 Kilo Sand am Korb: Pascal Witprächtiger vor dem Start des Gordon-Bennett-Rennens 2015 im südfranzösischen Pau. (Bild: pd)

Aktuell warten sie auf gutes Wetter. Im deutschen Gladbeck, am Rande des Ruhrgebiets, machen sich 24 Gasballon-Teams bereit zum Start des längsten Gasballonrennens der Welt, der Weltmeisterschaft der Gasballonfahrer. Zwei Thurgauer wollen ihren Titel verteidigen. Kurt Frieden, Pascal Witprächtiger und ihr Team haben sich eine Woche Urlaub genommen, um am Rennen teilnehmen zu können. Eigentlich sollten sie heute schon in der Luft sein. Doch wegen Gewitter und Regen mussten die Organisatoren den Start verschieben. Am Sonntag soll es nun losgehen. Die Regeln sind einfach: Wer die längste Strecke im Gasballon zurücklegt, hat gewonnen.

Einige Länder sind gesperrt

«Wir rechnen uns gute Chancen auf den Sieg aus», sagt Kurt Frieden am Telefon. Kein Wunder, er und sein Co-Pilot Pascal Witprächtiger sind seit 2008 ein Team und haben 2010 und 2015 den Weltmeistertitel geholt. «Gasballon ist im Vergleich zu Heissluftballon die Königsklasse», sagt Frieden. Heissluft sei etwas für spontane, kurze Fahrten. Dabei müsse der Pilot ständig Wärme in den Ballon bringen, um nicht zu sinken. Mit einem Gasballon, gefüllt mit bis zu 1050 Kubikmetern Wasserstoff, könne man deutlich länger und weiter unterwegs sein und «staunen, wie schön die Welt ist», schwärmt Frieden. «Man kann stundenlang fahren, ohne etwas zu machen.»

Allerdings braucht es eine akribische Vorbereitung. Dafür ist nebst den Piloten ein vierköpfiges Team zuständig, bestehend aus einem Meteorologen, zwei von der Flugsicherung und einem Ballonfahrer, der strategisch mitdenke. Das Team berechnet die Windströmungen in verschiedenen Höhen und setzt dies in eine strategische Fahrtroute um. Zudem müssen alle die gegnerischen Teams im Auge behalten.

Wohin die Reise geht, steht noch nicht fest. «Vielleicht fahren wir via Frankreich übers Mittelmeer nach Italien, Sizilien oder Kreta», sagt Pascal Witprächtiger. Europa ist gross, doch den Gasballonfahrern sind Grenzen gesetzt. «Nicht alle Länder sind offen für uns.» Unter anderem sind der Kosovo, Weissrussland und Russland gesperrt.

Mit Schlauchboot und Rettungsinsel

Die Piloten freuen sich auf das Rennen, bei dem sie bis zu 70 Stunden in der Luft sein werden. «So eine lange Distanz kannst du sonst niemals zurücklegen», sagt Witprächtiger. Die Flugsicherungen aller Länder sind vorbereitet auf die Gasballonfahrer.

Auch die beiden Piloten sind parat. Ihr Korb sei mit Funk und Transponder ausgerüstet, wie bei einem Jumbo. Zudem haben sie 30 Liter Trinkwasser dabei, einen Gaskocher, um Tee oder Suppe zu kochen, 600 Kilogramm Sand, Satellitentelefon. Sogar ein Tischchen, zwei Sitzplätze, Regendach und Schlafplatz sind untergebracht. «Es ist wichtig, dass man sich abwechselnd ausruhen kann», sagt Frieden. Alle drei bis vier Stunden darf sich einer unter den Tisch legen und ein Törchen im Korb ausklappen, um ausgestreckt liegen zu können. Auch Sauerstoff führen die beiden mit sich. «Ab einer Höhe von 4000 Metern braucht man den.» Gegen die bis zu –40 Grad wappnen sie sich mit Spezialanzügen der Bina in Bischofszell, die dort im Tiefkühllager zum Einsatz kommen. Für den Notfall haben sie Schlauchboot, Überlebensanzüge, Rettungsinsel und Schwimmwesten dabei. Und am Boden fährt ihnen ein Team im Auto hinterher, quer durch Europa, um bei der Landung zu helfen. Wenn das Wetter mitspielt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Live-Tracking des Rennens auf www.gordonbennett.org