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Thurgau lässt sich Biodiversität etwas kosten

Der Kanton unterstützt die Förderung von Biodiversität in Dörfern und Städten finanziell. Ein Augenschein beim Pilotprojekt in Eschlikon.
Christian Kamm
Grüne Vielfalt statt Monotonie vor dem Gemeindehaus in Eschlikon: Eine Infotafel gibt Auskunft. (Bild: Christian Kamm)

Grüne Vielfalt statt Monotonie vor dem Gemeindehaus in Eschlikon: Eine Infotafel gibt Auskunft. (Bild: Christian Kamm)

Gemeindepräsident Max Mäder hat einen grünen Daumen. Er sei unterdessen fast ein Spezialist in Sachen Biodiversität. «Ich sehe Dinge, die ich früher nicht gesehen habe. Und wenn ich durchs Dorf gehe, beginne ich, Pflanzen auszureissen, die da nicht hingehören.» Das Dorf heisst Eschlikon, und in Beschlag genommen hat Mäder das Projekt «Vorteil naturnah», das in Eschlikon sowie in Sirnach seit 2018 als Pilotprojekt läuft. Dieses hat zum Ziel, öde Rasen- oder Schotterflächen im Siedlungsraum naturnah aufzuwerten. «Es gibt Alternativen», betonte Andrea Näf-Clasen, Leiterin des kantonalen Amtes für Raumentwicklung, anlässlich der Begehung von Beispielen in Eschlikon.

Neue Lebensräume lösen öde Rasenflächen ab

Das beginnt bereits bei einer ehemaligen Rasenfläche unmittelbar neben dem Gemeindehaus Eschlikon. Dank der ökologischen Aufwertung haben sich hier 40 bis 60 Pflanzenarten angesiedelt, schätzt Projektleiterin Eveline Gisel. Das Gebiet ziehe jetzt auch wieder Vögel an. Aus bis anhin monotonen Grünflächen können so neue Lebensräume entstehen. Zum Beispiel für Insekten, Wildbienen oder Schmetterlinge, indem diverse Wildstauden gesetzt werden. Man habe festgestellt, dass die Artenvielfalt im Siedlungsraum tendenziell sogar grösser sei als in anderen Gebieten, sagte Näf. Dazu kommt, dass erfolgreiches Umsteuern schon im Kleinen beginnen kann: «Es braucht keine grossen Flächen, auch auf kleinen lässt sich eine grosse Wirkung für die Biodiversität erzielen», sagte Matthias Künzler, Leiter Natur und Landschaft im Amt für Raumentwicklung. Und der Clou: Ist die Anfangsphase einmal vorbei, die eine vorübergehende Mehrbelastung mit sich bringt, beginnt sich die Naturnähe auszuzahlen. Weil der Aufwand sinkt. Eine klassische Rasenfläche müsse alle 10 bis 14 Tage gemäht werden, rechnete Künzler vor, eine renaturierte nur noch ein- bis zweimal im Jahr. «Nicht zu reden vom gigantischen Aufwand fürs Tränken, der wegfällt.» Und: Es kommt kein Gift mehr zum Einsatz.

Max Mäder, Gemeindepräsident von Eschlikon. (Bild: Bettina Kunz)

Max Mäder, Gemeindepräsident von Eschlikon. (Bild: Bettina Kunz)

Und es funktioniert

Das Beispiel Eschlikon zeige, dass naturnahe Bewirtschaftung des öffentlichen Raumes funktioniere, folgerte Amtschefin Näf. Allerdings sind diverse Schlüssel zum Erfolg nötig. Einer heisst: Kommunikation − um unter anderem die Akzeptanz zu erhöhen. So wird in Eschlikon auch auf Informationstafeln vor Ort gesetzt. Schliesslich sei man in der Schweiz akribisch gepflegte Grünflächen gewöhnt. «Die Bevölkerung muss wissen, dass die Veränderung nicht Zufall, sondern gewollt ist», sagte Künzler. Sonst könnte womöglich der Eindruck entstehen, dass der Werkhof seine Arbeit nicht mehr mache. Überhaupt kommt den Mitarbeitern des Werkhofs eine Schlüsselrolle bei der Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum zu. Sie müssten deshalb während des Projekts eng begleitet werden sowie Ansprechpartner beim Kanton haben, sagte Gisel. Dazu kommen einschlägige Schulungen und Weiterbildungen. Nicht zuletzt, um invasive Pflanzen frühzeitig zu erkennen, die auch im ökologisierten Siedlungsraum nichts verloren haben.

Der Kanton finanziert die Hälfte der Planung

Damit dem Beispiel von Eschlikon und Sirnach weitere Gemeinden folgen können, beteiligt sich der Kanton mit 50 Prozent an der Erarbeitung von Grundlagen und Massnahmen. Dafür stehen in den nächsten vier Jahren 950000 Franken bereit. «Es wäre schön, wenn sich 20 Gemeinden auf diesen Weg machen würden», formulierte Andrea Näf-Clasen die Hoffnung des Kantons. Das Bewusstsein in der Bevölkerung sei auf jeden Fall vorhanden. «Die Zeit ist reif für dieses Thema.»

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