Thurgau kritisiert Bericht zu Atomendlager

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Atommüll Eine Nadel im Heuhaufen ist schneller gefunden als ein Endlager für atomaren Abfall. Gesucht wird ein Tiefenlager für 4000 Tonnen radioaktives Material. In einem jahrelangen Prozess kristallisierten sich drei mögliche Standorte heraus: Jura Ost, Nördliche Lägern und Zürich Nordost. Von Letzterem wäre der Thurgau betroffen. Käme das Tiefenlager Zürich Nordost, reichte es nach heutigem Kenntnisstand unterirdisch in die Gemeinde Schlatt im westlichen Thurgau hinein. Deshalb hat der Kanton ein Interesse daran, mitzureden. Dies hat er erneut getan, indem er Stellung zum jüngsten Ergebnisbericht genommen hat. Die Thurgauer Regierung wehrt sich nicht generell gegen den Standort. «Wir haben immer gesagt, es muss der sicherste Standort sein», sagt Bauchefin Carmen Haag. «Alles andere darf nur eine untergeordnete Rolle spielen.» Gleichwohl äussert die Regierung Kritik. Wie es in der Stellungnahme heisst, sei die mögliche glaziale Tiefenerosion im betroffenen Gebiet «ungenügend abgeklärt» worden. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Zeitplan. Vorgesehen ist, dass die Nagra, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, um das Jahr 2022 entscheidet, für welche Standorte sie Gesuchsgrundlagen zur Rahmenbewilligung ausarbeiten will. Erst sieben Jahre später soll das Gesuch dem Bundesrat eingereicht werden. «Wir fordern, dass die Kantone schon früher informiert werden», sagt Haag. Der Entscheid, wo die Nagra weiterarbeiten will, käme einem Vorentscheid gleich. Ein dritter Kritikpunkt der Regierung bezieht sich auf die finanzielle Abgeltung der Regionen. Für die Akzeptanz eines Tiefenlagers in den Regionen sei diese unabdingbar. So oder so: Bundesrat und Parlament müssen grünes Licht geben. Gebaut würden die Lager erst nach 2045. (seb)