Thurgau
Happiger Aufschlag: Gebäudeversicherung erhöht Prämien um 25 Prozent

Eine steigende Schadenbelastung und die Notwendigkeit, die Reserven auszubauen, haben Folgen: Die Thurgauer Gebäudeversicherung hebt die Prämien auf einen Schlag um einen Viertel an.

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Über 100'000 Gebäude sind bei der kantonalen Gebäudeversicherung versichert. Blick auf die Frauenfelder Altstadt.

Über 100'000 Gebäude sind bei der kantonalen Gebäudeversicherung versichert. Blick auf die Frauenfelder Altstadt.

Reto Martin

Die Gebäudeversicherung des Kantons Thurgau (GVTG) versichert über 100'000 Gebäude im Kanton Thurgau gegen Feuer- und Elementarschäden. Erstmals seit 2006 wird im Zuge der steigenden Schadenkosten, der hohen Bautätigkeit und der notwendigen höheren Kapitalausstattung die Prämie erhöht werden, wie die GVTG in einer Medienmitteilung schreibt. Bei einem Einfamilienhaus bezahlt die Eigentümerschaft demnach ab 2022 beispielsweise statt bisher 22 Rappen neu 27 Rappen pro 1000 Franken Versicherungssumme. Das entspricht einer Erhöhung von gerundet 25 Prozent. Diese prozentuale Erhöhung gilt für alle Gebäudekategorien und wird laut der Medienmitteilung die notwendigen Mehreinnahmen generieren.

Hohe Schadenbelastung und steigende Risiken

Die Tarife der GVTG sind seit 2006 nicht mehr erhöht worden. Grundsätzlich werden die Prämien alle fünf Jahre überprüft, dies war zuletzt 2016 der Fall.

Aufgrund steigender Schadenbelastung und damit verbunden negativen Ergebnissen in der Versicherung, welche jeweils aus den Kapitalerträgen gedeckt werden müssen, haben Verwaltungsrat und Direktor 2020 eine Risikoanalyse beim Interkantonalen Rückversicherungsverband (IRV) in Auftrag gegeben. Dieser Bericht wurde per Mitte 2021 vom IRV aktualisiert.

50 Prozent mehr Kapital wird angestrebt

Die Analysen haben aufgezeigt, dass die Kapitalausstattung der GVTG erhöht werden sollte, um die Risikofähigkeit nachhaltig sicherzustellen. In der Konsequenz hat der Verwaltungsrat im Juni dieses Jahres entschieden, die Kapitalausstattung entsprechend aufzustocken. Neu liegt das minimale Kapital bei 410 Millionen Franken, das angestrebte Kapital bei 615 Millionen Franken und das maximale Kapital bei 820 Millionen Franken.

Dem steht gemäss der aktuellen Hochrechnung per 31. Dezember 2021 ein risikotragendes Kapital von rund 455 Millionen Franken gegenüber. Das entspricht knapp 74 Prozent des definierten anzustrebenden Kapitals. Darüber hinaus hat die Risikoanalyse des IRV ergeben, dass die durchschnittlich zu erwartende Gesamtrendite unter dem Niveau für den Erhalt der angestrebten Risikofähigkeit und Kapitalausstattung liegt.

2021: Verlust von 15 Millionen zu erwarten

Im Jahr 2021 ist ein Verlust von knapp 15 Millionen Franken im Versicherungsgeschäft zu erwarten. Tatsächlich werden 2021 die Prämien wiederum nicht ausreichen, um die Schadenaufwendungen zu decken. Die Analyse der letzten 20 Jahre mache deutlich, dass dies kein einmaliges Ereignis sei, sondern dass im Durchschnitt rund 6 Millionen Franken Mehreinnahmen pro Jahr notwendig seien, schreibt die Gebäudeversicherung. Um das Ziel einer ausgeglichenen Rechnung im Versicherungsgeschäft zu erreichen und das angestrebte Kapital mittelfristig äufnen zu können, sei eine Erhöhung der Prämie über alle Gebäudekategorien in der Höhe von gerundeten 25 Prozent nötig. Diese Erhöhung wird in der Rechnung 2022, die im Januar 2022 verschickt wird, erstmals zum Tragen kommen.

Erhöhung der Abgabe für den Brandschutz

Im Bereich Feuerwehr hat der Thurgauer Regierungsrat mit seiner Verordnung zum Gesetz über den Feuerschutz die Aufgaben der GVTG erweitert: In Zukunft stellt die GVTG den Stützpunktfeuerwehren sämtliche Einsatzfahrzeuge und Gerätschaften zur Verfügung, welche diese für die Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen, und sie leistet darüber hinaus einen Beitrag an deren Betrieb und Unterhalt. Zur Finanzierung dieser zusätzlichen Aufgabe wird die Brandschutzabgabe um zwei Rappen pro 1000 Franken Versicherungssumme erhöht.

Das Gesetz über die Gebäudeversicherung sieht vor, dass die Versicherungsprämien so anzusetzen sind, dass die Einnahmen ausreichen, um die Schäden zu vergüten, die Betriebsaufwendungen zu decken, einen genügenden Reservefonds zu unterhalten und durch Beiträge die Schadenprävention zu fördern. Letzteres ist neu, die gesetzliche Grundlage dafür seit 1. Januar 2021 in Kraft. Ziel ist es, mit Präventionsbeiträgen Anreize für die Gebäudeeigentümerschaft zu setzen, schadenreduzierende Massnahmen zu ergreifen. (red)

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