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THURGAU: Hanf-Streit: Medropharm erwägt Klage

Die Inhaber der Industriehanf anbauenden Firma Medropharm vermuten, dass die Anzeige gegen sie einen politischen Hintergrund hat. Sämtliche Vorwürfe seien haltlos, auch gegen die Meldepflicht habe man nicht verstossen. Eine solche gebe es im Thurgau gar nicht.
Larissa Flammer
Mike Toniolo (links) und Oliver Tschäppät von der Firma Medropharm begutachten die Hanfpflanzen, die sie für ihre Produkte züchten. (Bild: Reto Martin)

Mike Toniolo (links) und Oliver Tschäppät von der Firma Medropharm begutachten die Hanfpflanzen, die sie für ihre Produkte züchten. (Bild: Reto Martin)

Die Firma Medropharm mit Sitz in Kradolf hat sich grosse Mühe gegeben, nicht mit Drogen in Verbindung gebracht zu werden. Der von ihr produzierte Industriehanf ist für Medikamente gedacht. "Viele renommierte Pharmaunternehmen schätzen es, dass wir als kleines Unternehmen in dieser Nische tätig sind", sagt Mitinhaber Patrick Widmer.

Im September sind bei einer Razzia im Thurgau Hanfpflanzen der Firma sichergestellt und Gebäude durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Verdachts auf Widerhandlung gegen das Heilmittel- und das Betäubungsmittelgesetz auf. Dadurch sei genau diese Verbindung zu Drogen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit hergestellt worden. "Einige Handelspartner haben aufgrund des Verdachts sogar die Partnerschaft gekündigt."

Abklärungen noch im Gang
"Die Staatsanwaltschaft hat alle unsere Hanfanlagen bis auf die eine in Kradolf wieder freigegeben", sagt Widmer. Analysen hätten gezeigt, dass der THC-Gehalt den maximal erlaubten Wert von einem Prozent nicht überschreitet. Die Pflanzen in Kradolf seien noch nicht so weit entwickelt, dass man sie testen könne. "Die Behörden wollen warten, bis sie blühen und sie dann ebenfalls analysieren." Stefan Haffter, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau, bestätigt, dass für die Pflanzen in Kradolf noch keine Auswertung vorliege.

Widmer betont, dass sich in Kradolf dieselben Pflanzen wie in den anderen Anlagen befinden. Gegen das Heilmittelgesetz habe die Firma ebenfalls nie verstossen. "Wir produzieren nur den Rohstoff, dieser geht an einen verarbeitenden Betrieb, der voll lizenziert ist", so Widmer. Haffter sagt: "Die Abklärungen zur Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz sind noch im Gang."

Nach 30 Tagen ist klar: es gibt keine Meldepflicht
Die Thurgauer Staatsanwaltschaft warf den Firmeninhabern auch öffentlich in den Medien vor, sie hätten den Hanf nicht beim kantonalen Landwirtschaftsamt angemeldet. "Ich wurde im Verhör gefragt, warum wir der Meldepflicht nicht nachgekommen seien. Ob wir was zu verstecken hätten", erzählt Widmer. Er wandte sich daraufhin an das kantonale Landwirtschaftsamt und fragte nach einem Meldeformular. Nach einem mehr als 30 Tage dauernden Mailverkehr ist für Widmer jetzt klar: Es gibt gar keine Meldepflicht im Thurgau. "Die früher gültige Meldepflicht im Kanton Thurgau ist mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes hinfällig geworden", heisst es im Mail von Ueli Bleiker, Leiter des Landwirtschaftsamts.

Hanf auf offener Ackerfläche als Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Direktzahlungs-System müsse von Landwirten deklariert werden. "Die Firma Medropharm ist kein Landwirtschaftsbetrieb und wir nutzen auch keine Landwirtschaftsflächen. Somit entfällt eine Deklarationspflicht und eine Meldepflicht gibt es nicht", ist sich Patrick Widmer sicher. "Es glich einem Spiessrutenlauf. Wir haben mehr als einen Monat gebraucht um herauszufinden, dass wir alles richtig gemacht haben."

Stefan Haffter von der Staatsanwaltschaft sagt auf Anfrage, die Meldepflicht sei noch Gegenstand der Abklärungen. Offensichtlich habe es unterschiedliche Ansichten gegeben, wofür eine Meldepflicht bestehe.

Mit Härte zugeschlagen
Die Inhaber von Medropharm können noch immer nicht nachvollziehen, warum die Polizei mit solcher Härte zugeschlagen hat. "Wir haben unseren Hanfanbau bei den lokalen Polizeiposten gemeldet und ich stand per Mail in Kontakt mit dem Chef der Thurgauer Kriminalpolizei", so Widmer. Er habe die Polizei zu einer Besichtigung eingeladen, was abgelehnt worden sei. "Unsere Türen standen die ganze Zeit offen. Es hätte andere Möglichkeiten als eine Hausdurchsuchung gegeben."

Aufgrund des Reputationsschadens beraten sich die Firmeninhaber im Moment mit einem Anwalt, ob eine Klage auf Schadenersatz eingereicht werden soll.

Laut Haffter sei die Anzeige von einer Behörde eingereicht worden. Es sei der Regelfall, dass wenn sich ein Verdacht aufgrund einer offiziellen Anzeige bestätige, eine Hausdurchsuchung angeordnet werde. "Das Vorhaben war absolut verhältnismässig", sagt der Mediensprecher und betont, dass keine Pflanzen vernichtet worden seien.

Verdacht auf politischen Hintergrund
Patrick Widmer hat dem öffentlich-rechtlichen Sender SRF kürzlich geholfen, eine "Puls"-Sendung zu Cannabis in der Medizin zu realisieren. Diese wurde vergangenen Montag ausgestrahlt. Eine der Aussagen darin: Die Pharmaindustrie will nicht, dass medizinischer Hanf weiter erforscht und genutzt wird. "Wir haben darüber nachgedacht, ob jemand uns blockieren und behindern oder unsere Reputation kaputt machen will", sagt Widmer. Er habe mittlerweile herausgefunden, dass die Anzeige gegen Medropharm aus Bundesbern kam. "Man sagt uns aber nicht, wer die Anzeige eingereicht hat." Das alles nährt in Patrick Widmer den Verdacht, dass das Vorgehen gegen Medropharm eher einen politischen, als einen rechtlichen Hintergrund hat.

Hanfanlage im Kanton St.Gallen vernichtet

Bereits am 31. August wurde eine Anlage, die im Auftrag der Firma Medropharm Hanf produziert hatte, im Kanton St.Gallen von der Polizei besucht. Dort besteht eine Meldepflicht, gegen die Medropharm – nach eigenen Angaben unwissentlich – verstossen hat. 600 Hanfpflanzen wurden von der Polizei zerstört, ausserdem hatte der Betreiber der Anlage Sachschaden über 30'000 bis 35'000 Franken zu beklagen. Dem Bauer entgingen durch die zerstörten Pflanzen zudem Einnahmen von über 100'000 Franken. Die Firma Medropharm bot dem Bauer Unterstützung an. Die Hanfproduktion will das Unternehmen auf St.Galler Kantonsgebiet wieder aufnehmen. "Wir machen weiter", sagt Patrick Widmer. (lsf)

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