Thurgau
Drohnen in der Landwirtschaft? Regierung will am Boden bleiben

Der Thurgau soll die Biodiversität künftig auch mit dem Einsatz von Satelliten- und Drohnentechnik in der Landwirtschaft fördern. Und dafür sechs Jahre lang mit je 950'000 Franken tief in die Tasche greifen. Die Kantonsregierung will die Pläne vom Himmel holen.

Christian Kamm
Drucken
Teilen
Drohneneinsatz in der Landwirtschaft.

Drohneneinsatz in der Landwirtschaft.

Bild: PD

Die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und Dünger, der Schutz des Trinkwassers und die Förderung der Artenvielfalt stehen nicht erst seit der Abstimmung über die beiden Agrarinitiativen im Sommer hoch im Kurs. Und so erhoffen sich die drei Initianten Stefan Leuthold (GLP, Frauenfeld), Toni Kappeler (GP, Münchwilen) und Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen) Rückenwind für ihren Vorstoss «Innovation mit Satelliten- und Drohnentechnik in der Landwirtschaft».

Sein Ziel: Von 2022 bis 2027 sollen jährlich 950'000 Franken aus dem Kantonshaushalt in den Aufbau eines drohnengestützten Systems fliessen, um die Effizienz in der Landwirtschaft zu steigern und gleichzeitig die Emissionen zu senken. Zusammen mit der Privatwirtschaft will man die Biodiversität sowie die landwirtschaftliche Produktion dank modernster Technik nachhaltig steigern. Eine bessere Datenlage dank Satelliten, Drohnen und Sensorik als digitale Werkzeuge sei dabei zentral.

In Turbulenzen geraten

Einen ersten politischen Erfolg konnten die Initianten bereits im vergangenen Mai bei der Einreichung ihrer Motion erzielen: 65 Mitunterzeichner stellten sich hinter das Begehren. Das würde zusammen mit den drei Motionären bereits für eine Mehrheit im 130-köpfigen Grossen Rat reichen.

Doch nun sind die Drohnen quasi in Turbulenzen geraten. Die Kantonsregierung winkt in ihrer Stellungnahme ab. Während die drei Kantonsräte die Thurgauer Landwirtschaft innovativ positionieren und national ein Zeichen setzen wollen, verweist die Regierung auf eine ihrer Auffassung nach unklarer Zielsetzung der Motion auf bereits Geleistetes und die vergleichsweise hohen Kosten.

Ein Topf ist bereits da

Überhaupt ist in den Augen des Regierungsrats keine neue Finanzierung in diesem Bereich nötig. Denn mit dem bereits eingerichteten Biodiversitätsfonds stehe schon ein Topf zur Verfügung.

Mitinitiant Stefan Leuthold überzeugt diese Argumentation nicht. Der Fonds sei eine Folge der 2020 angenommenen kantonalen Biodiversitäts-Initiative, bei der die Landwirtschaft explizit ausgeklammert worden sei:

«Wir wollen nun die Biodiversitäts-Initiative mit der Landwirtschaft verlinken. So nützt das beiden Seiten.»

Der Thurgau könne auf diesem Gebiet national eine gewisse Führungsfunktion übernehmen. Immer mit dem Fokus auf einen praktischen Nutzen für die produzierende Landwirtschaft. Es gehe dabei weniger um Forschung als um die direkte Anwendung von Technologie, so Leuthold.

Gestaffelt loslegen

Die Kantonsregierung verweist umgekehrt auf die Entwicklung auf Bundesebene. Das eidgenössische Parlament habe in der Frühjahrssession 2021 gesetzliche Änderungen beschlossen, um das Risiko des Biodiversitätsverlustes aufgrund einer zu wenig spezifischen Anwendung von Pestiziden und Nährstoffen zu reduzieren. «Die Umsetzung der neuen Gesetzesbestimmungen wird für die landwirtschaftliche Primärproduktion und die damit für die Landwirte sehr anspruchsvoll», mahnt der Regierungsrat.

Nach einer Annahme der Motion wären die Initianten bei den Finanzen für das Jahr 2022 gesprächsbereit, wirbt Leuthold für ein Ja:

«Wir wollen nicht möglichst schnell möglichst viel Geld ausgeben.»

Sondern dann brauche es vor allem Konzepte. Das wiederum könnte eine gestaffelte Umsetzung beziehungsweise eine Umteilung von Finanzen nötig machen.

Der Vorstoss wird voraussichtlich an der Sitzung des Grossen Rats vom 27. Oktober behandelt.

Aktuelle Nachrichten