Thurgau
«Brennen für Mathe»: Forschungspreis Walter Enggist geht an Esther Brunner

Esther Brunner heisst die Gewinnerin des Forschungspreises Walter Enggist. Die Thurgauerin bekam ihn am Montagabend in Frauenfeld für ihre wissenschaftliche Arbeit in Mathematik-Didaktik verliehen.

Christof Lampart
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Pionierin auf dem Gebiet der Mathematikdidaktik: Esther Brunner.

Pionierin auf dem Gebiet der Mathematikdidaktik: Esther Brunner.

Ralph Ribi

Esther Brunner, die eine Professur in Mathematikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen innehat, ist, wie an der Preisverleihung in der Aula der Kantonsschule Frauenfeld mehrfach betont wurde, eine Pionierin auf ihrem Gebiet. Sie ist die erste Vertreterin einer Schweizer Hochschule, die auf diesem Gebiet habilitierte.

Thurgauer Mathematik-Gespräche geplant

Der in diesem Jahr zum dritten Mal vergebene Forschungspreis Walter Enggist ist mit 15'000 Franken dotiert, die für weitere wissenschaftliche Projekte zu verwenden sind. Brunner erklärte, dass sie einen Teil des Preisgeldes dafür verwenden wolle, um eine Webplattform aufzubauen, die sich an die verschiedensten Anspruchsgruppen – Schüler, Eltern, Lehrende – richten und Erklärungen zu mathematischen Sachverhalten liefern soll. Den Rest des Geldes wolle sie, da ihr Fachgebiet in der Schweiz ziemlich neu sei, in die «Nachwuchsförderung» stecken, indem sie zu «Thurgauer Mathematik-Gesprächen» einladen werde, an denen «Interessierte gemeinsam über Mathematik nachdenken; solche Gespräche dürften fruchtbar sein», so Brunner.

Mathe verstehen, nicht auswendig lernen

Befragt nach dem Wert der Mathematik-Didaktik, erklärte Brunner, dass viele Menschen negative Erfahrungen mit Mathematik verbänden, weil diese in unseren Breitengraden stets mit Leistungsgedanken und weniger mit der Freude am Verstehen verbunden gewesen sei. «Wer solche Erfahrungen gemacht hat, darf zurecht sauer auf seine Lehrer sein», so Brunner. Nur wenige Schülerinnen und Schüler hätten hingegen «inhaltliche Erinnerungen», dabei sollte man «Mathe verstehen und nicht auswendig lernen, dann ist Mathe etwas Wunderbares», betonte Brunner. Und genau bei dieser Art von Vermittlung setze die Mathematik-Didaktik an.

«Das Feuer in Ihnen gespürt»

In ihrer Laudatio erklärte die Vorsitzende der Beurteilungskommission, Professorin Sibylle Minder Hochreutener, dass man Brunner für ihre exzellente wissenschaftliche Arbeit auszeichne. Sie habe offene Fragen in Sachen Unterrichtsqualität thematisiert, Thesen aufgestellt und empirisch belegt. Mehr noch: «Sie haben einen wissenschaftlichen Pfad aufgezeigt, den man danach noch weitergehen könnte. Und wir haben das Feuer in Ihnen gespürt, ihr Brennen für die Mathematik».

Nachwuchsforschungspreis an Hutter und Edmunds

Neben dem Walter Enggist-Forschungspreis wurde auch der mit 3000 Franken dotierte Nachwuchsforschungspreis der Thurgauischen Stiftung für Wissenschaft und Forschung verliehen. Dieser ging an die beiden Geisteswissenschafterinnen Iris Hutter und Miriam Edmunds für ihre geschichtliche Aufarbeitung zu 125 Jahre Sonderschule Mauren. Regierungspräsidentin und Stiftungsratspräsidentin Monika Knill, betonte, dass ihre Arbeit «weit mehr als nur eine Jubiläumsschrift» sei, hätten sie doch eine «sozialhistorische Untersuchung» über die Sonderschule Mauren verfasst, welche deren Geschichte aufgrund von Einzelschicksalen festmache. «Das ist sehr überzeugend», so Knill. Zumal das Buch keine einseitige Jubelschrift geworden sei, sondern auch Unerfreuliches nicht ausspare, wie Kindesmissbrauch oder Sterilisationen.

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