Thurgau
Er rannte auf die Autobahn, als er zum Metzger gebracht werden sollte: Jetzt wurde Muni Leo eingeschläfert

Stierkalb Leo floh 2010, als er im Alter von sieben Monaten ins Schlachthaus gebracht werden sollte. Ein Tierfreund kaufte ihn frei, danach verbrachte er sein Leben in Kuhpensionen im Thurgau. Sogar ein Kinderbuch erzählt seine Geschichte. Doch jetzt muss Leo altersbedingt eingeschläfert werden.

Sabrina Manser
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Stierkalb Leo im Stall Happy in Rudenwil.

Stierkalb Leo im Stall Happy in Rudenwil.

Bild: Hanspeter Schiess

Der ausgebüchste Muni Leo musste mit elf Jahren eingeschläfert werden. Anders als die meisten seiner Artgenossen verbrachte er sein Leben auf einer Kuhpension. Es gibt sogar ein Kinderbuch über ihn. Bekannt wurde der Stier, als er sich im April 2010 im Alter von sieben Monaten auf dem Weg zum Metzger losriss. Leo rannte von Zünikon 10 Kilometer auf die Autobahn A7 bei Attikon. Dort konnte er von einem Bauern wieder eingefangen werden.

Die Medien griffen die Geschichte auf. «Es ging bei der Meldung immer nur um das Fleisch und den Verlust einer Ware», sagt Tierfreund Markus Bosshard aus Zürich.

«Als Tier wurde Leo gar nicht wahrgenommen.»

Kurzerhand entschloss sich der damalige IT-Spezialist, das Tier freizukaufen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für Leo, stiess Bosshard auf das Projekt «Viva la Vacca» des Tierschutzvereins Bischofszell-Weinfelden und nahm mit dem Präsidenten Reinhold Zepf Kontakt auf. Da es sich bei diesem Projekt um ein Altersheim für Kühe handelte und Leo noch relativ jung war, leistete Bosshard eine Anzahlung von 15'000 Franken. Leo kam dann in den Stall Happy in Rudenwil zu 14 Kühen. Später lebte er auf dem Blasenberg in Matzingen-Kalthäusern.

Leo hat ein schönes Leben gehabt

Die Journalistin Dagmar Appelt verfolgte die Geschichte von Leo. Sie schrieb Texte für den «Landboten» und wurde dafür mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Dann schrieb sie das Kinderbuch «Leos Sprung in die Freiheit».

Am 12. Januar 2021 musste Leo eingeschläfert werden. «Wir mussten Leo leider gehen lassen», sagt Bosshard zur «Zürichsee Zeitung». «Er durfte friedlich und stressfrei einschlafen.» Er habe Probleme mit dem Bewegungsapparat gehabt. Sein Gewicht lag zwischen 1100 und 1300 Kilogramm und machte den Gelenken immer mehr Mühe. Zeitweise hätte Leo kaum mehr aufstehen können, wie Bosshard sagt. Aber das Tier habe ein schönes Leben gehabt.