«Wenn drei Frauen bereitstünden, wäre ich nicht Kandidat» — Gerangel bei der St.Galler CVP um freien Regierungssitz

Thomas Ammann will St.Galler Regierungsrat werden. Die CVP-Regionalpartei Rheintal hat er hinter sich, die Frauen gegen sich.

Regula Weik
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Thomas Ammann zieht es in die St.Galler Regierung. (Bild: Gaetan Bally)

Thomas Ammann zieht es in die St.Galler Regierung. (Bild: Gaetan Bally)

«Ich bin weder ein Spielverderber noch ein Störmanöver», sagt Thomas Ammann. Die CVP-Regionalpartei Rheintal hat ihn als Regierungskandidat ins Spiel gebracht. Dies kurz nachdem die kantonale Parteispitze mitgeteilt hatte, mit der Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann den frei werdenden zweiten Regierungssitz verteidigen zu wollen.

Ammann weiss, dass seine Kandidatur nicht überall auf Gegenliebe stösst. Und dass ihm einige die Etikette des Frauenverhinderers anhängen werden. «Das gilt es auszuhalten, dass nicht alle gleicher Meinung sind», sagt er, und fügt an: «Wenn drei Frauen zur Nomination bereitstünden, wäre ich nicht Kandidat.»

Absagen von Frauen

Die CVP-Spitze hatte darauf hingearbeitet, den Delegierten mehrere Kandidatinnen unterbreiten zu können. Daraus wird nichts, nachdem sowohl die Rapperswiler Kantonsrätin Yvonne Suter wie auch die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer abgesagt haben.

Was bleibt, ist die klare Ansage der Parteileitung: Der zweite Regierungssitz soll mit einer Frau besetzt werden. Wer schliesslich in den Regierungswahlkampf geschickt werde, entscheide «weder die Findungskommission noch die Parteileitung», sagt Ammann, «das entscheiden die Delegierten.» Und  Ammann weiter:

«Eine Wahl mit nur einer Person ist keine Auswahl.»

Haben die CVP-Frauen kein Anrecht auf eine Vertretung in der Regierung? Die Parteileitung habe nicht ausgeschrieben, es dürften sich nur Frauen melden. «Wenn sich die Delegierten am Freitag für eine Frau entscheiden, akzeptiere ich das.»

CVP-Frauen: «Wir werden mobilisieren»

20 Jahre ist es her, seit die CVP mit einer Frau in der Regierung vertreten war. 1996 bis 2000 gehörte Rita Roos dem Gremium an. Martha Storchenegger, Präsidentin der St. Galler CVP-Frauen, sagt ohne Umschweife: «Es ist Zeit für eine Frau.» Die Ansage der Parteileitung sei klar und unmissverständlich: Die CVP-Vertretung in der Regierung soll keine reine Männervertretung sein. Die Partei wolle neben dem wiederkandidierenden Regierungsrat Bruno Damann mit einer Frau in der Pfalz vertreten sein. Nach ihrer Wunschzusammensetzung der Regierung gefragt, antwortet Storchenegger:

«Ich wünsche mir drei Frauen in der Regierung.»

Es sei «schade», dass die FDP den Schritt nicht gewagt habe, eine Frau ins Rennen zu schicken. Mit Kathrin Hilber, Karin Keller-Sutter und Heidi Hanselmann hatten von 2004 bis 2012 bereits einmal drei Frauen der siebenköpfigen St. Galler Regierung angehört.

Empfindet Storchenegger die Kandidatur Ammanns als Affront gegenüber den CVP-Frauen? Es sei das demokratische Recht jeder Regionalpartei, weitere Kandidaturen ins Spiel zu bringen. Eines ist klar: Die CVP-Frauen werden es Ammann nicht einfach machen. «Wir werden mobilisieren», sagt Storchenegger.

In  vier Jahren kein Thema mehr

Er wolle keine Fronten aufbauen, sagt Ammann. Und weiter:

«Ich würde nie als wilder Kandidat antreten.»

Die Regionalpartei stehe hinter ihm. Und zahlreiche Leute, die auf ihn zugekommen seien mit dem Wunsch, er solle für die Regierung kandidieren. Eine Option ist dies für ihn erst seit dem 20. Oktober; an jenem Sonntag wählte ihn die St. Galler Bevölkerung als Nationalrat ab. «Seither ist die Welt eine andere.» Auch seine berufliche Zukunft.

Ammann hat eine eigene Firma Ammann Beratreu GmbH, Treuhand und Beratung. Er habe diese bislang auf Sparflamme betrieben, das lasse sich ausbauen. Gemeindepräsident und Kantonsrat hat er abgehakt; beides hat er über Jahre ausgeübt. Anders die Regierung. «Das ist eine Chance.» Die letzte. In vier Jahren sei eine Kandidatur kein Thema mehr für ihn – «dann steuere ich auf die 60 zu».