Therapie für Beichtstuhl-Fackler

Ein psychisch kranker Mann hat einen Beichtstuhl in der St. Galler Kathedrale in Brand gesteckt, weil er mit der Beichte unzufrieden war. Das Gericht hat nun eine stationäre Massnahme angeordnet.

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Der 51-jährige Schweizer musste sich am Dienstag vor dem Kreisgericht St. Gallen für seine Tat verantworten. Er hatte im Juni 2016 zweimal versucht, mit Rechaudkerzen in der Kathedrale St. Gallen ein Feuer zu legen. Im Untersuchungsverfahren gab er als Grund Unzufriedenheit über seine Beichte vom Vortag und allgemeine Verärgerung über die katholische Kirche an. Er könne sich an den Tathergang überhaupt nicht mehr erinnern, erklärte der Mann an der Gerichtsverhandlung. Er wisse aber, dass er für die versuchte Brandstiftung verantwortlich sei. Heute könne er nicht mehr verstehen, weshalb er das Feuer gelegt habe.

Laut der Anklageschrift betrat der Beschuldigte um die Mittagszeit das Innere der Kathedrale und ging zum bischöflichen Beichtstuhl. Er deponierte auf dem Holztablar hinter dem Vorhang eine brennende Rechaudkerze. Der Vorhang fing Feuer und beschädigte den mit 250-jährigen Schnitzereien verzierten Beichtstuhl. Zwei Touristen bemerkten den Brand und konnten ihn mit Weihwasser löschen. Bei dem von Josef Anton Feichtmayr geschnitzten Beichtstuhl handelt es sich um eine historisch wertvolle Anfertigung aus der Spätbarock-Zeit um das Jahr 1760. Die Versicherung bezifferte den Sachschaden, welchen das Feuer angerichtet hatte, auf 20 000 Franken. Am Nachmittag versuchte der Beschuldigte erneut einen Beichtstuhl anzuzünden. Der Messmer entdeckte ihn und konnte das Feuer löschen.

Wenige Wochen nach der Tat führten Ermittlungen der Kantonspolizei St. Gallen auf die Spur des Beschuldigten. Kurz vor der Brandstiftung hatte dieser seine Ehefrau angerufen und sie aufgefordert, auf das gemeinsame Konto Geld zu überweisen. Mache sie dies nicht, müsse jemand sterben. Er könne für nichts garantieren. Der 51-Jährige teilte ihr ebenfalls mit, dass er ein Messer gekauft habe.

Ohne Therapie Gefahr für weitere destruktive Akte

Der Staatsanwalt klagte den Mann im abgekürzten Verfahren an. Er beantragte Schuldsprüche wegen mehrfach versuchter Brandstiftung, Nötigung und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Als Sanktion einigten sich die Parteien auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Busse von 300 Franken.

Zudem sei eine stationäre Suchtbehandlung anzuordnen. Der Beschuldigte befinde sich bereits seit November 2016 in einem Rehabilitationszentrum, erklärte der Staatsanwalt. Er zitierte aus einem forensisch-psychiatrischen Gutachten, welches festhält, dass der starke Alkoholkonsum und die komplexe psychische Störung des Beschuldigten im Zusammenhang mit den Straftaten stünden. Ohne Suchttherapie bestehe die Gefahr weiterer Brandstiftungen oder anderer destruktiver Akte. Die Taten seines Mandanten seien ein Ausdruck der Verzweiflung gewesen, betonte der Verteidiger. Das Kreisgericht St. Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Der Beschuldigte habe im Rehabilitationszentrum bereits Fortschritte gemacht, betonte der vorsitzende Richter zum Entscheid.