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THEATER: Auf Umwegen zum Kulturpreis

Wie politisch darf Kultur sein? Sind der Stadt St. Gallen die Aufführungen des Theaterregisseurs Milo Rau zu heikel? Die jüngste Vergabe des grossen St. Galler Kulturpreises wirft Fragen auf.
Roger Berhalter
Theaterregisseur Milo Rau (links), Kunstgiesser und Kulturpreisträger Felix Lehner. (Bilder: Jörg Carstensen/DPA (Berlin, 19. Oktober 2017), PD)

Theaterregisseur Milo Rau (links), Kunstgiesser und Kulturpreisträger Felix Lehner. (Bilder: Jörg Carstensen/DPA (Berlin, 19. Oktober 2017), PD)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Die Kulturpolitik der Stadt St. Gallen erscheint in einem schiefen Licht. Dies behauptet zumindest der St. Galler Kantonsrat und Stadtparlamentarier Etrit Hasler (SP). In einem Vorstoss im Stadtparlament unter dem Titel «Keine Preise für politische KünstlerInnen?» stellt Hasler ­kritische Fragen zur Vergabe des jüngsten Kulturpreises, den die Stadt alle vier Jahre vergibt (siehe Kasten).

Der diesjährige Preisträger heisst Felix Lehner, Leiter der Stiftung Sitterwerk, Kunstgiesser, Kulturförderer und -vermittler. Mit seiner Kunstbegeisterung habe Lehner in der ehemaligen Färberei Sittertal «ein kulturelles Zentrum mit internationaler Ausstrahlung geschaffen», schreibt die Stadt in einer Mitteilung. St. Gallen sei dank Lehner «mit einem weitreichenden Netzwerk internationaler Institutionen und Personen» verknüpft.

Völkermord in Ruanda, Terror in Norwegen

So weit, so unproblematisch. Dass Felix Lehner den mit 30000 Franken dotierten Preis verdient hat, ist unumstritten. ­Allerdings sei er «erst auf Umwegen zu seinem Preis gekommen», schreibt Etrit Hasler in seiner Interpellation. Ursprünglich habe die städtische Kommission für Kulturförderung den international erfolgreichen Theaterregisseur Milo Rau als Preisträger vorgeschlagen. Der Stadtrat habe Rau jedoch abgelehnt, «angeblich wegen mangelndem Bezug zur Stadt». Dies obwohl Rau knapp die Hälfte seines Lebens in St. Gallen verbracht habe.

Hasler möchte nun wissen, wie der Stadtrat «einen für die Verleihung von Kulturpreisen angemessenen ‹Bezug zur Stadt›» definiert. Vor allem aber stellt sich für ihn die Frage, «ob der mehrfach preisgekrönte Rau übergangen wurde, weil er sich in seinen Stücken hauptsächlich mit politischer Materie beschäftigt». Hasler verweist auf Raus umstrittene «City of Change» am Theater St. Gallen im Jahr 2011, ein Projekt, das auf den Mord an einem Reallehrer im St. Galler Schulhaus Engelwies im Jahr 1999 zurückgeht. Der SP-Politiker erwähnt auch die anderen, hochpolitischen Inszenierungen des Regisseurs, die sich mit den Völkermorden in Ruanda und Kongo sowie dem Terroranschlag des norwegischen Rechtsextremen Anders Behring Breivik auseinandersetzen. Ist all das zu politisch für den St. Galler Stadtrat? «Zu politisch für den Kulturpreis?», wie das Magazin «Saiten» in einem Online-Artikel zum Thema fragt.

Die Kommission gibt nur Empfehlungen

Offen bleibt vorerst die Frage, ob die städtische Kommission für Kulturförderung Milo Rau als einzigen Kandidaten vorgeschlagen hat oder ob auch Felix Lehner als Alternative im Rennen war. Bei entsprechender Nachfrage wird auf das Kommissionsgeheimnis verwiesen, und Stadtpräsident Thomas Scheitlin gibt derzeit ebenfalls keine Auskunft in dieser Sache. «Der Stadtrat wird im Rahmen der Beantwortung der Interpellation Stellung beziehen», schreibt Scheitlin auf Anfrage. Weil der politische Vorstoss von Etrit Hasler noch hängig ist, hat das Stadtparlament ein Erstinformationsrecht: Zuerst informiert die Stadtregierung das Parlament, nicht die Medien.

Wie viele Kandidaten auch immer im Rennen um den Kulturpreis waren: Dass sich der Stadtrat gegen den Vorschlag der Kulturkommission stellt und anders entscheidet, ist zwar unüblich, aber rechtens. Die Kommission gibt gegenüber der Exekutivbehörde nur eine Empfehlung ab. Anders ist dies auf kantonaler Ebene geregelt. Die st. gallische Kulturstiftung entscheidet mehr oder weniger unabhängig von politischen Einflüssen über die kantonalen Kulturpreisträger.

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