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The Show must go on: Der Circus Royal tourt trotz Konkursverfahren weiter – derzeit gastiert der Zirkus in Arbon

Die schuldenbelastete Thurgauer Betreibergesellschaft des Circus Royal wird zum Fall für den Konkursrichter. Krankheitsbedingt soll Peter Gasser den geschäftlichen Überblick verloren haben. Zirkusdirektor Oliver Skreinig will mit einer neuen Firma schuldenfrei durchstarten.
Max Eichenberger
In Schieflage: Der Circus Royal gastiert zurzeit in Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

In Schieflage: Der Circus Royal gastiert zurzeit in Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Mit seinen Quaianlagen gilt Arbon als einer der schönsten Gastspielorte. Direkt am See bauen Arbeiter die royale Zirkusstadt auf. Für den 80-köpfigen Zirkustross ist er deswegen so etwas wie eine Feriendestination: ein ruhiger Platz am Seeufer, wo Zeit und Raum bleibt, etwas auszuspannen.

Nach den Spekulationen um die finanzielle Schieflage des Thurgauer Zirkusunternehmens rund um die Eröffnung des Konkurses um die Betriebs GmbH im Juni hat sich der Zirkus zwar etwas aus dem medialen Kreuzfeuer entfernt. Vordergründig ist der Aufbau ruhig vonstatten gegangen. Forderungen von Gläubigern im Nacken hin oder her. Oliver Skreinig, der nun das alleinige Sagen hat, machte Tabula rasa und hat eine neue Firma gegründet. Er wolle nichts anderes als den Zirkus retten und die Arbeitsplätze sichern, sagt der 39-jährige Österreicher.

Arbon erstarrt in der Sommerhitze. Nichts anhaben vermag diese den Kamelen, die in der prallen Sonne dösen. Der Krösus Knie ausgenommen, kriselt es in der Branche: Besucher kommen weniger, die Kosten steigen, räumt Royal-Mediensprecher Reto Hütter ein.

2011, ein Jahr nachdem bei einem Konkursverfahren bereits einmal eine neue Gesellschaft gegründet worden war, rammte ein rumänischer Arbeiter beim Zeltaufbau einen metergrossen Stahlnagel in eine 17000-Volt-Leitung. Der Mann kam wie durch ein Wunder mit dem Leben davon. Halb Arbon blieb danach längere Zeit ohne Strom. Die Stadt nahm den Veranstalter zwar in Haftung. Bei der Bewilligungsinstanz und bei Arbon Energie machte man sich jedoch nichts vor. Dem Geld musste man nachrennen: «Wir wollen ja nicht als Henker des Zirkus dastehen.» Geduld als Gläubiger-Haltung. Bis einer Versicherung nun der Kragen platzte.

«Schreibt doch einmal, wie wir abgezockt werden»

Ein bekanntes Gesicht schlendert über die Quaiwiese. Beat Breu bewohnt mit Gattin Heidi ein stattliches Camperhome, das direkt an der Hafen-Riviera parkiert ist. Der ehemalige Rad-Bergfloh betreibt diese Saison das Circus Bistro. Mit Mike Shiva soll er Publikum anlocken. Momoll, sagt der Kletterspezialist, der 1982 die legendäre Königsetappe auf die Alpe d’Huez solo gewonnen hatte, er habe die Tour de France schon mitverfolgt, im TV in seinem rollenden Zuhause. Als Heimweh-Arboner fühlt sich das ehemalige Aushängeschild des Radfahrervereins Arbon nicht, sagt er emotionslos. Tempi passati. Man hat sich entfremdet.

Den Komiker zelebrierte Breu in seiner Aktivzeit unfreiwillig bei TV-Interviews. Beruflich wollte es damit später dann nicht so recht klappen. Die Wirren um die finanzielle Situation des Circus Royal, die Trennungsgeschichte um Zirkusdirektor Oliver Skreinig und Partner Peter Gasser, der 1991 das Familienunternehmen von seiner Grossmutter Helene Gasser-Stey übernommen hatte, und die Zusammenhänge mag Beat Breu nicht kommentieren. Zumal er ja selbst wenig wisse. «Journalisten!», sagt er nur, und wendet sich ab. «Schreibt doch einmal, wie wir abgezockt werden von den Gemeinden», wirft seine Frau Heidi an der Schwelle der Wohnwagentüre ein.

Wieder Boden unter die Füsse bekommen

Reto Hütter, Skreinigs Informationsbeauftragter, der seinen mitgenommenen Chef inzwischen abschirmt, wünscht sich derweil, die Medien würden ihre Aufmerksamkeit stärker auf das «tolle Programm» und die «lange Tradition» des Circus Royal richten. Man habe genug negative Presse gehabt. Sie neige dazu, die Kleinen schlechtzuschreiben. Wenn der Boulevard nicht gerade etwas Skandalträchtiges aufbausche, seien diese im Schatten von Knie bestenfalls Randnotizen wert, während man dem Nationalcircus hofiere, klagt Hütter an. Die Gereiztheit, versucht er hinter seinem Charme zu verstecken. Es gehe jetzt um das Überleben, um die Zukunft des traditionsreichen Unternehmens in einem schwierigen Umfeld. Diese soll jetzt mit einer neuen Firma schuldenfrei angegangen werden. Man wolle so wieder Boden unter die Füsse bekommen.

Über Verbindlichkeiten der alten Betreibergesellschaft, über die am 16. Juni der Konkurs angezeigt worden ist, kann Hütter keine Angaben machen. Ebenso wenig vermag er Widersprüche aus der Welt zu schaffen, in die sich Oliver Skreinig mit flapsigen Antworten verwickelt hat. Das hat Spekulationen weiter angeheizt.

«Zirkus ist kein kalkulierbares Geschäft»

Licht ins Dunkel zu bringen: Im Zuge der Ermittlungen im Konkursverfahren ist das jetzt der Job des Thurgauer Konkursamtes. Immerhin sagt Reto Hütter, das Verfahren sei ins Rollen gebracht worden durch eine Gläubigerin, eine Versicherung. Das würde ausschliessen, dass das Zirkusunternehmen von sich aus eine Überschuldungsanzeige gemacht oder die Bilanz deponiert hätte.

Gleichwohl hat Skreinig die Weichen für einen Neuanfang mit der Gründung einer neuen GmbH kurz vor der Konkursanzeige, von der er sich angeblich überrascht zeigte, gestellt. Diesen Schritt hat Skreinig seinen Worten zufolge im Einvernehmen mit seinem langjährigen Kompagnon und Lebenspartner Peter Gasser vollzogen. Dies offensichtlich, als die Situation aus dem Ruder zu laufen drohte und dem Zirkusunternehmen das Wasser am Halse stand. «Zirkus ist halt ein nicht kalkulierbares Geschäft», weiss Hütter − und das nicht nur wetterabhängig.

Eine menschliche Komponente spielt indessen nicht unerheblich mit, weshalb der Circus Royal zuletzt verstärkt in Turbulenzen geraten ist. Der 61-jährige Peter Gasser ist erkrankt und in einer Klinik. Skreinig hatte sich schon vor Monaten privat von ihm getrennt. Geschäftlich machte er den Schnitt im Vorsommer. Ohne Aktiven aus der konkursiten Firma herausgenommen zu haben, versichert Skreinigs Stimme Reto Hütter.

Konkursamt ermittelt – bald mehr Klarheit

Im Rahmen des eingeleiteten Konkursverfahrens ermittelt nun das Thurgauer Konkursamt. Aufgrund eingeforderter und sichergestellter Unterlagen sowie von Befragungen werde geprüft, ob und welche Transaktionen es allenfalls gegeben hat, sagt Jürg Wacker, stellvertretender Amtsleiter und zuständig für den Fall Royal. An das Amtsgeheimnis gebunden, kann er sich inhaltlich zum Verfahren und zur Recht- oder Unrechtmässigkeit von Handlungen der Protagonisten nicht äussern.

Nach der Publikation der vorläufigen Konkursanzeige sagt Wacker immerhin dies: «In den nächsten zwei Monaten wird sich herauskristallisieren, ob ein Schuldenruf erlassen, der Konkurs eröffnet wird oder ob es eine Einstellungsverfügung gibt.» Eine anstössige Aushöhlung einer Firma wäre ein sogenannter Anfechtungstatbestand. Nicht abwegig ist, dass Gläubiger im aktuellen Royal-Fall in die Röhre schauen und durch die «Ballast-Abwurf-Strategie» Skreinigs das Nachsehen hätten. Das wäre der Preis dafür, dass Angestellte von rettbaren Unternehmen weiterbeschäftigt werden können. Das, versucht Jürg Wacker nüchtern zu erklären, sehe das System so vor.

Während morgen Sonntag bei der letzten Vorstellung in Arbon der Schlussapplaus rund um die Manege aufbranden wird, bleibt der Ausgang des Verfahrens offen. Gewiss ist: Die Saison 2018 ist nicht gut angelaufen. «Die Hitze drückt auf die Besucherzahlen. Die waren auch in Arbon mager. Es ist einfach viel zu heiss», klagt Reto Hütter, der kühlere Temperaturen herbeisehnt.

Trotz belastender Ungewissheit: Die Tournee läuft wie geplant weiter. Auch am Programm 2019 wird schon gefeilt. Für den Zirkus zählt nur eines: «The Show must go on.»

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