TEXTILIEN: Der Skianzug der Sieger

Einen Erfolg nach dem anderen feiert das Schweizer Skinationalteam an der WM in St. Moritz. Die Sportler tragen Anzüge der Buchser Firma Wams AG.

Katharina Rutz
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Mitarbeiter der Wams AG in Buchs schneiden die Skianzüge individuell auf jeden Sportler zu. (Bild: Katharina Rutz)

Mitarbeiter der Wams AG in Buchs schneiden die Skianzüge individuell auf jeden Sportler zu. (Bild: Katharina Rutz)

Katharina Rutz

ostschweiz@tagblatt.ch

Luca Aerni war gestern in der Kombination nur gerade 0,01 Sekunde schneller als der Zweitplatzierte Marcel Hirscher. Abfahrtsweltmeister Beat Feuz siegte mit 12 Hundertstel Vorsprung. Ob hier das fahrerische Können oder doch die in Buchs hergestellten Skianzüge das Zünglein an der Waage bildeten, darüber lässt sich nur spekulieren. Tatsache ist, dass die Mitarbeiter zweier Firmen im Werdenberg die Anzüge der Sportler anfertigen.

«Der Skianzug kann durchaus einen Unterschied machen», sagt Sven Amsler von der Firma Wams AG. «Die Passform ist für die Aerodynamik enorm wichtig, es dürfen keine Falten entstehen.» Zudem sei die Luftdurchlässigkeit des Stoffes ein entscheidendes Kriterium. Diese müsse mindestens 30 Liter betragen. «Ziel ist es, möglichst nah an diesem Wert zu bleiben», sagt Amsler. Dieses Kriterium werde während der Herstellung immer wieder getestet.

Drei Stunden für einen Anzug

Bereits der Stoffhersteller, die Schoeller Textil AG in Sevelen, macht zu diesem Zweck Messungen. Der weisse Stoff wird dann bei der Wams AG auf jeden einzelnen Spitzensportler zugeschnitten. Vermessen werden diese von einem sogenannten Bodyscanner. Die Farbmuster werden digital auf Papier ausgedruckt und dann mittels Thermosublimationsverfahren auf die Stoffteile übertragen. Das heisst, die Farbe wird bei etwa 200 Grad auf den Stoff gepresst. Dann steht die nächste Messung auf Luftdurchlässigkeit an. Anschliessend werden die Einzelteile zusammengenäht.

Das Design kreiert der Sponsor der Schweizer Nationalmannschaft selber. Für die WM gab es ein eigenes mit lauter Porträtfotos. Die Fertigung eines Anzugs dauert rund drei Stunden. Je nach Stoff belaufen sich die Kosten auf bis zu 700 Franken pro Anzug. Die Produktion von Wintersportbekleidung für Spitzensportler macht die Haupteinnahmequelle der Buchser Firma Wams AG aus.

Sie stellt auch Raddresses her und bedruckt verschiedenste Textilien. «Im Radrennbereich beispielsweise ist es schwierig, mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten», sagt Sven Amsler. Skirennanzüge aber seien ein Nischenprodukt und oftmals Einzelanfertigungen. Hier komme es auf die Präzision an. Skirennanzüge würden häufig kurzfristig bestellt und Flexibilität sei sehr wichtig, sagt Sven Amsler. Die Wams AG stellt die Anzüge nicht direkt für das Nationalteam, sondern für die japanische Firma Decente her, welche seit dem Jahr 1978 das Schweizer Ski-alpin-Team ausstattet. Ausserdem fertigt die Buchser Firma auch Anzüge für Langläufer, Biathleten, Skeleton- und Rennrodel-Fahrer an.

Angefangen in der privaten Garage

Begonnen hat die Firma 1980 in einer privaten Garage. Firmengründer Walter Amsler hat dort mit dem Bedrucken von Radtrikots begonnen. Das Unternehmen wuchs und im Lauf der Jahre folgten zwei Umzüge. 2003 konnte der eigene Neubau an der Güterstrasse in Buchs bezogen werden. Mittlerweile arbeiten 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Wams AG.