Teure Sicherheit am Rhein

Der Rhein hat heute in seinem Oberlauf eine weit grössere Abflusskapazität als auf den letzten Kilometern vor dem Bodensee. «Wenn etwas passiert, dann ist es im mittleren und unteren Rheintal» sagt deshalb Hans Peter Willi, Leiter der Abteilung Gefahrenprävention im Bundesamt für Umwelt.

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Dammbruch beim liechtensteinischen Schaan 1927. (Bild: Archiv IRR)

Dammbruch beim liechtensteinischen Schaan 1927. (Bild: Archiv IRR)

Der Rhein hat heute in seinem Oberlauf eine weit grössere Abflusskapazität als auf den letzten Kilometern vor dem Bodensee. «Wenn etwas passiert, dann ist es im mittleren und unteren Rheintal» sagt deshalb Hans Peter Willi, Leiter der Abteilung Gefahrenprävention im Bundesamt für Umwelt.

Kosten: 600 Millionen Franken

Vor allem im Unterrheintal sind Wohnsiedlungen, Industrie und Gewerbe beidseits des Rheins nahe an den Fluss herangerückt. Schätzungen beziffern das Schadenpotenzial bei einem Grossereignis auf rund sechs Milliarden Franken. Die Schweiz und Österreich sind bereit, einen Zehntel davon in die Prävention zu investieren. Die Basis dafür legt ein neuer, vierter Staatsvertrag zur Regulierung des Rheinlaufs zwischen der Einmündung der Ill auf Höhe Rüthi und der Einmündung des Flusses in den Bodensee. Nach Abschluss der Arbeiten soll der Rhein mindestens 4300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gefahrlos dem See zuführen können. Heute sind es 3100 Kubikmeter pro Sekunde.

Bereits erstellt ist eine Machbarkeitsstudie. Das eigentliche Projekt «Zukunft Alpenrhein» startete im September mit der Vergabe der Planungsarbeiten an eine Bürogemeinschaft. Sobald der Entscheid für die favorisierte Variante vorliegt, hat diese in beiden Anrainerstaaten eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu bestehen. Ende 2017 werden die eigentlichen Bauarbeiten beginnen und sich über rund 20 Jahre hinziehen. Verantwortlich für Planung und Umsetzung ist die Internationale Rheinregulierung (IRR) mit Sitz in St. Margrethen.

120 Jahre Erfahrung

Der St. Galler Bauchef Willi Haag und der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler zeigten sich gestern in Lustenau zuversichtlich, dass die Erfahrung aus 120 Jahren Zusammenarbeit in der Rheinregulierung auch das Projekt «Zukunft Alpenrhein» zu einem guten Ende führen wird. Während feststeht, dass Vorarlberg von der österreichischen Hälfte der 600 Millionen Franken 15 Prozent tragen muss, ist der St. Galler Kostenanteil noch nicht fixiert. Bei den bisherigen Arbeiten am Rhein waren es 20 Prozent; Willi Haag hofft, dass sich der Bund an «Zukunft Alpenrhein» stärker beteiligt. (lü)

Die Überflutungen von 1888 setzten ganze Dörfer – im Bild Lustenau – unter Wasser. (Bild: Archiv IRR)

Die Überflutungen von 1888 setzten ganze Dörfer – im Bild Lustenau – unter Wasser. (Bild: Archiv IRR)