Teufen streitet um das Dorfzentrum

Das Teufner Stimmvolk muss darüber entscheiden, ob es rund 360 000 Franken für die Ausarbeitung eines Projekts ausgeben will. Die SVP findet das überflüssig – und fordert den Gemeinderat zu mehr Ehrlichkeit auf.

Bruno Eisenhut
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Unterirdisch oder auf zwei Spuren? Die künftige Linienführung der Appenzeller Bahnen in Teufen entzweit das Dorf. (Bild: Hanspeter Schiess)

Unterirdisch oder auf zwei Spuren? Die künftige Linienführung der Appenzeller Bahnen in Teufen entzweit das Dorf. (Bild: Hanspeter Schiess)

TEUFEN. «Die Vorlage bringt den Bürgerinnen und Bürgern von Teufen nichts. Deshalb sind wir dagegen.» So begründet Edgar Bischof, Präsident der Ausserrhoder SVP, Kantonsrat und Vorstandsmitglied der SVP Teufen, die Aktion der Ortssektion. Diese hat ein Flugblatt mit der Nein-Parole zur bevorstehenden kommunalen Abstimmungsvorlage in Teufens Haushalte verschicken lassen.

Am 9. Februar entscheidet das Teufner Stimmvolk über nichts Geringeres als die Zukunft des Dorfzentrums. Es hat die Frage zu beantworten, ob ein Projektierungskredit über 360 000 Franken freigegeben werden soll. Mit diesem Geld soll detailliert abgeklärt werden, ob die Appenzeller Bahn künftig in einer Tramdoppelspur oder unterirdisch in einem Tunnel durch das Dorf geführt wird. In einer weiteren Abstimmung hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im November 2014 über die beiden detailliert ausgearbeiteten Varianten zu entscheiden.

Im Vorfeld der Abstimmung liess der Gemeinderat verlauten, dass ein Nein zum Projektierungskredit automatisch die Realisierung der Doppelspur zur Folge hätte. Die Novemberabstimmung würde hinfällig.

Variante «Langer Tunnel»

Im Flugblatt bemängelt die SVP Teufen das Vorgehen der Gemeinde. «360 000 Franken für eine unvollständige Planung? Sicher nicht!», schreibt die Ortssektion. SVP-Kantonsrat Bischof stört sich daran, dass der Gemeinderat «nicht willens ist», alle möglichen Varianten zu prüfen. Er spricht eine dritte Möglichkeit der Gleisführung an – die Variante «Langer Tunnel». Sie war einst im Gespräch und würde von Riethüsli bis zum Bahnhof Teufen führen. «Es ist mir bewusst, dass dies die teuerste Lösung wäre», so Bischof. Um eine saubere Auslegeordnung zu präsentieren, wäre es aber zwingend nötig, dass auch die Variante «Langer Tunnel» Teil des Projektierungskredits wäre. Stattdessen agiere die Gemeinde mit mangelnder Ehrlichkeit.

«Betrag ist schlicht zu hoch»

Es sei offensichtlich, dass die Behörden einen grossen Teil der 360 000 Franken als «Projektausarbeitung» für die Planung der Dorfraumgestaltung einsetzten wollten, sagt Bischof. «Und dafür ist dieser Betrag schlicht und einfach zu hoch.» Als weiteren Kritikpunkt nennt Bischof das anfängliche Fehlen einer Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Doppelspur bis nach Niederteufen. «Eine solche wurde durch die Behörden auf unser Intervenieren hin aber doch noch in Aussicht gestellt.» An der Abstimmungsvorlage stört sich auch der Teufner SVP-Kantonsrat Christian Meng. Der Architekt betont, dass der Kredit für die Ausarbeitung der Details nicht nötig sei. «Sehr viele nötige Zahlen liegen schon jetzt vor, neue Erkenntnisse werden keine gefunden», so seine Argumentation.

Zudem sei es völlig klar, dass die Kosten für die kurze Tunnelvariante höher ausfallen würden als bisher vermutet. Letztlich bliebe ohnehin nur die Variante «Doppelspur», zeigt sich Meng überzeugt. Sein Fazit: Die Ausgaben für den Projektierungskredit sind überflüssig.

Variante zu früh ausgeschlossen

Meng bringt ein weiteres Argument ins Spiel: Dass die Variante «Langer Tunnel» frühzeitig und kategorisch ausgeschlossen werde, lasse regionale Weitsicht vermissen. «Die gesamte Tourismusregion Appenzellerland könnte von einer Stadtanbindung via Tunnel profitieren», so Meng.

Diskussion nicht beendet

Der Architekt ist überzeugt, dass darüber wieder diskutiert werden wird – wenn nicht jetzt, dann in einigen Jahrzehnten. Aus dieser Perspektive gesehen kann Meng auch mit einer Doppelspurlösung leben, wie er sagt. «Eine solche lässt spätere Diskussion zu einem langen Tunnel bis Riethüsli zu.»

Christian Meng SVP-Kantonsrat (AR) (Bild: pd)

Christian Meng SVP-Kantonsrat (AR) (Bild: pd)

Edgar Bischof Präsident SVP AR (Bild: Martina Basista)

Edgar Bischof Präsident SVP AR (Bild: Martina Basista)

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