Teufelsaustreiber: Bistum Chur sucht einen Exorzisten

In der vergangenen Woche ist im Bistum Chur der Bischofsvikar Christoph Casetti verstorben. Er war als Exorzist, als sogenannter Teufelsaustreiber, tätig. Seine Stelle ist nun offen. Doch wer kann Exorzist werden und was sind seine Aufgaben?

Géraldine Bohne
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Christoph Casetti war einer der bedeutendsten Schweizer Exorzisten.

Christoph Casetti war einer der bedeutendsten Schweizer Exorzisten.

Bild: PD

Sie vertreiben Dämonen und böse Geister aus Menschen und Häusern: Was so tönt wie die Handlung eines Horrorfilms, soll es in der Schweiz tatsächlich geben. Exorzisten heissen diese Teufelsaustreiber und ihre Tätigkeit ist zunehmend gefragt. In der vergangenen Woche ist jedoch einer der wichtigsten Schweizer Exorzisten, Christoph Casetti, im Bistum Chur verstorben. Seine Stelle steht nun offen. Doch wer will und darf ein solches Amt übernehmen?

«Der Exorzismus ist Teil der Priester-Ausbildung. Jeder Priester kann ein solches Amt annehmen, wenn er vom Ortsbischof dazu beauftragt wird», sagt Religionsexperte Georg O. Schmid gegenüber FM1Today. Ein Exorzist ist, laut der kirchlichen Auffassung, für die Befreiung von Dämonen und Geistern aus Menschen und Häusern zuständig. Er führt mit den Betroffenen Gebete oder gegebenenfalls auch spezielle Rituale durch. Die Praktik ist sehr umstritten: Ein Fall in Deutschland sorgte 1976 für Aufsehen. Die 23-jährige Anneliese Michel soll infolge «übermässiger Teufelsaustreibung» gestorben sein.

Nachfrage ist grösser als Angebot

Obschon es so tönt, als wären Praktiken zur Teufelsaustreibung nur im Mittelalter angewendet worden, soll es sie auch heute noch geben. In der Schweiz ist der Exorzismus gar zunehmend gefragt, bestätigt Schmid. «Vor allem Menschen aus anderen Ländern glauben oft an böse Geister, die einen Menschen einnehmen können.» Doch schweizweit gibt es nur sehr wenige Exorzisten. Die Nachfrage ist grösser als das Angebot. Gemäss dem Religionsexperten sollen es unter zehn sein. «Wenn es in einem Haus spukt, reichen Gebet und Segnung durch einen Priester.»

Grosser Exorzismus braucht Genehmigung

In einem Handbuch für Exorzisten sind die Befreiungsrituale festgelegt. Es gibt dabei verschiedene Arten der Dämonenvertreibung: Sie heissen kleiner und grosser Exorzismus. Beim kleinen Exorzismus soll das Böse alleine durch ein Gebet vertrieben werden können. Seltener aber wird der grosse Exorzismus angewendet. Das Befreiungsritual ist für die Priester streng festgelegt: Es besteht unter anderem aus der Besprengung mit Weihwasser, einem Gebet und dem Handauflegen.

«Der grosse Exorzismus wird nach einer Begutachtung eines Psychiater durchgeführt, wenn eine Person übernatürliche Phänomene zeigt und diese sich psychologisch nicht erklären lassen», sagt Georg O. Schmid. Zum Beispiel, wenn die Person eine Sprache spreche, welche sie nie gelernt habe oder übernatürliche körperliche Kräfte entwickle. «Für den grossen Exorzismus braucht es immer eine Genehmigung des Bischofs», erklärt Schmid.

Beim Ritual des grossen Exorzismus sei es, laut der Kirche, nicht abnormal, dass die Personen zu schreien beginnen. Szenen wie in einem Horrorfilm. Das Schreien solle aber nicht von der Person selbst kommen, sondern vom Dämon. Dieser würde alles abwehren, was heilig ist, lautet die Theorie. «Bei dem kleinen Exorzismus kann es vorkommen, dass eine Person brüllt, aber man beachtet das nicht», sagt der Religionsexperte.

Es steht alles noch offen

Doch wer wird nun in Zukunft für das Bistum Chur das Böse vertreiben? Das Bistum schreibt auf Anfrage von FM1Today, dass noch alles offen sei. Der neue Bischof werde Entscheidungen treffen. Vielleicht werde die Stelle in naher Zukunft generell neu verteilt. Mehr dazu sei nicht bekannt.

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