TESTESSEN IM VIDEO: Hui oder pfui? So schmeckt den St.Gallern die vegane Bratwurst

In St.Gallen eröffnet heute das Restaurant Tibits. Damit kommt auch die vegane Bratwurst in die Gallusstadt. Doch schmeckt das überhaupt? Wir haben die Wurst von Passanten testen lassen.

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Tagblatt Online hat ein Bratwurst-Testessen durchgeführt. (Bild: screenshot)

Tagblatt Online hat ein Bratwurst-Testessen durchgeführt. (Bild: screenshot)

Kalbfleisch, Schweinefleisch, Speck, Schwarte, Kalbskopf: Das sind die Zutaten, die in eine richtige St.Galler Bratwurst gehören. Dem Restaurant Tibits, das am Freitag am St.Galler Kornhausplatz eröffnet, ist das wurscht: Die vegetarische Restaurant-Kette hat für die hiesige Filiale eine rein pflanzliche Bratwurst entwickelt.



Das Video zeigt: Passanten in den St.Galler Gassen beurteilen die vegane Wurst unterschiedlich. Es besteht aber Einigkeit darüber, dass die Wurst - obwohl sie kein Fleisch enthalte - ziemlich bekömmlich sei. Wieso aber braucht es eine vegane Wurst? «Wir wollen damit St.Gallen als Bratwurst-Hochburg Respekt zollen», sagt Reto Frei, Mitgründer des Tibits. Die pflanzliche Wurst solle nicht etwa provozieren, sondern das reiche Angebot an Würsten erweitern. «Als wir vor 17 Jahren das Tibits gegründet haben, rümpften meine Freunde beim Gedanken an vegetarisches Essen die Nase», sagt Frei. Mittlerweile habe sich das Ernährungsbewusstsein in der Gesellschaft verändert. Frei ist sicher: St.Gallen ist reif für die vegane Wurst.

Bei der Sortenorganisation Bratwurst sieht man das ähnlich. Geschäftsführer Urs Bolliger - auf der Homepage als «Gralshüter der St.Galler Bratwurst» bezeichnet - hat gegen vegane Würste nichts einzuwenden. «Fleischloses Essen liegt im Trend», sagt Bolliger. Für die klassische St.Galler Wurst sei das aus Tofu, Seitan und Gewürzen gepresste vegane Grillgut aber keine direkte Konkurrenz. «Wurstliebhaber werden kaum auf die pflanzliche Variante umsteigen», so Bolliger. Dass nun auch Veganer in den Genuss einer Bratwurst kämen, sei eine gute Sache. Bolliger kann sich sogar vorstellen, die vegane Wurst in eine Degustation bei der Sortenorganisation St.Galler Bratwurst einzubinden.

Noch fehlt der Wurst der Name

Die fleischlose Wurst sei nur dann problematisch, wenn sie das Tibits «St.Galler Wurst» nennen würde, sagt Bolliger. «Dann müsste der Kantonschemiker einschreiten. Denn die St.Galler Bratwurst ist im Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen eingetragen.» Welche Zutaten in den Schweinedarm gestopft werden dürfen, ist klar geregelt. Wie das Kind heissen soll, ist noch offen. «Wir sind noch auf der Suche nach einem geeigneten Namen für die Wurst», sagt Reto Frei vom Tibits. Es würden Vorschläge besprochen, die im Rahmen eines Wettbewerbs eingegangen sind. «Gallus-Knacker» steht als Wurstname hoch im Kurs, verrät Frei.
 

Vorerst nur im Teller mit Zwiebelsauce

Wieso essen wir überhaupt vegetarische Gerichte in Fleischform? Für Reto Frei ist dies schlicht eine Folge unserer rigiden Essgewohnheiten. «Wir ändern unsere Ernährung meistens nur, wenn wir müssen. Wenn es der Arzt zum Beispiel empfiehlt oder die Freundin darauf besteht.» Esse man einen vegetarischen Braten, verzichte man auf Fleisch, nicht aber auf die Kombination Braten mit Nudeln und Röstgemüse. «Unser Konzept ist es aber nicht, Fleisch zu imitieren», sagt Frei. Die vegane Bratwurst sei eine Ausnahme, eigens für die Gallusstadt kreiert.

Die Wurst gibt es im St.Galler Tibits derzeit nur auf dem Teller, mit Rösti und Zwiebelsauce. «Sollte die Nachfrage da sein, überlegen wir uns, auch einen Wurststand einzurichten», sagt Reto Frei. Dann könnte man die Wurst auch mit Bürli geniessen. Ohne Senf. Und ohne Fleisch. (al)