Telefonbetrüger am Werk

Bei der Kantonspolizei St. Gallen wurden seit gestern vermehrt betrügerische Anrufe gemeldet. Ähnliche Fälle gab es auch in anderen Kantonen.

Julia Barandun
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Die unbekannten Anrufer geben sich als Mitarbeiter des «Amtes für Statistik» aus und stellen Fragen bezüglich des Alters und der Anzahl Bewohner in einem Haus. Die Befragten werden unter Druck gesetzt: Die Anrufer behaupten, dass nicht auf einen schriftlichen Fragebogen reagiert worden, die Befragung aber obligatorisch sei. In den Kantonen Thurgau, Schaffhausen und Aargau wurden in den vergangenen Tagen ähnliche Fälle gemeldet.

Einfach auflegen

Thomas Oegerli, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen, betont, dass die Fachstelle keine Telefonbefragungen durchführe. Bei einer seriösen Befragung würden die Telefonnummer nicht unterdrückt und die Befragten nicht unter Druck gesetzt.

Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, rät, bei einem solchen Anruf nichts bekanntzugeben und gleich aufzulegen. Kein seriöses Unternehmen verlange persönliche Angaben am Telefon. Es sei wichtig, Zeit, Datum und Telefonnummer des Anrufs zu notieren, hält Rezzoli fest. Folgen weitere Anrufe, können diese Angaben zur nächsten Polizeistation gebracht werden.

Im Internet finde man Informationen zu dubiosen Nummern, über die Telefongesellschaft kann man die Nummer auch sperren lassen. Die Ermittlungen in solchen Fällen seien sehr schwierig, sagt Rezzoli, weil die Anrufer oft die neuesten Technologien nutzen. Da Verschlüsselungssoftware benutzt werde, sei es fast unmöglich herauszufinden, in welchem Land der Server stehe. Zum aktuellen Fall sind keine Hintergründe bekannt.

Eine organisierte Gruppe

Rezzoli geht davon aus, dass eine organisierte Gruppe dahintersteht: «Es wurden so viele Anrufe getätigt, dass eine Person sie nicht alle allein gemacht haben kann.» Über den Zweck solcher Anrufe kann Rezzoli nur Mutmassungen anstellen. Er könne sich vorstellen, dass mit Informationen zu Alter und Anzahl im Haushalt lebender Personen Rückschlüsse darauf gezogen werden, ob Wertgegenstände vorhanden seien.