Team des St.Galler Tagblatts erhält Ostschweizer Medienpreis für Recherche zu HSG-Skandalen

Ein Team des St.Galler Tagblatts hat den Ostschweizer Medienpreis für die Recherchen zur Universität St.Gallen erhalten. Über Monate hatten die Journalistinnen und Journalisten über Verfehlungen an der HSG berichtet. 

Katharina Brenner
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Ausgezeichnete Journalistinnen und Journalisten des St.Galler Tagblatts: Roman Hertler, Marcel Elsener, Michael Genova, Regula Weik, Odilia Hiller und Andri Rostetter (von links).

Ausgezeichnete Journalistinnen und Journalisten des St.Galler Tagblatts: Roman Hertler, Marcel Elsener, Michael Genova, Regula Weik, Odilia Hiller und Andri Rostetter (von links).

Bild: Lisa Jenny

Ein Team dieser Zeitung hat den Ostschweizer Medienpreis gewonnen, der am Mittwochabend im St.Galler Pfalzkeller verliehen wurde. Marcel Elsener, Michael Genova, Roman Hertler, Odilia Hiller, Andri Rostetter und Regula Weik erhielten den Preis für ihre Recherchen zur Universität St.Gallen. Im Fokus standen dabei der Spesenskandal und mit ihm die Thematik der Nebenämter, die gestifteten Lehrstühle und die Unabhängigkeit der Lehre.

Jurypräsidentin Sabine Bianchi nannte die Teamarbeit «einen Krimi, der sich gelesen habe wie aus einer Hand, eine grossartige Leistung von Nervensägen.» Das müssten Journalisten und Journalistinnen sein: richtige Nervensägen. Das «Tagblatt»-Team sei hartnäckig drangeblieben mit sauberen Recherchen, konsequent, kritisch und zeitnah. Die Berichterstattung habe nicht nur eine hohe Relevanz, sondern auch Konsequenzen: Es gibt ein neues Reglement für die Nebentätigkeiten der Dozenten, eine Gesetzesrevision der Regierung beantragt mehr Transparenz beim Sponsoring, und der Rektor muss künftig gänzlich auf Nebenämter verzichten.

Der Ostschweizer Medienpreis ist mit 10'000 Franken dotiert. Eine erste Jury hatte die Teamleistung aus gut 50 eingereichten Arbeiten aus dem Jahr 2018 ausgewählt. Insgesamt waren vier Arbeiten nominiert. Jörg Krummenacher, NZZ, für seine Berichterstattung zum Fall Hefenhofen. Drei Tage vor dem Urteil hatte er die akribische Auswertung des komplexesten und umfassendsten Tierschutzfalls der Schweiz in drei Teilen veröffentlicht. Simon Lechmann, «Südostschweiz», war für seine Berichterstattung über das Flugzeugunglück «Tante Ju» nominiert. Er hatte dafür eine neue Erzählform für online gewählt: ein Audioformat, unterlegt mit Drohnenaufnahmen. Jean François Tanda, «SRF Eco», war für seine Recherchen zur undurchsichtigen Vermögenssituation des Bündner Investors Remo Stoffel nominiert.

Radio- und Fernsehpreis geht an Urs Fitze

Zusammen mit dem Ostschweizer Medienpreis wurde am Mittwochabend auch der Radio- und Fernsehpreis der Ostschweiz verliehen. Preisträger ist Urs Fitze, Leiter Fiktion von Radio und Fernsehen SRF.

Der Bischofszeller arbeitet seit 1989 in unterschiedlichen Funktionen bei SRF: als Redaktor, Regisseur, Produzent, Programmentwickler und seit 2012 als Leiter des Bereichs Fiktion. Fitze hat viele erfolgreiche Programme ermöglicht und mitentwickelt: als Regisseur Sendungen wie «Viktors Spätprogramm», als Programmentwickler Formate wie «Die grössten Schweizer Hits» oder die Reihe «SRF bi de Lüt». Im Bereich Fiktion entwickelte SRF unter seiner Leitung die Krimiserie «Der Bestatter», Fernsehfilme wie «Akte Grüninger» sowie Serien wie «Seitentriebe» und «Wilder».

Hildegard Jutz, Präsidentin der Programmkommission SRG Ostschweiz, würdigte in ihrer Laudatio Fitzes Leidenschaft fürs Erzählen. Bei der Auswahl des Stoffes sehe er sich als Anwalt des Publikums. Fitze sagte in seiner Dankesrede, er sehe den Preis als Anerkennung für die, die hinter der Kamera stehen.

Trotz gemeinsamer Preisverleihung handelt es sich um zwei unabhängige Preise. Vergangenes Jahr wurden sie erstmals gemeinsam verliehen. Die bisherigen Kategorien des Ostschweizer Medienpreises wurden abgeschafft und der Preis dafür deutlich aufgewertet.

Die St.Galler Regierungsratspräsidentin Heidi Hanselmann und Bernard Maissen, Vizedirektor Bundesamt für Kommunikation, gingen in ihren Ansprachen beide auf die schwierige ökonomische Situation des Journalismus ein und betonten die Bedeutung von Qualitätsjournalismus und die Aufgaben des Journalismus: beobachten, selektieren, entscheiden, etwas in den Fokus stellen und dafür Verantwortung tragen. Mediale Aufklärung sei ein Grundnahrungsmittel für eine moderne Gesellschaft, sagte Hanselmann.

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