TAUGLICH ODER NICHT: Wehrbereite Innerrhoder

Appenzell Innerhoden weist das zweite Jahr in Folge die höchste Tauglichkeitsquote im Land aus. Auch die weiteren Ostschweizer Kantone fallen nicht ab. Der Schweizer Armee nützen hohe Quoten alleine aber noch nichts.

Sebastian Keller
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Soldaten einer Rekrutenschule auf dem Schiessplatz Paschga beim Waffenplatz Walenstadt (Bild: Urs Jaudas)

Soldaten einer Rekrutenschule auf dem Schiessplatz Paschga beim Waffenplatz Walenstadt (Bild: Urs Jaudas)

Sebastian Keller

sebastian.keller@ostschweiz-am-sonntag.ch

Verteidigungsminister Guy Parmelin dürfte Freude an Appenzell Innerrhoden haben. Der Anteil militärdiensttauglicher Personen ist in diesem Kanton besonders hoch. In den vergangenen zwei Jahren war die Quote sogar die höchste im ganzen Land. 2016 lag der Wert bei fast 82 Prozent, der Schweizer Schnitt bei etwas über 66 Prozent. Deswegen tragen die Innerrhoder die Nase aber ni cht höher. «Ich sage jeweils meinen Kameraden der anderen Kantone, dass wir uns deswegen nichts einbilden», sagt Franz Büsser, Kreiskommandant und Sekretär des Justiz-, Polizei- und Militärdepartements. Den Grund für die hohe Tauglichkeitsquote ortet er darin, dass es in Innerrhoden kein urbanes Gebiet gibt, Stellungspflichtige in ländlichen Gebieten seien wohl «physisch wie psychisch robuster». Als weiteren Erklärungsansatz nennt er, dass «wir unsere Stellungspflichtigen kennen». Büsser verhehlt zudem nicht, dass pro Jahr nur 100 Stellungspflichtige aus Innerrhoden zur Rekrutierung antreten – aus dem bevölkerungsreichsten Kanton Zürich sind es im Jahr über 6000.

Freude im Thurgau über die hohe Quote

Appenzell Ausserrhoden weist für das vergangene Jahr eine Quote von 71,9 Prozent aus. Die Quote des Kantons St.Gallen liegt bei 66 Prozent – also im Schweizer Durchschnitt. Jörg Köhler, Leiter des Amtes für Militär und Zivilschutz, sagt: «Dies ist für uns weder ein Zeichen für Besorgnis noch für Euphorie.» Die Thurgauer Quote im Jahr 2016 lag bei 72 Prozent. «Wir freuen uns über diesen hohen Wert. Denn es geht darum, die Armee mit Personal zu versorgen», sagt Hans Peter Schmid, Leiter des Thurgauer Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee.

Wenn Taugliche nicht antreten

In der Statistik, welche die Schweizer Armee diese Woche veröffentlicht hat, gibt es drei Kategorien: militärdiensttauglich, schutzdiensttauglich und untauglich. Die Armee ist daran interessiert, dass sich möglichst viele in der ersten Kategorie einreihen – und auch Kampfstiefel anziehen und die Wehrpflicht in der Armee erfüllen. Denn: Wer militärdiensttauglich ist, kann auch zivilen Ersatzdienst leisten. Etwa in einem Pflegeheim oder an einer Schule. Die Gewissensprüfung wurde 2009 abgeschafft. Um ihre Aufträge zu erfüllen, benötigt die Armee pro Jahr 18'000 Personen, welche die Rekrutenschule beenden, sagt Armeesprecherin Delphine Allemand. Doch immer mehr entscheiden sich gegen den Tarnanzug. «Nach unseren Informationen ist die relativ hohe Zahl von Ausreissern in den Zivildienst tatsächlich besorgniserregend im Hinblick auf die Alimentierung der Bestände der Armee», sagt Köhler. «Auch wir stellen fest, dass vermehrt Militärdiensttaugliche zivilen Ersatzdienst leisten», sagt Schmid. «Der Weg dahin ist leider sehr einfach.»

Die Armee hat Massnahmen eingeleitet, um die Tauglichkeitsquoten zu steigern. In Zukunft sollen auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen für die Landesverteidigung ausgebildet werden können. Wie die Armeesprecherin sagt, wurde das Anforderungsprofil angepasst. Ab dem 1. Januar 2018 können Rekruten mit Einschränkungen, die beispielsweise die Marsch-, Hebe- oder Tragfähigkeit betreffen, normalen Dienst bei der Truppe leisten.