Taucherin verunglückt
«Ich bin mit allen aus der Besatzung in täglichem Kontakt»: Das sagt der Chef der Schifffahrtsgesellschaft zum Tauchunglück in Diessenhofen

Die Ermittlungen zum tödlichen Tauchunfall vom Ostersonntag laufen auf Hochtouren. Die Besatzung des Kursschiffs verarbeitet das Unglück. Die Tauchaktion war wohl unbewilligt.

Alain Rutishauser
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Auf Höhe der Rheinbrücke in Diessenhofen wurde der leblose Körper der Taucherin geborgen.

Auf Höhe der Rheinbrücke in Diessenhofen wurde der leblose Körper der Taucherin geborgen.

Bild: Coralie Wenger

Sonntagvormittag, Kurs auf Diessenhofen: «Wir waren mit dem Kursschiff von Schaffhausen nach Stein am Rhein unterwegs», sagt Remo Rey, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Als das Schiff kurz nach 10:20 Uhr bei Diessenhofen anlegen will, sieht die Besatzung einen Taucher aus dem Wasser steigen. «Da wir von keinem Tauchgang Kenntnis hatten, haben wir sogleich die Seepolizei informiert, so wie es vorgeschrieben ist», berichtet Rey. Fast zeitgleich, um 10:28 Uhr, geht bei der Kantonspolizei Thurgau ein Notruf ein: Eine 29-jährige Taucherin wird im Rhein auf Höhe Diessenhofen vermisst. An derselben Stelle, wo kurz davor das Schiff durchgefahren ist.

Alkoholtest in Berlingen, Verhör in Kreuzlingen

Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau.

Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau.

Bild: PD

Jegliche Einsatzkräfte werden sofort aufgeboten, eine intensive Suchaktion nach der Vermissten geht los. Laut Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, haben die Seepolizei, die Rheinrettung der Feuerwehr Diessenhofen, die Wasserpolizei Schaffhausen sowie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft bei der Suche nach der vermissten Person mitgeholfen.

«Insgesamt sind rund zehn Boote, ein Helikopter und auch bodengebundenes Personal im Einsatz gestanden.»

In einem Fliessgewässer sei die Suche zusätzlich schwierig, da der Körper weggetrieben werden könne. «Deshalb war ein Helikopter im Einsatz, der die Möglichkeit hat, aus der Luft zu suchen», erklärt Graf.

Geschäftsleiter Remo Rey der Schifffahrtsgesellschaft URh.

Geschäftsleiter Remo Rey der Schifffahrtsgesellschaft URh.

Bild: Donato Caspari

Kurz nach 11:15, nur 45 Minuten nach Eingang des Notrufs, wird der leblose Körper der Taucherin vor der Rheinbrücke aufgefunden. Anschliessend gehen die Ermittlungen los. Rey:

«Der Kapitän musste sich in Berlingen einem Alkoholtest unterziehen, das ist üblich so. In Kreuzlingen wurde er dann von der Kantonspolizei verhört.»

In der Zwischenzeit wird ein Ersatzkapitän aufgeboten, der das Kursschiff zurück nach Schaffhausen bringt. Und wie geht es der Besatzung nach diesem traumatischen Ereignis? «Ich bin mit allen aus der Mannschaft in täglichem Kontakt. Es geht zum Glück allen gut», versichert Rey.

Peter Vogelsanger, erfahrener Taucher und Pfarrer der Kirchgemeinde Herblingen, schätzt das Unglück vom Ostersonntag für die «Schaffhauser Nachrichten» ein: «Für so einen Tauchgang muss man sehr viel Erfahrung mitbringen.» Tauchen sei eine körperlich wie auch mental sehr anspruchsvolle Tätigkeit. «Man muss mit Gefahren und Eigenheiten jedes Gewässers vertraut sein», erklärt Vogelsanger. Und man müsse wissen, wie man die Fahrwasser am schnellsten verlassen kann. Vogelsanger:

«Ansonsten kann man sich nur am Grund festkrallen und Luft ablassen, damit man sicher unten bleibt, wenn das Schiff oben durchfährt.»

Tauchen an dieser Stelle ist ohne Bewilligung verboten

Viele Fragen bleiben derzeit offen: Wie genau passierte das Unglück? Steht der Taucher, den die Besatzung des Kursschiffes beobachtet hat mit der verunglückten Taucherin im Zusammenhang? Die Ermittlungen der Kantonspolizei Thurgau und der Staatsanwaltschaft Thurgau laufen auf Hochtouren. Es werden nun mehrere Gespräche geführt, die Ermittlungen werden voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Staatsanwaltschaft gibt derzeit keine Auskünfte, mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen.

Die Taucherin ist in der sogenannten Fahrrinne getaucht, dem weitaus tieferen Teil des Flusses. Dieser wird so genannt, weil er ausgehoben wurde, sodass Schiffe problemlos passieren können. Das Tauchen ist dort gemäss Artikel 11.04 der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung des Bundesrechts verboten:

«Das Baden und Tauchen ist im Umkreis von 100 Meter um die Einfahrten von Häfen, die von Fahrgastschiffen benutzt werden, und die Landestellen der Fahrgastschifffahrt ausserhalb öffentlicher Badeplätze verboten. Dies gilt auch für andere Hafeneinfahrten, wenn dadurch die Schifffahrt behindert wird.»

In Ausnahmefällen können Tauchvereinen Bewilligungen erteilt werden. Graf: «Ob zu diesem Zeitpunkt an der besagten Örtlichkeit getaucht werden durfte, muss derzeit abgeklärt werden.» Unter Einbezug der Tatsache, das zu dieser Zeit das Kursschiff auf dieser Route unterwegs war, ist dies fraglich.