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Taubstummenhosen gehören verboten

Silvan Lüchinger

Jugendliche neigen dazu, modischen Trends aufzusitzen. Der Kanton St. Gallen will deshalb richtigerweise Bekleidungsvorschriften für die Schule erlassen. Der Schulbesuch in Vollverschleierung, wie er auch auf dem Land üblich geworden ist, wird dann nicht mehr möglich sein. Damit darf es aber nicht getan sein. Verboten gehören auch die Taubstummenhosen. Jene hautengen Schläuche, unter denen sich die Genitalien der Schülerinnen abzeichnen. Angesichts der Unterdeckung ihrer Pensionskasse dürfen die Lehrer nicht gezwungen werden, Schülerinnen die Antworten von den Lippen abzulesen.

Heute wählt im Kanton St. Gallen die Regierung den Erziehungsrat. Diese Kompetenz beansprucht nun der Kantonsrat für sich. Damit aber niemand meint, die Hauptarbeit des Erziehungsrates gelte dem Parlament selber, wird er neu Bildungsrat heissen. Es scheint eine Frage der Zeit, bis der Kantonsrat auch die Regierung selber wählt. Nur so hat er Gewähr, dass missliebige Magistraten rasch ausgewechselt werden. Das schont auch die Staatskasse. Je kürzer die Amtszeiten, desto weniger kosten die Renten von alt Regierungsräten.

Der Kampf gegen das Lädelisterben ist verloren. Auch im Kampf gegen das Beizensterben gibt es keine grosse Hoffnung mehr. Kaum eine Woche, in der nicht irgendwo ein Wirt zu- und nicht mehr aufmacht. Doch jetzt werfen sich, quasi als Landsturm, die Kirchgemeinden in die Schlacht. Jene von Evangelisch-Rorschach will ein Kirchencafé bauen. Abgeneigt sind die Kirchbürger offensichtlich nicht. Geld für eine Studie haben sie jedenfalls bewilligt. Skeptiker warnen allerdings, das Vorhaben sei nicht sauber zu Ende gedacht. Ist das Kirchencafé einmal in Betrieb, wird es rasch heissen: «Herr, sie haben keinen Wein mehr.»

Die Jungsozialisten wälzen gern und immer mal wieder Pläne ohne Aussicht auf Erfolg. Bis vor wenigen Tagen sollte es eine kantonale Initiative für das Ausländerstimmrecht sein. Nach einer lebhaften Diskussion, wie es heisst, wurde die Idee fallen gelassen. Neu konzentriert sich die St. Galler Juso auf ein langfristiges Projekt zur kantonalen Sparpolitik. Die Sache lässt sich gut an. Der Verzicht auf die Initiative ist schon mal ein erster Sparerfolg.

Die Innerrhoder Landsgemeinde entscheidetüber ein neues Hallenbad. Albert Räss will keinen 08/15-Bau, sondern einen Stararchitekten verpflichten. Falls Mario Botta nicht mag, könnte man sich ja an der Hamburger Elbphilharmonie orientieren. Was die Norddeutschen vermögen, stemmen die Appenzeller auch. Und Sitterdisharmonie wäre doch ein toller Name.

Hundert Hooligans prügeln sich auf offenem Feld. Muss der Staat da eingreifen? Nein, muss er nicht. So lange sie sich gegenseitig verklopfen und keine Dritten gefährden, soll er im Gegenteil die Rahmenbedingungen verbessern. Schade darum, dass die St. Galler Gaskugeln abgebrochen werden. Besser wäre, man würde sie den Prüglern zur Verfügung stellen. Da drin könnten sie ihre Scheinschlägereien austragen. Von aussen wäre nichts zu hören, wenn sie sich auf den Ranzen geben. Bei Bedarf ist der Notfall im Kantonsspital zu Fuss erreichbar. Für leichtere Fälle müsste unten an den Kugeln lediglich ein kleiner Blutablass offen bleiben. Das Angebot stiesse mit Sicherheit auf offene Ohren. Die Gasspeicher sind Hohlkugeln – und damit in Form und Inhalt recht nahe dran an Hooligan-Köpfen.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch

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