TARIFSTREIT: «Wir werden auf keinen Fall verkaufen»

Das feindliche Übernahmeangebot der Toggenburg Bergbahnen an die Adresse der Bergbahnen Wildhaus ist ein weiteres Kapitel in einem langjährigen Streit. Mit der Ortsgemeinde Grabs schaltet sich nun ein gewichtiger Player in die Debatte ein.

Sabine Schmid/Thomas Schwizer
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Der Schriftzug auf der Talstation der Sesselbahn in Wildhaus ist ein Überbleibsel aus früheren Jahren, wo die Bergbahnen im Obertoggenburg eine gemeinsame Strategie verfolgt haben. (Bild: Sabine Schmid)

Der Schriftzug auf der Talstation der Sesselbahn in Wildhaus ist ein Überbleibsel aus früheren Jahren, wo die Bergbahnen im Obertoggenburg eine gemeinsame Strategie verfolgt haben. (Bild: Sabine Schmid)

Hohe Wellen im Obertoggenburg: Die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB) will Aktien der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) erwerben, wie sie per Inserat ankündigte. Und das zu einem Spottpreis: 25 Franken bietet die TBB pro BBW-Aktie, die in den letzten 360 Tagen auf der Plattform OTC-X zwischen 160 und 200 Franken wert war. Bei der BBW zeigt man sich überrascht über das feindliche Übernahmeangebot. Seitens der TBB hält man sich bedeckt. Es gehe um die Rettung des gemeinsamen Skitickets, ist dem TBB-Inserat zu entnehmen (Ostschweiz am Sonntag vom 4. Juni). Es ist nur ein weiteres Kapitel in einem langjährigen Streit um Einfluss im Tourismusgeschäft in den Churfirsten.

TBB-Angebot ist «total neben den Schuhen»

Die Ortsgemeinde Grabs mit 435 Aktien und die Politische Gemeinde Grabs sind Aktionäre der BBW. «Wir werden auf keinen Fall auf das Angebot zum Aktienverkauf eingehen»: Das stellen Hans Sturzenegger, Präsident der Ortsgemeinde Grabs und Verwaltungsrat der BBW, und der Grabser Gemeindepräsident Niklaus Lippuner auf Anfrage unmissverständlich klar. Sturzenegger ist überzeugt, dass das Ziel der TBB, die Aktienmehrheit bei der BBW zu erreichen, «schlicht utopisch» und «total neben den Schuhen». Sturzenegger spricht damit neben dem feindlichen Übernahmeangebot auch den gebotenen Preis pro Aktie an. «Mich stört das Angebot extrem und es ist für mich nicht nachvollziehbar, was die Toggenburg Bergbahnen AG damit erreichen will», sagt er. Das sage er explizit als Ortsgemeindepräsident nicht als Verwaltungsrat.

Die Ortsgemeinde Grabs ist die grösste Grundeigentümerin für die Pisten und Bahnanlagen der BBW – und damit massgeblich mit Durchleitungs- und Nutzungsrechten involviert. Zudem ist sie auch Grundeigentümerin eines kleinen Teils der Pisten der TBB – der allerdings eine Verbindung der beiden Skigebiete Wildhaus sowie Unterwasser-Alt St. Johann erst ermöglicht.
Vor wenigen Jahren waren neue Verhandlungen über den Vertrag der Ortsgemeinde Grabs mit den Bergbahnen Wildhaus angesagt, bei denen man sich einig wurde. Seit vielen Jahrzehnten schon können die Einwohner von Grabs mit dem Nutzungsvertrag vergünstigte Billette der BBW beziehen. Das war auch Bestandteil der besagten Verhandlungen. In deren Verlauf haben die Toggenburg Bergbahnen verlangt, dass der Vertrag zwischen den BBW und der Ortsgemeinde Grabs deckungsgleich auch für die TBB gelten müsse – und so können die Grabser nun auch deren Anlagen im «Einheimischen-Tarif» nutzen. Allerdings hätten nicht alle Grabser Freude an dieser Erweiterung gehabt. Das sagte Hans Sturzenegger als Präsident der Ortsgemeinde Grabs gestern auf Anfrage – denn die Erweiterung brachte für sie eine Anpassung der Billettkosten. In dieser Phase hat also TBB-Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger noch massgebend auf ein regional gültiges Billett gepocht.

Doch offenbar passte die unterschiedliche Strategie der beiden Bahnunternehmen den TBB nicht. Bei der Mediation 2015 spielte dann laut Hans Sturzenegger die Ortsgemeinde Grabs als Grundbesitzerin eine wichtige Rolle. Es kam zwar schliesslich kein Sommertarifverbund mehr zustande. Für den Winter dagegen wurde eine vierjährige Verpflichtung für die Weiterführung des gemeinsamen Tarifverbundes beschlossen, bis und mit der Wintersaison 2018/2019. Hans Sturzenegger macht keinen Hehl daraus, dass hier die Ortsgemeinde Grabs als Grundbesitzerin erfolgreich starken Druck für eine mehrjährige Laufzeit ausgeübt habe.

Inzwischen hat die TBB hohe Investitionen getätigt, insbesondere in das neue Gipfelrestaurant Chäserrugg und eine neue Gondelbahn. Zudem haben sie das Projekt einer neuen Talstation in Unterwasser lanciert, das aber offenbar noch nicht reif für die Realisierung ist. Die BBW ihrerseits hat das Projekt Wildhaus 2.0 lanciert, mit dem sie ihre Bahnanlagen massgebend erneuern will. Zu diesem Zweck haben sie Reserven gebildet, und seit einiger Zeit läuft zu dessen Mitfinanzierung eine Aktienzeichnung.

Nicht nur negativ sieht das Vorpreschen der Toggenburg Bergbahnen Hotelier Roland Stump vom Wildhauser Oberdorf. Er ist Aktionär beider regionalen Bahnunternehmen und Vorstandsmitglied bei Toggenburg Tourismus. Er bezeichnet es als grundsätzlich positiv, dass offensichtlich doch einmal eine Initiative ergriffen wird, die beiden Bahnen zusammenzuführen, sagt er auf Anfrage. Allerdings erscheine das Angebot per se im Verhältnis zum Steuerwert der Bergbahnen Wildhaus AG deren Substanz nicht gerecht zu sein. Stump, äussert den Wunsch, «dass dieses Aktienkauf-Angebot nicht zu noch mehr Trennung führt, sondern als Initialzündung für ernsthafte Gespräche dient, die beiden Unternehmen zusammenzuführen».