Tanne in die Tonne: Doch mancher Ostschweizer Christbaum erhält ein zweites Leben

Jedes Jahr versprühen mehr als eine halbe Million Christbäume festliche Stimmung in unseren Stuben. Kaum ist die Weihnachtszeit vorbei, haben sie ausgedient, sie werden abgeschmückt und entsorgt. Doch nicht jeder Ostschweizer Tannenbaum landet in der Grünabfuhr.  

Stephanie Martina
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Weihnachten ist längt vorüber. Doch in der Stube steht noch immer der bunt geschmückte Christbaum – und nadelt vor sich hin. In diesen Tagen dürfte es wohl auch den letzten Bäumchen an den Kragen gehen. Viele von ihnen landen ohne Umweg in der Grünabfuhr. Aber nicht alle. In Appenzell werden einige von ihnen bis am 31. März aufbewahrt, bis zum Funkensonntag. Seit jeher sammeln nämlich die Mitglieder des Funkenvereins Ried am Vortag im ganzen Dorf die dürren Christbäume ein, um damit das Holzgerüst, das als Halterung dient, zu füllen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Appenzeller brauchen sich nicht um die Entsorgung ihres Christbaums zu kümmern und der Funken brennt lichterloh.

Dutzende Christbäume sorgen dafür, dass der Funken gut brennt. (Bild: appenzell.ch)

Dutzende Christbäume sorgen dafür, dass der Funken gut brennt. (Bild: appenzell.ch)

Vom Christbaum zum Chüehli

Appenzeller, die ihren Christbaum nicht bis im März lagern möchten, können ihn am kommenden Wochenende kreativ verwerten: an der jährlichen «Beechüe-Schnetze». Das Schnitzen von kleinen Holzkühen geht auf eine alte Tradition zurück: Schon vor vielen Jahren schnitzten im Appenzellerland die Väter mit ihren Kindern nach dem Dreikönigstag aus dem Christbaum ein Spielzeug und nannten es «Beechüe». Weihnacht für Weihnacht wurde die Holz-Kuh-Herde grösser und da jede Kuh anders aussah, konnten sie leicht voneinander unterschieden werden. «Auch in der heutigen Zeit möchten wir das traditionelle Schnitzen weiterführen und den Brauch aufrecht erhalten», sagt Maria Hehli, Gästeberaterin bei Appenzellerland Tourismus. Am 12. Januar ab 9 Uhr können Interessierte ihren Christbaum – oder einen Teil davon – mitbringen und unter den Rathausbögen ihr Chüehli schnitzen. 

Vom Christbaum zum Spielzeug: Jede «Beechue» sieht anders aus. (Bild: appenzell.ch)

Vom Christbaum zum Spielzeug: Jede «Beechue» sieht anders aus. (Bild: appenzell.ch)

Christbaum-Weitwurf und Schulungsobjekt

Auch in anderen Schweizer Gemeinden werden die dürren Christbäume einem kreativen oder gar präventiven Zweck zugeführt. Im aargauischen Niederwil veranstaltet der Feuerwehr-Club jeweils am Dreikönigstag einen Wettbewerb im Weihnachtsbaum-Weitwurf. Nach dem Wettkampf werden einige Bäume sogar noch angezündet. Auf diese Weise möchten die Feuerwehrleute der Bevölkerung demonstrieren, wie schnell ein Christbaum in Brand geraten kann.

Festschmaus für die Tiere im Walter-Zoo

Im Walter-Zoo oberhalb Gossau dürfen sich viele Tiere zu dieser Jahreszeit über einen besonderen Leckerbissen freuen. «Vor allem für unsere Kamele, Zebras, Lamas und Geissen sind die Christbäume ein Genuss», sagt Alessia Hägi vom Walter-Zoo. Doch auch in den Raubtier-Gehegen stellen die Tierpfleger Tannenbäume auf. Einerseits als Dekoration, andererseits als Beschäftigung für die Tiger und Löwen. 

Allerdings handelt es sich bei diesen Bäumen nicht um solche, die zuvor mit Lametta geschmückt in einer Stube standen. Hägi begründet:

«Wachsresten und hängengebliebene Christbaumkugeln sind zu gefährlich für unsere Tiere. Daher verwenden wir Bäume, die nicht verkauft werden konnten.»

Zerkleinern und an die Strasse stellen

Auch wenn einigen Christbäumen eine Gnadenfrist gewährt wird – für die grosse Mehrheit von ihnen heisst es nach den Feiertagen Lichter löschen. In den meisten Ostschweizer Gemeinden erfüllen die ausgedienten Christbäume nämlich keinen weiteren Zweck, sondern landen am Strassenrand.

Vielerorts gestaltet sich die Entsorgung der Christbäume einfach: In der Stadt St.Gallen, zum Beispiel, sammelt die Kehrichtabfuhr sie kostenlos auf ihren üblichen Touren ein und bringt sie ins Kehrichtheizkraftwerk. Damit die Bäume ins Kehrichtauto passen, dürfen sie oder einzelne Baumteile nicht länger als zwei Meter sein.

In Frauenfeld nimmt im Januar die Grünabfuhr die Christbäume mit und in manchen Gemeinden, etwa im thurgauischen Müllheim und in der St.Galler Gemeinde Gaiserwald, gibt es in diesen Tagen spezielle Abfuhrtermine für Christbäume.