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TAG DER FRAU: Die politische Spitze im Kanton St.Gallen ist männlich

Amtsleiterinnen in der kantonalen Verwaltung sind rar. Wer aufsteigt oder oben einsteigt, ist männlich. Die St.Galler Regierung strebt 40 Prozent Frauen in Kaderfunktionen an – aktuell ist ihr Anteil halb so gross.
Regula Weik

502'552 – so viele Einwohnerinnen und Einwohner zählt der Kanton St.Gallen. 50 Prozent davon sind Frauen. An höchster politischer Stelle sind sie klar untervertreten: Regierungsrätin Heidi Hanselmann ist die einzige Frau im Siebnergremium. Es waren auch schon mal drei Regierungsrätinnen. Mehrheitlich von Frauenhand regiert war der Kanton St.Gallen freilich noch nie – anders als aktuell der Thurgau. «Die Regierungsarbeit hatte mit drei Frauen eine andere Färbung», sagt Heidi Hanselmann und fügt sogleich an: Dies sei keine Wertung der Qualität der Arbeit und der Stimmung in der Regierung. Dennoch sei es spürbar: «Wenn Frauen in der Minderheit sind oder sogar nur eine Frau im Gremium sitzt, ist das Geschlecht – wenn auch nur subtil – immer ein Thema.» Das gelte übrigens auch, wenn Männer in der Minderheit seien. «Sobald das Verhältnis von Mann und Frau ausgeglichen ist, wird das Geschlecht zur Nebensache, und es gibt mehr Raum für die Hauptsache: für konstruktive Gespräche und gute Lösungen.»

Die eigene Zusammensetzung kann die Regierung kaum beeinflussen; die Bürgerinnen und Bürger wählen die Exekutivmitglieder. Doch wie bewusst sind sich die Regierungsmitglieder der Frauenfrage, wenn es um die Besetzung von Kaderpositionen in ihren Departementen geht?

Generalsekretär ist ein Männerjob

Das Backoffice der Departementsleitungen ist männlich. Die Generalsekretariate werden von Männern geleitet. Ein Blick auf die Amtsleitungen zeigt: 30 der 36 Ämter in den sieben Departementen stehen Männer vor. Nur sechs Ämter haben eine Chefin – das Amt für Kultur, für Soziales, für Bürgerrecht und Zivilstand, für Mittelschulen, für Gesundheitsvorsorge sowie das Kantonsarztamt. Was auffällt: Von vier Ämtern im Gesundheitsdepartement sind zwei von Frauen geführt. Zufall? Oder zeigt sich hier der Einfluss der Regierungsrätin? «Ich versuche auf allen Ebenen zu sensibilisieren, nicht nur in meinem Departement. Und heute sehen sich zum Glück auch Männer vermehrt in der Verantwortung», sagt Heidi Hanselmann.

Fünf der sechs Amtsleiterinnen übernahmen die Aufgabe von einem Mann. Nur einer der heutigen 30 Amtsleiter hatte eine Vorgängerin. Der Frauenanteil hat sich folglich in den vergangenen Jahren erhöht – langsam und auf bescheidenem Niveau. Langfristig strebt die Regierung bei Kaderfunktionen einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent an. Aktuell sind es 23 Prozent. Soll das Ziel nicht nur alljährlich auf dem Papier erneuert werden, sind konkrete Massnahmen zur Frauenförderung angezeigt. Auf Anfrage wird das Übliche genannt: flexible Arbeitsmodelle, grosszügige Handhabung der Einteilung von Arbeitszeit und Arbeitsort (Homeoffice), Jobsharing, Teilzeitanstellungen, Ausschreibung von Stellen mit einer Spannweite bezüglich Beschäftigungsgrad.

Auf die Frage, ob diese Massnahmen reichten, um den Frauenanteil in Kaderfunktionen zu erhöhen, antwortet Jacqueline Schneider, Geschäftsführerin der kantonalen Frauenzentrale: «Sie haben bestimmt eine Wirkung.» Ähnlich sieht es Ulrike Landfester, Prorektorin der Universität St.Gallen: «Sie können dazu beitragen, das Problem zu lösen.» Einig sind sich die beiden: Eine «grosse Baustelle» sei für viele Frauen nach wie vor die Kinderbetreuung. Landfester fordert «systematische Unterstützungsmassnahmen», Schneider «Angebote, die für Familien finanziell auch tragbar sind».

«Frauen werden genauer durchleuchtet und härter geprüft»

«Teilzeitarbeit», so Jacqueline Schneider, «ist oft ein Killer, wenn es um Weiterbildung und Karriereplanung geht.» Die Reduzierung des Arbeitspensums werde zwar angeboten, aber ohne Aussicht, Führungsaufgaben zu übernehmen. «Mit diesen Nachteilen ist klar, dass der Frauenanteil in Kaderfunktionen nicht vom Fleck kommt.» Müssten Bewerbungen von Frauen bevorzugt werden? «Ich war lange gegen eine Quote», sagt Jacqueline Schneider. «Doch mittlerweile komme ich zum Schluss: Ohne Quote gelingt es nicht, die Hemmschwelle und den Unwillen vieler Männer, Frauen in Kaderpositionen zu wählen, zu überwinden.» Sie wisse: Dies widerstrebe vielen Frauen; keine Frau wolle Quotenfrau geschimpft werden. «Frauen, die über Quoten angestellt werden, sind jedoch nicht ‹zweite Wahl›. Ihre Anstellung ist zwingend nötig, um Kaderstellen paritätisch zu besetzen.» Die Bevorzugung von Frauen sei nur dann sinnvoll, wenn klar kommuniziert werde, dass dies bei gleicher oder gleichwertiger Qualifikation geschehe, sagt Ulrike Landfester. Denn: «Wenn sich der Verdacht einstellt, eine Frau sei nur aus Quotengründen gewählt worden, läuft sie Gefahr, dass ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird. Das ist eine schwierige Arbeitssituation.»

Heidi Hanselmann ist überzeugt: «Frauen werden meist genauer durchleuchtet und härter geprüft, obwohl der Vorteil gemischter Teams aus der Forschung belegt ist.» Und: Eine Frau stehe auch heute noch in reinen Männergremien grösseren Herausforderungen gegenüber. Für die Gesundheitschefin keine neue Situation: «Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen und konnte schon früh üben, mich durchzusetzen.»

Die Hälfte der Einwohner im Kanton St.Gallen ist weiblich. Im St.Galler Regierungsrat sitzt aktuell aber nur eine Frau. (Bild: Patric Sandri)

Die Hälfte der Einwohner im Kanton St.Gallen ist weiblich. Im St.Galler Regierungsrat sitzt aktuell aber nur eine Frau. (Bild: Patric Sandri)

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