Tätowierter Glückspilz

Scharfgezeichnet

Melissa Müller
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Wahre Kenner suchen den Wald nicht nach Steinpilzen und Eierschwämmen ab. Ihr Herz macht einen Sprung, wenn sie einen Parasol erblicken. Der braun geschuppte Blätterpilz mit einem Ring um den Stiel ist der köstlichste von allen. Paniert und angebraten wie ein Schnitzel stellt er jedes Fleisch in den Schatten. Ein Tipp: Eine Fundstelle befindet sich übrigens in der Nähe des St. Galler Gübsensees.

Auch Pilzbuch-Autor Robert Hofrichter weiss den Parasol zu schätzen. Der Biologe machte seiner Frau im Wald einen speziellen Heiratsantrag: Er streifte ihr den Ring eines Parasolpilzes über den Finger. Sinn für Romantik hat auch Schwingerkönig Dani Bösch, der in diesem Monat in Zuzwil seine Sandra geheiratet hat. Und sich ihren Namen gleich eintätowieren liess, samt Eichenlaubkranz.

Hoffentlich treibt es der «Böse» nicht so bunt wie Tattoo-Anhänger und Fussballlegende David Beckham, der einem wandelnden Bilderbuch gleicht. Der Ex-Fussballstar trägt 40 Kunstwerke auf der Haut. Darunter die Namen seiner Kinder, ein Porträt von Gattin Victoria und zahlreiche biblische Motive, darunter ein Jesus. Dass bei einem Tattoo auch alles schiefgehen kann, zeigt der Fall Kristina aus dem thurgauischen Erlen. Der grosse Löwenkopf, den ein Tätowierer auf ihren Unterarm stach, sieht in ihren Augen aus wie eine missglückte Kinderzeichnung. Sie überlegte gar, den Tätowierer zu verklagen.

Da wirkt Dani Bösch mit seinem Siegerkranz und seiner Sandra geradezu bescheiden. Und auch ein bisschen verwegen. Denn wie wir alle wissen, die Dinge können sich ändern, ein Tattoo aber bleibt. Möge Bösch ein Glückspilz sein!

Melissa Müller

melissa.mueller@ostschweiz

-am-

sonntag.ch