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Tabletten und Kräutershampoo: Auf Shoppingtour am Open Air im Sittertobel

Volle Rucksäcke ins Sittertobel hinunterschleppen war gestern. Viele Festivalbesucher decken sich erst dort mit Notwendigem ein. Zu kaufen gibt es mittlerweile fast alles, was es für den Festivalspass braucht.
Nina Rudnicki
Mittel gegen Durchfall und Kopfweh, aber nichts gegen Fusspilz: die Apotheke auf dem Festivalgelände. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 30. Juni 2018))

Mittel gegen Durchfall und Kopfweh, aber nichts gegen Fusspilz: die Apotheke auf dem Festivalgelände. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 30. Juni 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Langsam erwacht am Samstagmorgen das Open Air. Vor der Apotheke auf dem Festivalgelände stehen bereits einige Personen Schlange. Eine Mann kauft Sonnencrème, seine Kollegin Augentropfen. Dann kommt eine Frau hinzu, die auf der Suche nach einer isolierenden Rettungsdecke als Ersatz für eine Campingmatte ist. «Ich habe keine Campingmatte mit ans Open Air genommen, weil ich dachte, die kann ich bestimmt hier kaufen. Ausserdem hatte ich keine Lust, deswegen in die Stadt zu ­fahren», sagt sie.

Als sie an die Reihe kommt, wird sie enttäuscht. Rettungsdecken gibt es in der Apotheke keine – dafür aber alles, was es für akute Fälle braucht: etwa Pflaster für Blasen und kleinere Schnittverletzungen. «Ausserdem verkaufen wir sehr viele Tabletten gegen Durchfall und Kopfweh», sagt eine der Mitarbeiterinnen. «Für speziellere Beschwerden haben wir aber nichts im Angebot. Ein Kunde hat etwa nach einem Mittel gegen Fusspilz gefragt. Da mussten wir passen.» Den Stand führt die Apotheke St. Gallen-Bruggen seit 2012, schätzt die Mitarbeiterin. Ganz sicher ist sie sich aber nicht. «Auf alle Fälle kam das Open Air mit der Anfrage auf uns zu», sagt sie. Nach einigem Hin und Her habe der Kantonsapotheker den ­medizinischen Verkaufsstand bewilligt.

Designertaschen statt Räucherstäbchen

Die Open-Air-Apotheke ist nur ein Beispiel dafür, wie stark sich das Angebot erweitert hat. Viele Dinge des täglichen Gebrauchs kann man mittlerweile auf dem Festivalgelände kaufen, anstatt sie wie früher in einem grossen Rucksack ins Sittertobel hinunterzuschleppen. Die Migros führt etwa einen kleinen Supermarkt. Nebst Kräutershampoo und Zahnseide können sich die Festivalbesucher dort auch mit Grilltellern, Regenmänteln, Landjägern und Mayonnaise eindecken. «In den vergangenen paar Jahren haben sich die Stände am Open Air tatsächlich verändert», sagt auch Mediensprecherin Sabine Bianchi. «Wir setzen bei der Auswahl immer stärker auf nachhaltige Angebote.»

Verschwunden sind hingegen die nach Räucherstäbchen riechenden ­Hippie-Lädeli. Sie haben dem Design Village Platz gemacht, in dem regionale Designer Schmuck, Taschen, T-Shirts und Hemden anbieten. Das Label Hun­gric verkauft dort etwa Taschen, T-Shirts und Haltevorrichtungen für Smartphones, die in Zusammenarbeit mit der sozialen Einrichtung Heimstätte Wil entstanden sind. Die Designertaschen kosten rund 140 Franken. Zu teuer ist das den Festivalbesuchern nicht. Im Gegenteil: Gegen 30 Taschen hat das Label nach zwei Tagen bereits verkauft. Für die Designer lohnt sich das Geschäft: 1200 Franken Standgebühr bezahlen sie für vier Tage.

Am Stand nebenan, bei «Einstoffen», sind vor allem die Herren-­Sonnenbrillen begehrt. Sie kosten 90 bis 200 Franken. «Ich bezahle für eine Sonnenbrille gern so viel, wenn sie ein qualitativ gutes Produkt ist», sagt ein leicht angeheiterter Mann. Sein Kollege klopft ihm auf die Schulter und sagt: «Ausserdem sind wir sowieso schon seit zwei Wochen auf der Suche nach Sonnen­brillen.»

Gutes Geschäft dank Gluthitze

Alle Standbetreiber im Design Village sind bereits zum zweiten, dritten oder vierten Mal mit dabei. Denn das Open Air ist für sie auch eine gute Gelegenheit, ihre Marken bekannter zu machen. Edle Marken statt Massenware: Für diesen Wechsel bei den Non-Food-Ständen hat sich das Open Air laut Alexandra Koch, der Verantwortlichen für das Design Village, bewusst entschieden. «Die Menschen sind bereit, für gute Produkte mehr zu bezahlen. In der Gesellschaft hat sich das Bewusstsein manifestiert, dass Qualität ihren Preis hat», sagt sie. Die Produkte im Design Village seien handgemacht, regional, fair hergestellt und unterstützten soziale Produkte.

Auf diesen Trend aufgesprungen sind auch jene Foodstände, die vegane Burger anbieten oder mit ihren ausschliesslich regionalen Zutaten werben. Der neuste Stand diesbezüglich ist die Gelateria «Kalte Lust» aus Olten. Sie ist in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei. Die Glace sei aus Bio-Jersey-Milch hergestellt und besonders proteinreich, sagt der Geschäftsführer. «Ausserdem bezahlen wir den Bauern freiwillig den ­fairen Preis von 1.20 Franken pro Liter Milch.» Die Kugeln gibt es ab vier Franken. Die Festivalbesucher stehen Schlange, mittlerweile brennt die Sonne ins Tobel. Der Gelateria-Betreiber freut sich über den Hitzetag: Nach zwei harzigen und kühlen Tagen beschert ihm der ­heisse Samstag ein gutes Geschäft.

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