Die CVP St.Gallen hat entschieden: Sie schickt Susanne Hartmann ins Rennen für den Regierungsrat

Das Ergebnis der Delegiertenversammlung der CVP des Kantons St.Gallen am Freitagabend fällt deutlich aus: Die Delegierten nominieren die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann für den frei werdenden Sitz in der St.Galler Regierung. 

Michael Genova
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Die CVP St.Gallen hat am Freitagabend Susanne Hartmann als St.Galler Regierungsratskandidatin nominiert. (Bild: Benjamin Manser)

Die CVP St.Gallen hat am Freitagabend Susanne Hartmann als St.Galler Regierungsratskandidatin nominiert. (Bild: Benjamin Manser)

Für die CVP-Parteileitung gab es keinen Zweifel: Der zweite Sitz in der St.Galler Regierung soll mit einer Frau besetzt werden. Die Delegiertenversammlung im Kantonsratssaal in St.Gallen ist dieser Empfehlung am Freitagabend klar gefolgt: Sie schickt die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann ins Rennen um den frei werdenden Sitz von Benedikt Würth.

109 der 169 anwesenden Delegierten haben der 49-Jährigen ihre Stimme gegeben. Gegenkandidat Thomas Ammann unterlag nach einer heissen Diskussion. Der bisherige CVP-Regierungsrat Bruno Damann wurde von den Delegierten als zweiter Kandidat einstimmig für eine weitere Amtsperiode nominiert.

«Kein Angriff auf die Frauen»

Susanne Hartmann präsentierte sich in einer engagierten Rede als kommunikative, führungsstarke und belastungsfähige Politikerin. «Ich vertrete Entscheide auch wenn sie unpopulär sind», sagte sie. Hartmann äusserte aber auch Respekt vor einer möglichen Wahl in den St.Galler Regierungsrat. Ihr sei durchaus bewusst, dass die Führung eines Departements eine andere Liga sei als ihr heutiges Amt als Wiler Stadtpräsidentin.

Thomas Ammann betonte, dass er nur als offizieller Kandidat der CVP ins Rennen ginge. «Meine Kandidatur ist kein Störmanöver, kein Angriff auf die Frauen.» Es gehe ihm darum, dass die Delegiertenversammlung eine Auswahl habe. Bis zu seiner Abwahl aus dem Nationalrat am 20. Oktober habe er sich keine Gedanken über einen Kandidatur gemacht. «Ich habe nach wie vor ein leidenschaftliches Interesse für die Politik», sagte Ammann.

Rheintaler forderten eigenen Regierungsrat

Zahlreiche Rednerinnen und Redner aus dem Rheintal sprachen sich für einen Nominierung von Thomas Amman aus. Sie betonten die Wichtigkeit einer gleichmässigen Vertretung aller Regionen im Regierungsrat. «Wir wären gut beraten, die Region Südost zu berücksichtigen», sagte der Melser Kantonsrat Thomas Warzinek. Die CVP sei auch eine Partei der ländlichen Regionen. Auch Jutta Cobbioni, ehemalige Gemeinderätin von Rüthi, sprach sich für Ammann aus, weil er aus ihrer Sicht die höchsten Wahlchancen habe. Zudem habe das Rheintal seit Anton Grüninger keinen eigenen Regierungsrat mehr gehabt.

Die Gegenseite warnte davor, die Nominierung zu einer Kampfwahl zwischen CVP-Frauen und CVP-Männern zu degradieren. Nach 20 Jahren sei es wieder Zeit für eine Frau. Ein Votant rief die Rheintaler dazu auf, über ihren Schatten zu springen. Man könne nicht immer nur sagen, man solle Frauen wählen, und es dann nicht tun. Und die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer betonte die fachlichen Kompetenzen von Susanne Hartmann: «Sie ist eine Topkandidatin, keine Quotenfrau.»

Findungsphase: Rückzüge und weitere Kandidatur

Kaum war Benedikt Würths Ständeratssitz im Trockenen, gab die Parteileitung am vergangenen Wahlsonntag bekannt, dass sie mit Susanne Hartmann den Sitz verteidigen will. Die Wiler Stadtpräsidentin sei «bestens qualifiziert» für das Amt, ihr beruflicher Werdegang «wie massgeschneidert», schrieb die Partei.

Ursprünglich wollten Parteileitung und Findungskommission den Delegierten mindestens ein weibliches Zweierticket unterbreiten. Doch während der Findungsphase zogen sich die Rapperswiler Kantonsrätin Yvonne Suter und die Degersheimer ­Gemeindepräsidentin Monika Scherrer zurück. Kurz darauf brachte die CVP-Regionalpartei Rheintal Thomas Ammann ins Spiel. Die Regionalpartei stand zwar hinter ihm, seine Kandidatur stiess jedoch nicht überall auf Gegenliebe. Ammann sass in den letzten vier Jahren im Nationalrat, verpasste im Oktober aber überraschend die Wiederwahl. Zuvor war er während 16 Jahren Mitglied des Kantonsrates und 20 Jahre lang Gemeindepräsident von Rüthi.

Vor 20 Jahren mit Frau in der Regierung vertreten

Zuletzt war die CVP vor 20 Jahren mit einer Frau in der Regierung vertreten. Von 1996 bis 2000 hatte Rita Roos das Amt inne. Martha Storchenegger, Präsidentin der St.Galler CVP-­Frauen, sagte gegenüber dem «Tagblatt»: «Es ist Zeit für eine Frau.» Zwischen 2005 und 2012 sassen mit Kathrin Hilber (SP), Karin Keller-Sutter (FDP) und Heidi Hanselmann (SP) bereits einmal drei Frauen in der St.Galler Regierung.

Die CVP-Kandidatin Susanne Hartmann war zuerst Primarlehrerin, schlug dann eine juristische Laufbahn ein. Nach Studium und Anwaltspatent arbeitete sie bei der Baudirektion des Kantons Zürich. 1997 schaffte sie den Sprung ins Wiler Stadtparlament, 2013 wurde sie zur Stadtpräsidentin gewählt.

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