Super League
Der FC St.Gallen vergibt zweimalige Führung – letztlich gerechte Punkteteilung beim 2:2 in Genf

Zweimal legen die Ostschweizer gegen Servette vor, zweimal gleicht Servette aus. In der Nachspielzeit trifft Lukas Görtler die Latte, es wäre wohl des Guten zuviel gewesen. Das Wichtigste: Der FC St.Gallen holt nach zuletzt drei Niederlagen in Serie in zwei relativ ausgeglichenen Halbzeiten einen guten Punkt und bleibt im Tabellenmittelfeld.

Christian Brägger
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St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi pariert den Penalty von Grejohn Kyei.

St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi pariert den Penalty von Grejohn Kyei.

Bild: Pascal Müller/Freshfocus

Die Spielwertung

Es ist ein munteres Spiel im Stade de Genève. St.Gallen startet jeweils gut, Servette reagiert jeweils gut, und um 20 Uhr ist das 2:2-Unentschieden gerecht. Der FC St.Gallen hat Glück, dass Servette beim Stand von 1:1 einen Penalty verschiesst - Goalie Zigi hält stark - und kurze Zeit später nur den Pfosten trifft. Aber es hat Pech, dass Betim Fazlji ein Eigentor unterläuft zum 2:2. Am Schluss hält Zigi den einen Punkt fest, auf der Gegenseite trifft Lukas Görtler mit seinem Kopfball die Latte. Spielnote: 5

Die Tore

  • 0:1, 7. Minute, Basil Stillhart: Die St.Galler beissen sich am Sechzehner der Genfer fest. Victor Ruiz bringt den Ball blind mit der Hacke zur Mitte – Basil Stillhart steht plötzlich völlig frei da, zieht voll ab und lässt Goalie Jérémy Frick mit seinem Flachschuss keine Chance. 
  • 1:1, 20.Minute, Grejohn Kyei: St.Gallen lässt sich einschnüren, der Ball bleibt in der Gefahrenzone. Euclides Cabral klärt ungenügend, Miroslav Stevanovic profitiert und flankt auf Grejohn Kyei, der den Ball ins Tor köpfelt. Leonidas Stergiou kommt in dieser Szene zu spät. 
  • 1:2, 48.Minute, Jérémy Guillemenot: Die Servettiens fabrizieren in der Person des ansonsten starken Ex-Arsenal-Profis Gaël Clichy einen Querschläger. Das Leder fällt am Sechzehner zu Jérémy Guillemenot, der mit eine scharfen Schlenzer herrlich in die hohe Torecke trifft.
  • 2:2, 60.Minute, Betim Fazliji Eigentor: Nach einem Corner springt der Ball, den ein Servettien noch berührt, dem unglücklichen Betim Fazliji ungewollt an den Kopf und von dort ins eigene Tor. 

Die Spielanalyse

Die Vorzeichen könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite Servette mit nur einer Niederlage in den vergangenen sieben Spielen, auf der anderen Seite die Ostschweizer mit nur einem Sieg in sieben Auftritten. Doch es ist der Gast aus der Ostschweiz, der perfekt eingestellt und mit der derzeit bestmöglichen Formation gut in dieses Nachtragsspiel der 15.Runde startet. Jérémy Guillemenot und Kwadwo Duah kommen schnell zu Möglichkeiten, wobei besonders Guillemenot bei seinem Lupfer in der dritten Minute Pech hat. Die Genfer fallen bis dahin mit einer scharfen Hereingabe auf, ehe Basil Stillhart in der siebten Minute die frühe Führung mit einem flachen Schuss vom Sechzehner erzielt.

Lukas Görtler im Kopfballduell mit Timothé Cognat.

Lukas Görtler im Kopfballduell mit Timothé Cognat.

Bild: Pascal Müller/Freshfocus

Obwohl die St.Galler das Spiel vermeintlich im Griff haben, erholen sich die Genfer vom Rückschlag. Es ist Grejohn Kyei, der mit dem Kopf ausgleichen kann in der 20.Minute. Und es kommt kurz darauf noch schlimmer, weil Euclides Cabral bei einer Flanke mit der Hand zum Ball greift. Doch St.Gallens Goalie Lawrence Ati Ziti ist zur Stelle, hechtet in seine rechte Ecke und hält den Penalty von Kyei. Grossartig, Zigi!

Damit nicht genug des St.Galler Glücks. Nur ein paar Zeigerumdrehungen später beanspruchen es die Ostschweizer abermals, als nach einem Gestocher und Abschluss der Ball an den Pfosten geht und von dort der Linie entlang kullert. Bis zur Pause ist es denn auch weiterhin die Mannschaft von Trainer Alain Geiger, die sich eine gewisse Überlegenheit bewahren kann.

St.Galler Jubel nach dem 2:1 durch Jérémy Guillemenot.

St.Galler Jubel nach dem 2:1 durch Jérémy Guillemenot.

Bild: Pascal Müller/Freshfocus

Zu Beginn der zweiten Halbzeit machen die St.Galler dasselbe wie am Anfang der ersten – sie legen sofort vor: Guillemenot trifft in der 48.Minute nach einem Fehler der Genfer Hintermannschaft mit einem wunderbaren Schlenzer. Doch auch dieses Mal findet Servette zurück ins Spiel. Nach einem Corner fabriziert Betim Fazliji in der 60.Minute mit viel Pech ein Eigentor. In der Folge ist das Heimteam besser, eine Viertelstunde vor Schluss hat der bosnische Nationalspieler Stevanovic eine gute Möglichkeit, doch der eingewechselte Musah Nuhu kann retten.

Die Spannung bleibt bis zum Schluss, am Resultat ändert sich aber nichts mehr. Stillhart scheitert mit seinem Schuss kurz vor Spielende nur knapp, auf der Gegenseite ist es in der 89.Minute Zigi, der den einen Punkt mit einer starken Parade rettet. In der Nachspielzeit trifft Lukas Görtler mit seinem Kopfball nur die Latte – was für ein Pech.

Das Spiel könnte am Schluss auf die eine oder die andere Seite kippen. Immerhin verliert St.Gallen nach zuletzt drei Niederlagen in Serie nicht und tankt Selbstvertrauen.

Viele Zweikämpfe, aber ein faires Spiel.

Viele Zweikämpfe, aber ein faires Spiel.

Bild: Pascal Müller/Freshfocus

Der Beste

Jordi Quintillà: Der Captain, zuletzt gelbgesperrt, ist zurück. Der Spanier weiss mit Übersicht, guten Pässen und Ruhe zu überzeugen. Und seit langem sorgt der 27-Jährige wieder einmal mit einem Freistoss für Gefahr. Ober er den auslaufenden Vertrag mit dem FC St.Gallen wohl verlängern wird?
Ebenfalls stark: Jérémy Guillemenot an der Stätte seiner Jugend. Er agiert engagiert, hat Spielwitz, und erzielt ein wunderbares Tor.
Ebenfalls gut: Goalie Zigi.

Der Schlechteste

Euclides Cabral: Beim ersten Gegentor klärt der Neuzugang des FC St.Gallen ungenügend, zudem verursacht er den Handspenalty, den Servette in der Folge verschiesst. In der Pause wechselt Zeidler Cabral aus und bringt Boubacar Traorè.

Die Noten

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Stark! Hält in der 24. Minute den Handspenalty und später den Punkt mit Paraden fest.
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Musah Nuhu: Note 4,5. Auf Nuhu (wird in der 64.Minute eingewechselt) können die St. Galler wieder zählen, vor allem als Abräumer.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. Kommt beim 1:1 zu spät, ansonsten gut. Nach Nuhus Einwechslung Rechtsverteidiger – dort könnte seine Zukunft liegen.
Basil Stillhart: Note 4,5. Herrlicher Flachschuss zum 1:0, auch danach auffällig. Urteil: Er ist und bleibt unentbehrlich.
Jordi Quintillà: Note 5. Der Captain ist wieder da, umsichtig, der Ruhepol und Lenker.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Hat zuerst Pech mit seinem Lupfer. Aber sehr agil und lauffreudig, sein 2:1 ist eine Augenweide.
Victor Ruiz: Note 4. Wunderbarer Pass mit der Hacke zur frühen Führung. Der Spanier baut jedoch zusehends ab.
Lukas Görtler: Note 4,5. Hat nicht so viele Aktionen, läuft aber viel. Und am Schluss hat er Pech mit seinem Lattenkopfball.
Thody Élie Youan: Note 4. Kommt für Ruiz in der 64. Minute. Zeigt nicht viel.
Betim Fazliji: Note 4. Ganz okay, aber der Pechvogel schlechthin bei seinem unglücklichen Eigentor. Ist nach dem Spiel untröstlich.
Kwadwo Duah: Note 3,5. Von ihm ist wenig zu sehen, und wenn, dann vergibt er die Chancen schon ziemlich leichtsinnig.
Boubacar Traore: Note 4,5. Kommt für Cabral in der zweiten Halbzeit als Linksverteidiger. Macht seine Sache dann auch besser als sein Vorgänger.
Tim Staubli: Note - . Zu spät im Spiel – kein Urteil.
Alessandro Kräuchi: Note 3,5. Tritt wenig in Erscheinung, hat Mühe mit Tempo und Genfern.
Boris Babic: Note - . Seine Hereinnahme erfolgt zu spät für eine Note.
Euclides Cabral, Note: 2,5. Das Warten auf Muheim geht weiter. Cabral überzeugt nicht, klärt beim 1:1 ungenügend, verursacht den Handspenalty. Wird in der Pause ausgewechselt.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Stark! Hält in der 24. Minute den Handspenalty und später den Punkt mit Paraden fest.

Der Aufreger

André Ribeiro wechselt zu GC.

André Ribeiro wechselt zu GC.

Bild: Freshfocus

Vor dem Anpfiff wird offiziell bekannt, dass André Ribeiro per sofort den FC St.Gallen verlässt und sich den Grasshoppers anschliesst. Der 23-jährige Schweizer mit portugiesischen Eltern konnte sich bei den Ostschweizern nie richtig etablieren, erzielte in 28 Meisterschaftsauftritten drei Tore und kam meist zu Teileinsätzen. Zudem: Ribeiro wird von der Agentur von Jorge Mendes betreut, die bekanntlich bei den Grasshoppers viel zu sagen hat und heftig involviert ist in Transferaktivitäten.

Das Gerücht

Mit dem Abgang von Ribeiro könnte Petar Pusic von den Grasshoppers wieder zum Thema werden bei den Ostschweizern. Der Mittelfeldspieler, der als Linksfuss vorzugsweise im rechten offensiven Korridor agiert, wurde früher schon einmal im FC St.Gallen gehandelt. Zum Transfer mit dem 22-jährigen Schweizer kam es aber nicht. Die Aficionados sagen über Pusic, der als Identifikationsfigur beim Rekordmeister gilt, dass er eigentlich zu gut sei für die Challenge League.

Aufgefallen

In den vergangenen vier Begegnungen erhielten die Gegner des FC St.Gallen stets einen Penalty zugesprochen. Lausanne, Zürich und Sion versenkten diesen, Servette nicht.

Die Reaktion

St.Gallens Trainer Peter Zeidler: «Es ging vor allem darum, unsere negative Serie zu brechen. Das ist uns letztlich gelungen. Wir sind sehr gut gestartet, aber dann gab es ja auch noch diesen starken Gegner. Es war ein spektakuläres Spiel, so etwas kann es nur zwischen zwei guten Teams geben. Servettes Clichy war überragend. Letztlich bin ich zufrieden mit meiner Mannschaft. Es war wichtig, dass wir für unsere kleine Tour de Romandie diesen einen Punkt geholt haben.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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