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Summerdays-Festival: Kälte, Regenjacke und eine frierende Amy Macdonald

Wer auch den zweiten Festivaltag auskosten wollte, musste sich auf seine Outdoor-Ausrüstung verlassen können. Neu gab es auch ein Luxuscamping.
Michael Hasler

Es ist knapp 16 Uhr, das Festivalgelände in Arbon bereits gut gefüllt. Waren am Vorabend doch noch allerlei Shorts und Flip-Flops zu bestaunen, so verkommt das Arboner Volksfest nun konsequent zu einem Catwalk der Outdoor-Anbieter.

Die lapidare Erfolgsformel: Je nordischer der Name, desto grösser die Chance, dass sich die investierten vier- oder fünfhundert Franken für die Regenjacke auch wirklich gelohnt haben.

Amy Macdonalds sprühende Energie und drei Lagen Gore-Tex sind das grosse Versprechen des Tages. Doch ganz so lange dauert es nicht, ehe einer die inneren Feuer in Arbon entzündet.

Intelligente Präsenz statt Schmusepop

Während Seven und Lo & Leduc genau das tun, was man von Ihnen erwartet, ist es der deutsche Popliedermacher Joris, der für die erste echte musikalische Überraschung des diesjährigen Festivals besorgt ist. Er, den man gerne in die Schmusepop-Ecke einnistet, besticht mit einer ebenso erfrischenden wie intelligenten Präsenz.

Selbst vor politischen Statements hat er keinerlei Berührungsängste und spricht davon, dass sich bei einem seiner Auftritte jemand in die Luft sprengte. Es folgt ein Plädoyer für die Unbeugsamkeit – und dies erstaunlich authentisch.

Musikalisch lässt er seiner erstklassigen Band all jene Freiheiten, die man sich später bei Seven etwas mehr wünschen würde. Minutenlang darf die Band ihre Riffs zu mächtigen Wänden aufbauen, um jene dann ebenso kraftvoll niederzubrechen.

Camping de luxe

Nach 20 Minuten hüpft das Publikum, nach einer knappen Stunde liegt es sich in den Armen. Das ist Herzmusik – zum Glück selten kitschig.

Das soll man ihm mal nachmachen. Ein Viertelstunde nach der Kollektivumarmung treffen Kaspar und Sabine, ein älteres Pärchen, in ihrem Camping ein. Gleich beim Seeparksaal haben sie sich eine Übernachtungsmöglichkeit im erstmals angebotenen TCS-Pop-up-Camping gesichert.

Zelten heisst in diesem Fall, dass die aktuell 17 Gäste des früh ausverkauften Edel-Campings eines der von einer Agentur zuvor einladend gestalteten Doppelzimmer beziehen können. Fünf Container und etliche beduinenartige Belle-Zelte widerlegen die gängige Vorstellung eines Festival-Campingplatzes.

«Wir haben auch Hotels in Erwägung gezogen, aber in Arbon sind kaum Zimmer zu finden. Deshalb haben wir dieses Experiment gewagt», sagt Sabine. Und bereut es nicht.

"Wir sehen dies als Test"

Am Open Air St.Gallen, an einem Festival in Solothurn und nun am Summerdays-Festival wurde die Idee des Luxus-Campings mit Toilettenwagen und Dusche erprobt. «Wir starteten bewusst ganz klein und sehen dies als Test», erklärt Neil Parmenter von einer beauftragten Berner Eventagentur. «Die Rückmeldungen sind positiv und das Alter der Gäste bunt gemischt», stellt er fest.

Nicht verschweigen will er, dass die Exklusivität ihren Preis hat. Zwei Übernachtungen inklusive 2-Tages-Pass und Frühstück kosten 525 Franken; die VIP-Ausführung kostet noch 120 Franken mehr. «Das Package ist preislich mit einer guten Hotelübernachtung vergleichbar.»

Die exklusiven «Zimmer» in Arbon waren ebenso früh ausgebucht wie jene in St.Gallen oder in Solothurn. Auch Besitzer eines Campingbusses oder eines Campers müssen sich während des Summerdays-Festivals sputen: Die Campings in Egnach und Arbon sind äusserst begehrt. Im Arboner Camping Buchhorn musste die Betreiber ab April Interessenten für einen Stellplatz eine Absage erteilen.

Die Wärme des Geburtstagskinds

Mittlerweile ist es 21.45 Uhr, und die Senkrechtstarter der Saison, Lo & Leduc, konnten zuvor die Kälte mit einem energetischen Auftritt primär den jüngeren Festivalbesuchern wirklich aus dem Körper treiben. Zeit also für das Geburtstagskind Amy Macdonald, ihre Energie über alle Altersschichten hinweg über die Anlage zu verteilen. 31 Jahre ist sie vor wenigen Stunden geworden und wirkt so jugendlich wie eh und je. Nach drei Minuten ist man ihr verfallen, selbst wenn man ihre Musik nicht besonders mag. Auch sie ein Herzensmensch – der Kreis schliesst sich.

Und während die Temperaturen unter zehn Grad fallen, steigt eine wohlige Wärme auf. Viele können das nicht – sie kann es. Meisterlich. Und dies, obwohl sie über sich sagt, dass sie der kälteste Mensch der Welt sei. «Ich friere immer, auch jetzt», löst sie die mögliche Doppeldeutigkeit mit einem Lächeln auf.

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