Sulgen entlastet Kreuzlingen

Die Gemeinde Sulgen stellt dem Staatssekretariat für Migration eine Luftschutzanlage zur Verfügung. Der unterirdische Bau kann bis zu 120 Asylsuchenden als Unterkunft dienen.

Georg Stelzner/ martin Rechsteiner
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Das Asyl-Empfangszentrum in Kreuzlingen will entlastet werden. (Bild: Nana do Carmo)

Das Asyl-Empfangszentrum in Kreuzlingen will entlastet werden. (Bild: Nana do Carmo)

«Der Gemeinderat erklärt sich aus humanitären Gründen damit einverstanden, dass die Anlage für Luftschutztruppen zeitweilig von Asylsuchenden belegt wird», sagt Sulgens Gemeindepräsident Andreas Opprecht. Die Vereinbarung mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) gelte für die Zeit vom 26. Oktober bis 31. Januar 2016. Die Anlage bietet Platz für maximal 120 Personen. Es wird mit einer durchschnittlichen Belegung von 80 Prozent gerechnet. Sofern sie nicht von der Schweizer Armee benötigt wird und ein Bedarf weiterhin vorhanden ist, sei eine spätere Reaktivierung der Unterkunft in Absprache mit der Gemeinde möglich, ergänzt Opprecht.

Schwierige Suche

Der Gemeinderat von Sulgen reagiert mit seiner Zustimmung auf die seit Juni 2015 anhaltend hohe Zahl neuer Asylsuchender in der Schweiz. Das Erstaufnahme- und Verfahrenszentrum (EVZ) für Asylsuchende in Kreuzlingen platzt mittlerweile aus allen Nähten. Aus diesem Grund muss der Bund Asylsuchende an anderen Standorten unterbringen. Im Dialog mit den Kantonen und Gemeinden wird versucht, zusätzliche provisorische Unterkünfte zu finden. Bislang ist das Staatssekretariat für Migration im Kanton Thurgau vor allem in der Stadt Kreuzlingen fündig geworden: Dort hat es seit dem letzten Frühling die Zivilschutzanlage Fohrenhölzli und das Feuerwehrdepot Ost gemietet. Zusammen umfassen die beiden Anlagen 172 Betten für Asylsuchende. Das EVZ selbst bietet Platz für 290 Personen. Neu hat sich nun Sulgen bereit erklärt, Asylsuchende in der Luftschutzanlage wohnen zu lassen.

Die Suche nach temporären Unterkünften sei schwierig, sagt Martin Reichlin vom SEM. «Zunächst muss eine geeignete Anlage zur Verfügung stehen. Dies trifft beispielsweise längst nicht auf alle Zivilschutzanlagen in der Schweiz zu.» Zudem müsse diese frei sein, und der betroffene Kanton sowie die Gemeinde müssten einverstanden sein. «So etwas funktioniert nur im Konsens aller Beteiligten», betont Reichlin.

Aufgrund der aktuellen Lage würden die Plätze in temporären Unterkünften «rasch benötigt», fügt Reichlin hinzu. Ob im Kanton Thurgau weitere Gemeinden dem Beispiel Sulgen folgen werden, kann er nicht sagen. Der Bund suche aber weiter nach Unterbringungsmöglichkeiten. «Im Vordergrund stehen dabei Erweiterungen innerhalb oder nahe von bestehenden Asylzentren», so Reichlin. Konkrete Entscheide könne das Staatssekretariat für Migration aber erst nach einer Einigung mit in Frage kommenden Kantonen, Gemeinden oder Privaten kommunizieren.

Augenschein vor Ort

Vor der Zusage hat der Gemeinderat von Sulgen das EVZ in Kreuzlingen aufgesucht, um sich ein Bild von der dort geleisteten Arbeit zu machen. «Wir haben bei unserem Besuch einen guten Eindruck gewonnen und sind überzeugt, dass das SEM auch in Sulgen für einen geordneten Betrieb sorgen wird», erklärt Gemeindepräsident Andreas Opprecht. Während der Verwendung als Asylunterkunft wird die Luftschutzanlage in Sulgen vom EVZ betrieben.

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