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Kommentar

Suchen Sie den Spülstopp!

Die Hitzewelle in der Ostschweiz konfrontiert uns mit einer unbequemen Wahrheit: Wir sind es gewohnt, Wasser zu verschwenden. Ein Luxus, auf den wir nur schwer verzichten könnten.
Michael Genova

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Michael Genova

Michael Genova

Die Ostschweiz trocknet aus. Seit Wochen sinken die Pegelstände in Bächen und Flüssen. Statt flächendeckender Niederschläge gab es nur kurze, heftige Gewitter. Die Kantone Thurgau und St. Gallen haben die Wasserentnahme aus Gewässern verboten. Gemeinden rufen dazu auf, haushälterisch mit dem Wasser umzugehen. Und plötzlich spüren wir am eigenen Leibe, wie es Menschen andernorts tagtäglich ergeht.

Die Ostschweizer Hitzewelle bietet allerdings nur einen Vorgeschmack auf dramatischere Zustände. Dafür muss man nicht einmal Afrika bemühen, ein Blick in den Süden Europas genügt. In den meisten sizilianischen Dörfern fliesst das Wasser nur jeden zweiten Tag. Die blauen Zisternen auf den Dächern gehören zum typischen Ortsbild. Im südspanischen Andalusien muss die Bevölkerung mehrerer Dörfer bereits mit Tankwagen versorgt werden. Das entbehrt nicht einer bitteren Ironie: In der Region verbraucht die Landwirtschaft mittlerweile rund 70 Prozent des gesamten Trinkwassers – und beliefert halb Europa mit Erdbeeren.

Die Frage steht unbeantwortet im Raum: Was wäre, wenn wir unseren Lebensstil einschränken müssten? Wie reagierten wir, wenn das vermeintlich Selbstverständliche in Frage gestellt würde? Noch ist es nicht so weit. Die Behörden haben kein Bewässerungsverbot ausgesprochen und beschränken sich auf gut gemeinte Appelle: «Auto waschen, Rasen- und Gartenbewässerung und das Füllen von privaten Schwimmbädern sind nach Möglichkeit zu unterlassen.»

«Nach Möglichkeit», formuliert der Kanton St. Gallen. Er scheint zu wissen, dass Moralpredigten nichts nützen. Vor allem, wenn man selber als Vorbild wenig taugt. So bittet die Gemeinde Uzwil ihre Einwohner, Grünflächen nicht mehr zu bewässern – und macht beim Hybrid-Rasen auf dem Sportplatz Rüti genau das Gegenteil. Dafür gibt es gewiss einleuchtende Gründe. Doch die eigentliche Wahrheit lautet: Wir verzichten nur ungern auf Luxus. Das Auto darf nicht staubig, der Vorplatz nicht schmutzig sein. Und wenn die Armee mit Super-Pumas Wasser auf Alpen fliegt, versorgt sie nicht nur das Vieh mit frischem Wasser. Sie ermöglicht auch Wanderern eine romantische Übernachtung in der Bergwirtschaft.

Wenn also Moralpredigten nichts wirken, hilft vielleicht ein anschauliches Beispiel. Ein Vergleichsportal hat kürzlich berechnet, wie viel Geld die Schweizer die Toilette runterspülen. In St. Gallen sind es zurzeit rund 82 Franken pro Jahr. Wem dies zu viel ist, kann auch unabhängig von der Ostschweizer Dürre Wasser und Geld sparen. Dafür gibt es eine simple Methode: Immer kräftig auf den Spülstopp drücken.

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