Sturzis gefälschte Nummer

Der St. Galler Urs Sturzenegger ist mit seinem Motorrad auf Weltreise. In Istanbul war ihm bereits sein Führerschein gestohlen worden. Nun verschwand in Turkmenistan sein Nummernschild.

Aline Bavier
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In Turkmenistan lässt sich Urs Sturzenegger eine gefälschte Nummer malen. (Bild: Urs Sturzenegger)

In Turkmenistan lässt sich Urs Sturzenegger eine gefälschte Nummer malen. (Bild: Urs Sturzenegger)

Schon wieder Ärger für Urs Sturzenegger alias Sturzi: Der ehemalige Lehrer, der sich derzeit auf Weltreise befindet, wurde in Turkmenistan erneut Opfer eines Überfalls. Zuvor war ihm in Istanbul sein Führerausweis gestohlen worden – um einen neuen zu erhalten, musste er seine Reise unterbrechen und zurück in die Schweiz fliegen (Ausgabe vom 30. Juli).

Nun stahl ihm ein Souvenirjäger seine Töffnummer. Der 54-Jährige stellte fest, dass sie offensichtlich gewaltsam abgerissen worden war. «Ich war absolut am Ende. Ich hätte meine Nummer halt doch anschrauben müssen – was in der Schweiz verboten ist. Aber im Nachhinein ist man immer klüger», sagt Sturzenegger.

Maler wollte zuerst nicht

Kurzerhand liess sich Sturzenegger eine möglichst originalgetreue Nummer malen, um seine Reise fortsetzen zu können. «Der Maler wollte zuerst nicht, weil er sich nicht strafbar machen wollte. Doch nach kurzer Diskussion erklärte er sich dazu bereit», sagt der St. Galler. Inzwischen hat er mit der gefälschten Nummer drei Grenzen überquert. «Bei einem Tümpel habe ich meine neue Nummer noch mit etwas Dreck und Staub verziert, um den Beamten nicht aufzufallen.»

Nicht bloss in Turkmenistan hat Sturzenegger Haarsträubendes erlebt. «Ich verlor unter anderem einen meiner beiden Koffer mit sämtlichen Werkzeugen und Medikamenten drin sowie meine externe Festplatte im Iran, was ich erst in Turkmenistan bemerkte. Unmöglich, wieder zu diesen Utensilien zu kommen», sagt er.

Bei der gefälschten Nummer wollte es Sturzenegger dann doch nicht bewenden lassen. Er wandte sich an die St. Galler Behörden. Über deren «Bürokratiewahnsinn» hatte er sich zwar geärgert, weil er nach dem Vorfall in Istanbul in die Schweiz zurückfliegen musste, um einen neuen Führerschein zu erhalten. Jetzt zeigte sich, dass dasselbe Amt auch unbürokratisch vorgehen kann – «eine grosse Überraschung», sagt Sturzi.

«Obwohl dies den internen Regeln widerspricht, hat man mir ganz unbürokratisch eine Kopie der Nummer zukommen lassen. Sie ist bereits in meinem Besitz», freut sich der Weltreisende.

Noch bis Australien

Mit seiner Yamaha Ténéré 660 ist er in St. Gallen gestartet – noch bis nach Australien soll die Reise gehen. Im Moment befindet sich der 54-Jährige in Kirgisistan. Wann und ob er wieder in die Schweiz zurückkehren will, lässt er offen.